Mittwoch, 31. Dezember 2008

lost in tourism


ach ist das schön, wieder einfach daheim dankbar frisches wasser ohne zu überlegen aus der leitung zu trinken!
auf fuerteventura war nämlich leitungswasser selbst nur zum zähneputzen ziemlich grenzwertig und auch beim warmen wannenbad kommt man sich dort leicht verkeimt vor, so wie die palmenpracht an den straßen durch gefiltertes und per leitungssystem zur bewässerung genutztes kloakenwasser entstanden ist, was mir als allergisch beeinflussbarem menschen durchaus unangenehm beim joggen in die nase steigt.
überhaupt überwiegt das schlechte gewissen, was wir den armen ziegenhirten dort antun, deren familienangehörige als putzfrauen oder im service der riesigen hotelanlagen arbeiten, und nun will ryan air, die 250 000 gäste gebracht haben, ab februar fuerteventura als flugziel streichen, weil werbevereinbarungen nicht eingehalten wurden.
die unter horrorbedingungen übers meer per schlauchboot eintreffenden afrikanischen flüchtlinge müssen auch ernährt werden, jedenfalls die, die es überlebt haben, der pfarrer von morro bittet deshalb um lebensmittelspenden.
30 große anlagen stehen schon zum verkauf, weil sie nicht mehr rentabel sind, nachdem in den letzten 10 jahren die gesamte südwestküste von jandia bis costa calma mit hotelkomplexen zugebaut worden ist. auch das appartement, in dem ich jetzt wohnte, gehörte einst zum riu-konzern, der nur in den hochwertigen marktsegmenten investiert, wurde aber offensichtlich abgestoßen und leidet seitdem unter rasantem verfall. in dem ehemaligen riu-apparthotel war es nun eine mutprobe, den wild rumpelnden fahrstuhl zu besteigen (ähnlich wie derzeit in hannover im ihme-zentrum), der fernseher ging glücklicherweise nicht, das mischen von heißem und kaltem wasser geriet ständig zur kneippkur, die stühle brachen zusammen.
aber das schlimmste war dies "all inclusive", der einzige etwas gewärmte pool umlagert von (noch) lebenden stückgütern der reiseindustrie mit rosa plastikbändchen ums handgelenk, als seien sie neugeborene. unglaublich viele sehr fette junge und alte menschen waren darunter, ich schätze zu 80 prozent. und sie bestellten beim service einen cappuccino und dann noch einen und dann noch einen, weil es ja inclusive war. derart aufgeputscht, musste dann zwangsläufig mit alkohol wieder beruhigt werden.
besonders heilig abend waren die gesichter lang, es herrschte bedrückte stimmung trotz weihnachtsmann für die kleinen um 15 und 16 uhr, als ich im pool meine rückenschwimmbahnen zog (am besten ging das bei sonnenuntergang, wenn schon wieder alle beim fressen waren).
ein alter herr redete laut in die runde, er werde sich eine kerze anzünden und ein band einlegen heute abend, wo denn das problem sei? die frage kann ich beantworten: viele dieser einsamen all-inclusive-touristen legen dem christkind statt weihrauch und myrrhe den gesundheitlichen ruin der nächsten generationen in die krippe.
ich wollte dann auch mal einen kaffee bestellen, das ging nicht gegen bezahlung, wer kein all inclusive hat, muss sich einen gutschein von der rezeption holen und das war mir zu mühsam.
draußen an der strandstraße gähnten leere bazare und cafés. die depression lastet nicht nur auf den touristen, sie lastet besonders auf fuerteventura.
frage an miguel violan, den katalanischen ehemann und pressechef von firmenchefin carmen riu, die an der tui beteiligt ist, wieviele ihrer anlagen haben sie bereits außerdem abgestoßen?
vor 10 jahren residierte ich übrigens auch mal im risco del gato, einer von der bekannten wohltäterin (hannoversche tafel) rosemarie wallbrecht finanzierten und eingerichteten luxusanlage, damals herrlich in alleinlage auf einem hügel über dem meer an der costa calma gelegen. als ich es jetzt wiedersah, konnte ich die kleinen, maurisch inspirierten bungalows zuerst gar nicht entdecken hinter dem riesigen, davorgebauten pajara-hotelkomplex. total eingezwängt war das einstige schmuckstück inzwischen, mit einzigem ausblick auf die anderen immobilien.

und n guten rutsch wünsch ich noch, bei heringssalat und champagner.

Sonntag, 14. Dezember 2008

und nochwas...

bin dann mal wieder weg, um mir südlichen wind um die nase wehen zu lassen,
melde mich bei gelegenheit wieder und freue mich, 2009 mit all den treuen inserenten und informanten die city-zeitung online und print als segel gegen die finanz- und sinn-krise weit aufzufieren!

geschüttelt, nicht gerührt

assoziationen mit aktuellen politischen verhältnissen beim anschauen von james bond sind durchaus legitim. bezüge auf die politik sind ja in allen james-bond-thrillern angelegt.
der autor der ersten filme, ian fleming, ging mit dem amerikanischen präsidenten kennedy essen und manches, was er so an phantasien äußerte, griff kennedy tatsächlich für seine geheimdienste auf. auch der zusammenhang mit dem "dritten mann" ist bekannt. mich persönlich erinnert der neueste bond-hauptdarsteller außerdem physiognomisch an putin.
es handelt sich um themen, die auch politisch lanciert werden sollen. dass diesmal ein umwelt-terrorist dabei ist, ist natürlich kein zufall, denn der umweltterrorist ist die neueste kreation der rüstungs- und sicherheitsindustrie.
in den älteren filmen ging es um den furchterregenden russen, der damals von amerika zum feindbild nummer 1 hochstilisiert wurde. die bösen sind immer die anderen, nie das britisch-amerikanische empire.
kurz - james bond filme waren und sind keine reine fiction, sondern böser amerikanisch-englischer traum im dienste seiner majestät und immer ästhetisierend frauenfeindlich.
nichtsdestoweniger schwelgen viele junge damen in meiner umgebung im james-bond-feeling und kaufen sich die bei emi erschienene cd "the best of james bond". endlich mal ein richtiger mann? die musik ist jedenfalls hochkarätig besetzt und komponiert.
meine mitarbeiterin hörte sich die cd an und ging zu einer event-veranstaltung in hannover.
hier ihre rezension:

007 ist zurück

Aktuell lässt Daniel Craig wieder als neuer James Bond die Herzen der Kinozuschauer höher schlagen. Wie schon „Casino Royale“ setzt auch „Quantum of Solace“ Bond als britischen Geheimagent mit rohem Charme in Szene, dessen Karriere als Frauenheld und Weltretter mit viel Action beginnt und ihn erst langsam zum Gentleman werden lässt.

Passend zum Bond-Feeling hat nun Capitol Records (EMI) „The Best of Bond… James Bond” veröffentlicht. Auf 23 Tracks bietet diese Goldscheibe eine Zeitreise durch die vielen Filmabenteuer des Agenten 007. Mit dabei sind frühe Klassiker wie die Songs von Shirley Bassey und Nancy Sinatra, 80er Hymnen wie Duran Duran’s „A View to a Kill“ und natürlich moderne Hits wie „Die Another Day“ von Madonna. Nach der rockigen Bond-Version von Chris Cornell folgt zwar aufgrund der frühen Veröffentlichung des Samplers nicht der neue Bond-Song von Jack White und Alicia Keys, dafür werden alle LiebhaberInnen der Filmmusik aber mit einem bisher unveröffentlichtem Bonus-Track belohnt.

Auch Kai Horender, Inhaber von Hannovers innovativster Eventagentur STR8 hat das Bond-Fieber genutzt, um Kunden und Lieferanten wieder einmal von den Fähigkeiten seines Unternehmens zu überzeugen. Kürzlich kamen rund 200 Gäste im Cinemaxx Hannover-Raschplatz in den Genuss der kompletten Bond-Erfahrung – vom stilvollen Empfang mit Martinis und Flying Buffet über die private Vorführung von „Quantum of Solace“ bis zum groovigen Ausklang im Palo Palo.Offenbar steht James Bond als Geheimagent ihrer Majestät nach wie vor sowohl weltweit als auch lokal für stilvolle, actionreiche Unterhaltung

Donnerstag, 11. Dezember 2008

totenschädel und apokalypse

einige leute in meiner bekanntschaft sind genervt von den grassierenden totenkopfsymbolen in der jugendmode. warum eigentlich?
in der jugendkultur wurde schon immer der zeitgeist vorausschauend ausgedrückt. und der totenkopf ist einer der stärksten vanitas-symbole, für die vergänglichkeit des menschen und seine dumme eitelkeit.
ich selbst habe einen winzigen totenkopf am addidas-schnürsenkel, ein kapuzensweatshirt mit martialischem schädel und ein t-shirt für skater mit kinder-totenschädel, der mich an die sagen der antike erinnert (Iphigenie), das ich gern mal bei der nächsten carlyle-pressekonferenz tragen würde. alle drei sachen nicht erworben, sondern erhalten.
vanity fair, all is vanity?
rapper sido trägt eine totenkopfmaske und textet "ich will gern erwachsen werden - und dann schon mit 18 sterben". so drückt sich das lebensgefühl der jugend heutzutage nunmal aus.
wer's nicht glaubt, mische sich mal im hannoverschen veranstaltungszentrum glocksee unter die leute.
vanitas-motive (lat. auch für lüge, prahlerei, vergeblichkeit, misserfolg) wie der totenschädel zeigen, dass der mensch das leben nicht in der gewalt hat.
das trifft zur zeit aktueller denn je zu, warum also sollte die populärkultur es nicht als heilsamen spiegel thematisieren? das thema des todes und das thema des wahnsinns ergänzen sich: gedenke, dass du sterben musst.
deshalb gehören eigentlich auch internet, fernsehen, bücher, zeitungen, spiele, sammelobjekte zu den modernen vanitas-symbolen, denn sie können das lebendige gegenüber nicht ersetzen, weil sie die zuwendung des betrachters nicht erwidern können. diese medien führen bei zu starkem gebrauch zu melancholie.

Sonntag, 7. Dezember 2008

chancen der finanzkrise

die finanzkrise bietet möglicherweise auch die chance, die welt wieder auf menschliche füße zu stellen. wer jetzt den armen etwas geld und hilfestellung für eine existenzgründung gibt, könnte erfolg haben.
auch die bereits bestehenden kleinen inhabergeführten geschäfte könnten überleben, nachdem die konzerne reihenweise umkippen.
gerade weil die banken keinen kredit mehr geben, krempelt so manche inhaberin, so mancher inhaber die ärmel hoch und bringt mit viel know how und erfahrung den betrieb in die gewinnzone. es bleibt ihnen sozusagen gar nichts anderes übrig.
auch könnten umweltprojekte wie solarenergieausbau, erdwärmeprojekte, biologischer anbau verstärkt staatsgelder bekommen, um dem gesellschaftlichen leben der menschen wieder auf der grundlage sinnvoller arbeit einen echten sinn zu geben.
derzeit ist politisch allerdings nicht abzusehen, dass das steuerzahlergeld an die banken wirklich mit verboten der destruktiven kapitalistischen auswüchse gekoppelt wird.
in der drohenden menschlichen katastrophe kann die gestaltung der zukunft nicht mehr im parlamentarismus delegiert werden. deshalb: www.aktion-volksabstimmung.de

Samstag, 6. Dezember 2008

jähes ende einer happy hour im maritim...

manchmal passieren einer an wirklich unvermuteter stelle die unglaublichsten dinge. ich sitze gemütlich mit einer bekannten am offenen kamin im maritim gegenüber dem hannoverschen rathaus. der kellner bringt meinem hund galant etwas wasser. happy hour eben.
als ich mich zu dem hund umblicke, hat er eine kleine kartonpackung zerrisssen. ich denke zuerst an liegengelassene smarties oder andere süßigkeiten, da erkennen wir alle aber mehr oder weniger gleichzeitig, es handelt sich um eine packung mäusegift. nunja, im maritim unterm fenstervorhang hätte ich so etwas nun bisher nicht vermutet.
nichts wie hin zur tierärztlichen hochschule. der hund muss erbrechen, aber das erbrochene wird nicht untersucht, dazu gäbe es abends keine möglichkeiten.
im warteraum der notfallstation für kleintiere ein gummibaum, mit monatealten spinnweben und staub bedeckt....
und dann abwarten, tagelang, ob irgendwo aus meinem geliebten tier blut austritt....

Freitag, 5. Dezember 2008

die spam von heute

WOW! Santa Claus try our meds and fuck housewife and her daughter!

Donnerstag, 4. Dezember 2008

was geht da tief im beton ab?

Da sich mathias hess vom lindenpark-/Ihme-Zentrumsprojekt in hannover von mir nicht sprechen lässt (ich kenne ihn ja noch als permanent sibyllinisch lächelnden assistenten aus dem gefolge von investor engel), habe ich mich mal bei den arbeitern umgehört, die bis spät in die dunkelheit den alten beton in der parkgarage des ehemaligen ihme-zentrums meterweise per wasserdruck unter höllischem getöse wegstrahlen.
Da sagte mir jemand, die eisenarmierungen tief im beton müssten erneuert werden, sie seien verrostet.
au weia, sag ich ja die ganze zeit, kein zweites gebäude in hannover ist so nahe am wasser gebaut. und nur deshalb nämlich müssen nach meiner meinung die bewohner der calenberger neustadt auf ihre herrlichen alten bäume verzichten: zugunsten eines "überlaufbeckens".
traurig ist dabei nur, dass alle beteiligten die klappe halten, demokratie adé.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

sapere aude!

die weihnachtszeit ist da - zeit der hausmusik.
man setzt sich stimmungsvoll ans klavier, aber wer bis jetzt nur klimpern konnte, wird es weiterhin. der nürnberger trichter, wenn es ihn denn gäbe, käme nun zu spät.
als ich teenager war, glaubte ich fest, die lehrer, zum beispiel schul-lehrer, klavier-lehrer, gitarren-lehrer usw. könnten mir alles beibringen, was ich wissen möchte.
ich musste erst erwachsen werden, um zu erkennen, dass all diese leute immer nur über ein bestimmtes repertoire verfügen, das sie vermitteln können.
ein schul-lehrer bereitet sich auf die stunden des nächsten tages vor, oder sollte es zumindest im besten fall, ein klassik-gitarrist vermittelt dir exzellent bach, aber auch da nur die stücke, die er selbst beherrscht.
kurz - wie schon jimi hendrix es vorlebte, der sich das gitarrespielen komplett autodidaktisch beibrachte - du kommst nicht umhin, dich da aus ganz persönlichem antrieb und mit viel viel eigenarbeit reinzuknien.
lehrer können im grunde nur die funktion einer hebamme (mäeutik) haben, herausschrauben ins licht der kreativität musst du dich schon selbst. sapere aude! wage zu wissen!

Sonntag, 30. November 2008

gescannte tascheninhalte

bereits ehe die sache mit dem nackt-scannen zur diskussion stand, hab' ich mir so meine gedanken gemacht, wie das betrachten der durchleuchteten gegenstände sich wohl auf das vor den apparaten befindliche flughafenpersonal auswirkt.
die dinge habe ja dort eine ganz andere aura, auch die zusammenstellungen in den jeweiligen taschen.
wer also stundenlang auf diese durchsichtigen stillleben starrt, muss doch abends andere träume als unsereins haben, mehr ephemer, leichter, luftiger, durchsichtiger, skurriler auch. eigentlich ist das eine ganz andere welt des materiellen, die da tagsüber bei diesen leuten im gehirn gespeichert wurde.
und nun kommt noch das nacktscannen hinzu, was mag dabei erst in der psyche der prüfenden vor sich gehen. der durchleuchtete mensch wird für sie zur konkreten realität.
der hannoversche künstler timm ulrichs hat mit solchen durchlichtbildern vom flughafen gearbeitet. mich aber interessiert nicht so sehr die künstlerische anmutung dieser aufnahmen als vielmehr ihre wirkung auf die kontrolleure.
ich jedenfalls, die ich kürzlich gelegenheit hatte, von meinem warteraumsitz aus längere zeit auf diese schirme zu blicken, sah die alltäglichsten dinge plötzlich im wahrsten sinne in "völlig neuem licht".

Freitag, 28. November 2008

georgien

"momentan ist es ruhiger in georgien", erzählt ein georgier aus tiblisi. "aber vor kurzem noch war es der horror. du willst deinen geschäften nachgehen, da wird der luftraum für den zivilverkehr komplett gesperrt. dann liegst du im bett und hörst die russischen bomber kommen und die einschläge. und du denkst: dauernd diese dramen seit dem sturz der sowjetunion."

Donnerstag, 27. November 2008

arthaus-dvd die hochstapler, 2. teil

als ergänzung zum arthaus-dvd-dokumentarfilmtipp von vorgestern noch ein paar reale fälle:
der aktuellste, eine der reichsten frauen deutschlands, die bmw-quandt-erbin susanne klatten, brauchte ein wenig zärtlichkeit. an einer hotelbar traf sie diesen ruhigen traurigen mann mit dem feinen benehmen, verliebte sich in ihn und geriet in einen erpressungsstrudel ohnegleichen (siehe magazin stern und andere).
in england hielt ein hochstapler mehrere frauen im gleichen haus fest, unter dem vorwand, aus geheimdienstlichen gründen dürften sie nicht miteinander reden. sie hielten sich daran.
der dritte fall: uwe s. in hannover, der auch als sänger und musiker begabte bewohnte penthäuser, die ihm nicht gehörten, nahm frauen ihr hab' und gut weg, nötigte zum sex, erpresste, sperrte ein, nachdem er sich ihr vertrauen erschlichen hatte.
er prellte eine große hannoversche reinigungsfirma um hundertausende, indem er ihr eu-gelder zu beschaffen versprach.
kurz - die hochstaplerei wohnt nebenan. sie kann jedem und jeder begegnen, ob steinreich oder bettelarm, wenn da ein seelisches loch zu füllen ist. und es kommt fast immer so gar nicht böse daher, ganz im gegenteil, als weichei und softi, wohlerzogen, geistreich, charmant, aus gutem hause und introvertiert. denn das böse ist ein eichhörnchen, sagt ein sprichwort sehr treffend. schauen Sie sich die dvd an! Sie werden manches an sich und anderen anders wahrnehmen.

Mittwoch, 26. November 2008

ich trinke keinen saft mehr

warum sollte ich? es gibt hierzulande gutes wasser aus dem wasserhahn.
die geläufigen mineralwässer werden auch nur aus stadtwasser gemacht.
und man hat keinen flaschenabfall.
was den saft betrifft: da werden faule früchte mit den guten zusammen unter hygienisch fragwürdigen umständen ausgepresst, das war in den mostereien zwar schon immer so, aber dann tritt noch die brisante frage des tresters auf.
bei der saftpressung bleiben unmengen von schalen und fruchtfleisch zurück. der kostbare gesunde stoff wird teilweise an öko-betriebe gegeben, die ihn zur fütterung und düngung verwenden.
aber selbst dort ist die aufnahme-kapazität begrenzt.
in frankreich ging man nun dazu über, trester zu trocknen und in biogasanlagen zu verbrennen.
warum also nicht gleich einfach einen apfel oder eine apfelsine ganz verspeisen, mit allen vitaminen und ballaststoffen, die der darmpassage so gut tun? und dazu ein glas leitungswasser.
die lieblichen reklamen jedenfalls, dass mutti für ihr kind soviel gutes tut mit dem kauf von saft lässt sich nur im vergleich zu fante, cola, sprite verstehen. denn wenn mutti das kind zum verspeisen einer frucht motiviert, schon sie gleichzeitig neben ihrem kind noch die umwelt.

Dienstag, 25. November 2008

geschenktipp zu weihnachten: arthaus-collection

arthaus-filme kann man immer schenken. mein absoluter lieblingsfilm ist "night on earth", regie jim jarmusch.
am besten über die weihnachtsfeiertage kommt man mit der klassiker-sammlung von arthaus. enthalten ist dort zum beispiel king kong und die weiße frau, der oberflächlich ein nicht sehr tiefgängiger film zu sein scheint, aber bei näherem forschen alles enthält, was die westliche zivilisation ausmacht, die angst vor dem fremden, die achtungslosigkeit, die gewalttätigkeit, die hinterlist.
oder pasolinis medea. wer bis dato noch keine angst vor frauen hatte, kann sie hier erlernen, medea genial verkörpert durch die große maria callas. Pasolini schwelgt in farbenprächtigen bildern, seltsamen melodien und kommt mit bemerkenswert wenig text aus. der text aber, der gesprochen wird, trifft: "komm doch durchs feuer, jason, wenn du dich traust."
oder wie wär's mit basic instinct in Blue Ray?
und dann die grandiose dokumentar-dvd "die hochstapler", die sollte jeder als lehrstück im schrank haben. ich habe fast geweint vor zuneigung zu diesen lieben menschen, die so böse gehandelt haben. da gibt es einen, der musste als kind mit seinem bruder für die zeugen-jehovas-eltern von tür zu tür gehen. nie durften sie auf den fußballplatz. da haben sie sich namen von klingelschildern abgeschrieben, sie den eltern abends präsentiert, waren aber in wirklichkeit beim fußball. diese beiden nun gingen unterschiedliche lebenswege, der eine wurde hochstapler, der andere kriminalkommissar.
oder die herrliche szene, wo ein hochstapler sagt "Ein leben in lüge ist die hölle", und mich der eindruck beschleicht, jetzt lügt der schon wieder.
es geht um menschliche gier in dem film, zum beispiel als erster zivilist auf dem mond zu landen, und der, der diese mondreisen verkauft hat, erinnert mich stark an meinen cousin.

Montag, 24. November 2008

eyes shut wide

weihnachten naht: unsere kunden sind besonders jetzt unsere besten freunde, halleluja!
mann kann nicht mehr in den krieg ziehen und aus ihm entlassen werden.
der krieg ist überall. und wir sind der terror, den wir bekriegen.
nur hier ist er momentan gerade noch nicht, in meinem büro, an meinem laptop, wie ein wunder kommt einer das vor. hier ist er noch nicht.
und hier will ich ihn natürlich auch nicht haben. schreckliche bilder unter www.whyhunger.com , wie ein menetekel. das böse ist präsenter denn je. schauen sie mal dort die bildergalerie durch.
wasser trinken, nichts als wasser. das flüssige gold, um das wir uns bald bekriegen werden. wer ist hier wir? wer sind wir? und wer sind die anderen? wer sind sie? es gibt falsch gepolte leute, die gibt's.

Samstag, 22. November 2008

alice in der glashütte

neulich war ich zu gast in einer glashütte in rinteln, die auf dem neuesten technischen stand war. die glühendroten tropfen sprangen durch die vollautomatische anlage und wurden zu flaschen geformt, dass alice im wunderland und auch konkret-real disneyland, das ja ebenfalls über eine phantastische technik verfügt, neidisch werden könnten. menschen sah man kaum noch in dieser fabrik, die zum amerikanischen konzern O-I gehört, auf dessen website www.o-i.com man erst lange scrollen muss, um deutschland und rinteln zu finden.
nichtsdestoweniger wurden wir journalisten in der alten gründervilla empfangen, es wurde dezidiert auf das alter und die schönheit dieses mit wein bewachsenen baus hingewiesen, der 150 jahre zirka auf dem buckel hatte, das macht bei amerikanern sicher eindruck.
mir fiel aber auf, dass an den alten fenstern die farbe abblätterte, die ehrung dieses gründerbaus mit empfang von gästen hier also eine recht oberflächliche war, denn das streichen der fenster konnte kein posten sein in dieser mit über 90 % effizienz arbeitenden o-i-glashütte.
ein weiss-langhaariger journalistenprofi fragte nach den energiekosten dieser hoch hygienischen flaschenproduktion, die durch den benötigten hohen altglasanteil auf den fleiß der unter höchst unhygienischen umständen sammelnden flaschensammler angewiesen ist (mehrwegkonzept). der marketingmann kanzelte ihn ziemlich ab, das sei irrelevant im aktuellen zusammenhang, ging hinaus und telefonierte auf seinem handy in global english.
mir kam das alles fremd vor, dies nicht gelingen wollende wahren des andenkens des alten unternehmers in rinteln, die in englisch gehaltene beamer-show und das smarte management. eine juristische person ist eben keine lebendige, selbst wenn derzeit bestrebungen bestehen, einer juristischen die staatsbürgerschaft zuzuerkennen (im falle opel...) und vor allem, eine juristische haftet nicht. und vergießt kein herzblut, selbst wenn die alten fenster abblättern.

Freitag, 21. November 2008

Mythos
Cholesterin

Cholesterin gilt als gefährlich für die Arterien. Zu viel davon in der Nahrung oder im Blut soll zum Herzinfarkt oder zum Schlaganfall führen. Aber die Cholesterin-Theorie ist aufgrund einer Fülle von Befunden so nicht mehr zu halten.
Funktion
des Cholesterin
Cholesterin ist für Menschen und Tiere ein lebenswichtiger Stoff. 1 bis 2 Gramm werden jeden Tag hergestellt, nur 0,1 bis max. 0,5 Gramm täglich mit der Nahrung aufgenommen. Je mehr wir mit der Nahrung aufnehmen, desto weniger produziert unser Körper davon.
Arterienverkalkung
Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Entzündung in der Mittelschicht der Arterien. Diese Schicht quillt auf und es lagern sich Fettsäuren und Cholesterin ein. Zunächst kann sich diese Veränderung wieder zurückbilden, später wird sie durch Kalkbildung irreversibel.
Durch Einrisse oder Rauigkeiten an der inneren Oberfläche der betroffenen Arterie können sich Blutgerinnsel bilden, die dieses Gefäß verstopfen und so einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.
Geburt der Cholesterin-Theorie
Sie stützte sich auf folgende Beobachtungen:
• In den Arterienverkalkungen finden sich reichlich Cholesterin-Einlagerungen.
• Bei einer angeborenen Krankheit mit sehr hohen Cholesterin-Werten im Blut, treten schon ab dem 30. Lebensjahr Arterienverkalkungen und Herzinfarkte auf.
Erste Zweifel
an der Theorie
• Bei der angeborenen Erkrankung mit den sehr hohen Cholesterinwerten treten Herzinfarkte zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr sehr häufig auf. Wer jedoch das Alter von 60 erreicht, hat danach ein viel niedrigeres Herzinfarktrisiko, obwohl die Cholesterinwerte weiterhin unverändert hoch bleiben.
• 1936 untersuchten 2 New Yorker Gerichtsmediziner jeden Leichnam, der ihnen wegen eines unnatürlichen Todes zur Untersuchung geschickt wurde, sehr genau auf das Ausmaß der Arterienverkalkung. Es ergab sich dabei kein Zusammenhang zwischen dem Cholesterin im Blut und dem Grad der Arterienverkalkung.
Cholesterin und
Herzinfarktrisiko
Hierzu sind viele Studien ausgewertet worden:
• Cholesterin in der Nahrung:
Es findet sich statistisch nur ein schwacher Zusammenhang: Wenn mehr Cholesterin verzehrt wird, steigt die Herzinfarktrate im Durchschnitt leicht an. Allerdings sind die Befunde sehr widersprüchlich: In Ost-Finnland ist die Herzinfarktrate deutlich höher als in West-Finnland oder auf Korfu höher als auf Kreta, obwohl sich der Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten jeweils nicht unterscheiden. Oder in der Schweiz ist der Fettverzehr nach dem Kriege gesteigen, die Zahl der Herzinfarkte jedoch gesunken.
• Cholesterin im Blut
Aus einer Vielzahl von Untersuchungen ergibt sich: Nur für Männer unter 45 Jahren ist das Cholesterin im Blut ein sehr schwacher Risikofaktor für einen Herzinfarkt. Dies gilt nicht für ältere Männer und überhaupt nicht für Frauen.
Risikofaktor = Ursache?
Wenn sich statistisch eine Eigenschaft als Risikofaktor herausstellt, bedeutet das nicht, dass damit die Ursache gefunden worden wäre. Die Statistik kann einen Zusammenhang nur rechnerisch beschreiben.
Ein Beispiel hierzu: Der Schaden, der bei einem Feuer entsteht, ist in der Regel umso höher, je mehr Feuerwehrleute an der Löschung beteiligt waren. Die Zahl der Feuerwehrleute ist - rein statistisch gesehen - ein Risikofaktor, aber nicht die Ursache für die Schadenshöhe.
Weniger Cholesterin = weniger Herzinfarkte?
Wenn das Cholesterin tatsächlich eine Ursache der Arterienverkalkung wäre, müsste eine Verringerung dieser Substanz - in der Nahrung oder im Blut - eine messbare Reduktion der Zahl der Herzinfarkte oder Schlaganfälle bewirken.
• Cholesterinsenkung durch Diät:
Weltweit gab es rund 60 Studien dazu: Eine cholesterinarme Diät senkt weder das Cholesterin im Blut noch die Rate der Herzinfarkte.
• Cholesterinsenkung durch Medikamente:
Bei Studien mit der neusten Substanzgruppe, der Statine ergab sich:
o Behandelt man Menschen, die bis auf einen erhöhten Cholesterinspiegel gesund sind, sinkt die Herzinfarktrate tatsächlich leicht ab. Aber die Gesamtsterblichkeit bleibt gleich, d.h. die Lebenserwartung wird nicht verlängert! Die Behandlung lässt die Menschen zwar weniger am Herzinfarkt erkranken, dafür sterben sie an anderen Erkrankungen und leben auch nicht länger.
o Behandelt man Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, dann zeigt sich eine sinnvolle Wirkung: Es sinken die Zahl der Herzinfarkte, die Sterblichkeit durch die Herzerkrankung und auch die Gesamtsterblichkeit. Die Behandlung wirkt sich für etwa 3 bis 5 % der Behandelten positiv aus.
Jedoch: Der positive Effekt der Medikamente ist völlig unabhängig sowohl von der Höhe des Cholesterinspiegels im Blut als auch von der erreichten Cholesterinsenkung. Das spricht dafür, dass diese Medikamente gar nicht durch die Cholesterin-Senkung wirken, sondern über andere Eigenschaften wirken, nämlich ihre antientzündlichen und blutdrucksenkenden Effekte.
Die Medikamente verringern als Nebenwirkung die Produktion von Coenzym Q10, das für die Herzleistung wichtig ist.
Warum hält sich
die Cholesterin-Theorie so beharrlich?
Die erste große Studie zu diesem Thema wurde in den USA 1948 aufgelegt. Die veröffentlichten Statistiken waren beeindruckend: Je höher das Cholesterin, desto mehr Herzinfarkte.
Leider stellte sich erst 20 Jahre später nach Abschluss der Studie heraus, dass sie gefälscht waren. Tatsächlich war auch hier nur für Männer bis 45 Jahre das Cholesterin ein schwacher Risikofaktor für Herzinfarkte. Da diese Studie aber bis dahin ein hohes Ansehen genoss, beeinflusste sie nachhaltig die Fachwelt.
Die Nahrungsmittelindustrie stellte sich mit fett- und cholesterinarmen Produkten darauf ein. Und die Pharmaindustrie entwickelte cholesterinsenkende Medikamente. Beide Gruppen haben ein lebhaftes wirtschaftliches Interesse daran, dass Cholesterin weiterhin als schädlich gilt.
Nach Untersuchungen aus den USA haben Hochschullehrer der Medizin zu 80 % wirtschaftliche Interessenkonflikte, weil sie von Pharma- oder Nahrungsmittelfirmen Gutachten- und Forschungsaufträge oder Beratungs- und Vortragshonorare erhalten. Die Zahlen kann man ohne Weiteres auf Deutschland übertragen. Transparency International spricht hier sehr drastisch
Zusammenfassung:
1. Cholesterin ist nicht die Ursache der Arterienverkalkung und auch nicht von Herzinfarkt und Schlaganfall.
2. Eine cholesterinarme Diät ist ohne Nutzen.
3. Die Gabe von Medikamenten zur Cholesterinsenkung ist nur sinnvoll,
a. wenn Beschwerden durch Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße bestehen,
b. wenn sich ein Herzinfarkt oder Schlaganfall ereignet haben - zur Vorbeugung eines weiteren.
4. Wer cholesterinsenkende Medikamente einnimmt, sollte seinen Coenzym Q10-Spiegel überprüfen lassen.
Weitere Informationen:
• Im Internet: de.wikipedia.org/wiki/Cholesterin
• U. Ravnskov: Mythos Cholesterin, Hirzel Verlag Stuttgart
• U. Pollmer, S. Warmuth: Lexikon der populären Ernährungsirrtümer, Piper Verlag München
© 2008
Dr. med. Klaus Borcherding, Hannover, alle Rechte vorbehalten.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen geben die Erfahrungen des Autors und den medizinischen Wissensstand am Ausgabedatum wieder. Durch die Weiterentwicklung der medizinischen Erkenntnisse kann ein Teil der Informationen mit der Zeit überholt sein. Daher können sie eine aktuelle ärztliche Beratung und Behandlung nicht ersetzten.
Gemeinschaftspraxis Dres. Borcherding, GbR
Dr. med. Klaus Borcherding
Facharzt für Innere Medizin
Homöopathie, Umweltmedizin
Orthomolekulare Medizin
Dr. med. Ingrid Borcherding
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Mittwoch, 19. November 2008

ziehzeit

im kleingarten, auf dem friedhof, im vorort-garten, hält die verwandtschaft dich krebs im kochtopf fest, obwohl du zurück ins meer willst.
dem elternhaus gerade erst entflohen, bekam ich gleich mit meiner vermieterin ärger, weil ich, nicht freundlich, eine glosse über sie geschrieben hatte und sie die gedruckten belege in der post abgefangen hatte. sie lud mich zum toast in ihr wohnzimmer ein und sagte, sie wisse sehr wohl, dass sie gemeint sei. es war ein altmodischer toaster zum manuellen ausschalten und aufklappen, bei dem immer der toast verbrennt, wenn nicht rechtzeitig abgeschaltet wird.
mit 21 lernt man in möblierten zimmern den weg zum erwachsensein kennen.
ziehzeit beim tee 5 minuten, beim hund eineinhalb jahre, beim kind glatt 20 jahre.

Dienstag, 18. November 2008

wasser-gedicht

damals,
als sie im schwimmbad
am beckenrand saß
und sich sicher war,
dass ihre zeit
noch kommen würde.
tief tauchen,
fast nicht mehr da sein.
nun,
in letzter sekunde,
schien die ersehnte zeit
gekommen;
so wie ein autonomer
auf der flucht vor der polizei
im fluss untertauchte,
solange das luftanhalten
es zuließ.
und als er auftauchte,
waren die bullen weg...



(copyright für das gesamte blog bei ingeburg peters)

Montag, 17. November 2008

sokratik, dialektik, dummheit

ihr begleiter hatte eine widerliche Art der Wahrheitsfindung. er benutzte permanent aggressiv dialektik als bewusstseinszange, um frauen zu beherrschen, denn er hatte unheimlich angst vor ihnen.
Widersprechen ist noch kein Gespräch, auch kein sokratisches. sie sagte spontan beim anblick einer sehr großen kirche in einem sehr kleinen ort: das ist ja eine kathedrale. da brauste er auf: das ist doch keine kathedrale! kathedralen gibt es nur in frankreich. was natürlich sowieso nicht stimmt.
begründe den ausdruck kathedrale, herrschte er sie an. das sollte vermutlich dialektisch wirken, dabei war es einfach situationszerstörend, nichtmal sokratische ironie, hier wurde nicht erkenntnis geboren, sondern eine aufkeimende gesprächssituation zerstört.
das war schockierend, das machte traurig, das war schade. und übrigens, der klitzekleine ort war bischofssitz, aber ihr war die lust vergangen, ihm das zu sagen. er hatte sich so an dies zerteilen, ja brutales zerschlagen ihrer äußerungen gewöhnt, dieser mann, der sich für ach so gewaltlos hielt, dass keine ganzheitliche situation mehr zustandekommen konnte.

Donnerstag, 13. November 2008

EuroTier 2008-reflexionen

einige religionswissenschaftler sind der ansicht, das schuldbewusstsein der menschheit mit der bitte um vergebung beziehe sich vor allem auf die sünde des fleischverzehrs, weil zur ernährung der menschen tiere getötet werden.
wenn ich meine superintelligente hund so betrachte, die jeden tag zwei treppen die post hochbringt, kann ich dem nur zustimmen; hunde werden in china ja verspeist...zumindest in manchen gegenden wohl noch.
die meisten von uns laien haben auch schon von überzüchteten schweinen gehört, die beim klappen einer tür tot umfallen - sozusagen.
nun kamen sie ja alle nach hannover zur EuroTier 2008-Messe, die tierärzte und wissenschaftler, die landwirtschaftsstudentInnen und züchter. da gab es entzückende tierplakate und bilder von hübschen mädchen, die ein schnuckeliges kälbchen im arm halten.
aber womit beschäftigten sich diese leute eigentlich wirklich während dieser messe? mit den süßen schweinchen und kälbchen und rindern? hier eine kleine auswahl.
ich zitiere die firma ligrana aus pinneberg: FAro 612 ist speziell für die ferkelaufzucht mit mittelkettigen fettsäuren (MCFA) und aromen ausgestattet. es steigert signifikant die lebendmassezunahme.
nun aniMedica mit dem slogan "entscheidend ist, was hinten rauskommt", denn fruchtbarkeitsstörungen sind der häufigste grund für abgänge und verursachen immer hohe kosten. chlormadinon-haltiges dient dabei der brunstinduktion und zyklussynchronisation, die Buserelin enthaltende injektionslösung der behandlung von eierstockzysten und der verbesserung der aufnahmerate im rahmen der künstlichen besamung, als auch beim bekannten OvSynch-verfahren. Das (R)-Chloprostenolhaltige präparat wirkt auf den gelbkörper und wird für verlegung des brunst- und ovulationszeitpunkts und der behandlung von gebärmutter-erkrankungen.
da bei keinem der präparate eine wartezeit auf die milch eingehalten werden muss, kommt es nicht zu finanziellen verlusten.
der estrotect-heat detector von dairymac aus hamshire bietet einen aufkleber für die haut der kühe an, der anzeigt, wann sie in der hitze sind.
die bretagne im westen frankreichs präsentiert sich im bereich tierproduktion als eine der bedeutendsten regionen europas (50% der französischen gesamtproduktion bei schwein und geflügel, 20% bei milch). da bietet ECAT kükenzähler an, NEOVIA präsentiert mit T5X die bekämpfung von Mykotoxinen bei Futtermittelzusätzen, B-Safe und Stimune (verbesserung des immuntransfers auf die ferkel), www.hereandthere.fr mischt rohstoffe wie bypass öl, additive (emulsifikator, antioxydanten; desinfektanten), I-TEk liefert optimierte Schweinzuchtanlagen, Rapidex ernährungs- und tränkensysteme, Serupa schlüsselfertige hallen für den masthähnchenbetrieb, Elvor Milchaustauscher für jungtiere, Lamballe cedex "boosters for life" (steigerungsmittel) wie piggyboost, coloboost calf, lambboost, chick'boost, floryboost, und vieles andere mehr. (anmerkung: ob's wohl auch schon viagra für tiere gibt?)
schaumann biete zusätze für die silage an, Divasa-Farmavic zangen, spritzen, geräte aller art.

all das steht nicht in den zauberhaften kinderbüchern über die tiere auf dem bauernhof.

und dann die vorträge: "der tierarzt als qualitätssicherer in milcherzeugerbetrieben",
"zukunft der milchproduktion - welche risikofaktoren sind zu beachten? "
"podiumsdiskussion: welweite verknappung von futtermitteln - märkte, preise, tendenzen." "TopGenetik",
"circovirus" - zurück auf der erfolgsspur mit der ferkelimpfung",
"futterkosten senken, leistung optimieren - im abferkelststall",
"klassische geflügelpest - vorsorgemaßnahmen in niedersachsen",
"wie man aus hühnern enten macht. bemerkungen zur impfung gegen geflügelpest". "wasserversorung bei pekingenten",
"erzeugung von functional eggs und ernährungsphysiologische relevanz".
"impfungen bei fischen - vorbeugen statt behandeln - neue zulassungen und konzepte (rotmaulseuche, furunkulose)",
"Neue energiekonzepte für die erzeugung von fisch (afrikanischer wels) im geschlossenen kreislauf - wärmenutzung von biogasanlagen),
"vorzüge der abschäumtechnik und ozonisierung in der intensiven aquakultur",
"erhöhung der abwehrkräfte und immunantwort in fischbeständen durch zusatzstoffe in der fischfütterung",
"Die entwicklung rentabler und produktionssicherer technologien und produkte zum "indoor-fishfarming",
"parasiten, bakterien und viren in kreislaufanlagen",
"verleihung des shell service award" für bioenergietechnik.

na dann erstmal guten appetit?

oder doch noch lieber schnell zur beichte geh'n?

Mittwoch, 12. November 2008

breaking the waves im Hause Karl Marx

durch den einbau einer neuen treppe musste ich einige bücherregale umsetzen und da fiel mir grad von der edition sonne&freiheit ein text von paul lafargue in die hände, dem schwiegersohn von karl marx, dessen persönliche erinnerungen an karl marx ich erneut mit interesse las. insbesondere über die weiblichen mitglieder der familie marx:
"niemand hat je in höherem maße das gefühl der gleichheit besessen als frau marx, und dies obgleich sie in einer deutschen aristokratenfamilie geboren und erzogen war. für sie existierten keine sozialen unterschiede und klassifikationen... heine, der unerbittliche satiriker, fürchtete marx' spott, aber er hegte eine große bewunderung für den scharfen und feinfühlenden geist von dessen frau...marx hatte so hohe achtung vor der intelligenz und dem kritischen sinn seiner frau, dass er mir 1866 sagte, er habe ihr alle seine manuskripte mitgeteilt, und er lege großen wert auf ihr urteil.
frau marx hat viele kinder gehabt. drei davon starben in zartem alter, in der periode der entbehrungen, welche die familie nach der revolution im jahre 1848 durchzumachen hatte, als sie, nach london flüchtet, in zwei kleinen zimmerchen der dean street, soho square, lebte. ich habe nur die drei töchter der familie kennengelernt. als ich 1865 bei marx eingeführt wurde, war die jüngste, die jetzige frau aveling, ein reizendes kind mit dem charakter eines knaben. marx behauptete, seine frau habe sich im geschlecht geirrt, als sie dieselbe als mädchen zur welt brachte...
neben den genannten zählte die familie marx noch ein wichtiges glied: fräulein helene demuth. in einer bauernfamilie geboren, war sie noch ganz jung, fast ein kind, lange vor der verheiratung der frau marx (anm. die aus der familie der herzoge von argyll abstammte), als dienstmädchen zu ihr gekommen. als sich dieselbe verheiratete, verließ helene sie nicht, sie widmete sich vielmehr der familie marx mit einer solchen hingabe, dass sie sich selbst völlig vergaß....marx spielte schach mit ihr, und es geschah oft, dass er die partie verlor...
frau marx starb am 2. dezember 1881, wie sie gelebt hatte, als kommunistin und materialistin. der tod hatte keine schrecken für sie. als sie fühlte, dass der moment der aufösung gekommen, rief sie aus: "Karl, meine kräfte sind gebrochen". dies waren ihre letzten, deutlich vernehmbaren worte. sie wurde am 5. dezember auf dem friedhof zu highgate in der abteilung der "verdammten" (unconsecrated ground = ungeweihte erde) bestattet...
nach dem tode seiner frau war marx' leben nur noch eine kette stoisch ertragener physischer und moralischer leiden, die sich noch verschärften, als ein jahr darauf auch seine älteste tochter, frau longuet, plötzlich starb. er war gebrochen und erholte sich nicht wieder. er entschlummerte, vor seinem arbeitstisch sitzend, am 14. märz 1883, in seinem siebenundsechszigsten jahre."

Sonntag, 9. November 2008

sollbruchstelle frau

ich habe für meine puppen kleine zeitungen erstellt und sie ihnen in die händchen gedrückt, statt sie im arm zu wiegen. dann wünschte ich mir einen druckkasten zu weihnachten und begann, zeitungen herauszugeben, mit fortsetzungsroman "moby dick", das erstellen der druckstempel überforderte mich natürlich schnell.
ich schrieb eine geschichte für ein nachbarskind, deren eltern einen lebensmittelladen hatten und das kind tagsüber bei uns abgaben, das von dieser geschichte völlig begeistert war (es ging um neid und soziale integration) und mir eine schokolade schenkte. man riet mir, die story beim rundfunk einzureichen.
mit 17 machte ich konkrete poesie, ohne den begriff zu kennen, falls es ihn damals schon gab. ich schrieb, durch fernando arabal inspiriert, ein theaterstück aus dem material meiner träume. ein journalistenkollege aus hamburg nahm mir das manuskript ab, ich könnte ja mal berühmt werden...
bei meinen redaktionskollegen in der provinz initiierte ich das gedichte aus der dose- schreiben. es waren ein paar gute von mir dabei, möglicherweise hat sie ein kollege noch. nebenbei schrieb ich seitenweise reportagen über die klezmer, mädchen auf dem bau, den kulturverein des ortes, meinen krankhausaufenthalt wegen psoriasis, die regelmäßig die neid-stürme der kollegen, vorgesetzten, der konkurrenz und der freien mitarbeiter des ortes hervorriefen. das könne ich gar nicht selbst bzw. allein geschrieben haben, hieß es damals schon. denn ich war eine frau.
dann schrieb ich ein längeres manuskript über den weiblich-erzwungenen sich-schönmache- und fithalte-zwang.
ein kollege in hannover fand den text gut, ich solle weiterschreiben und meinen angehenden redakteursposten quittieren. ich tat es. das war die sollbruchstelle in meinem leben. von da an hatte mich die nackte not im griff. wie das bei frauen eben so ist, man braucht sie fürs tägliche, nur dem männlichen künstler wird aufmerksamkeit und anerkennung zuteil.
es ist so sinnlos wie nur was, dies alles hier zu vermerken, nach dem motto "liebes tagebuch", nicht wahr, ich mach mich damit nur noch lächerlicher, immer noch lächerlicher. also lachen wir mal ne runde.

enescu zum sonntag

hier zum sonntag eine cd-empfehlung. hänssler classic hat von george enescu die "complete works for violin&piano vol. II" aufgenommen.
enesco, einer der giganten unter den komponisten, wurde erst jetzt mit dieser welt-ersteinspielung angemessen gewürdigt.
reicht für einen ganzen sonntag... die sind doch jetzt schon verkaufsoffen, oder halt bestellen für nächsten sonntag oder die kommenden feiertage.

Freitag, 7. November 2008

regierung züchtet menschliche ratten, teil 2

ich fordere hiermit die wirtschaft auf, ihr recycling-problem nicht auf den verbraucher abzuwälzen, schon gar nicht auf die "mutti", wie es ein fachmann von der stiftung initiative mehrweg vorgestern formulierte (sic), die im supermarkt nach dem falschen einweg-kasten greift (bei derartigen beispielen für blödheit muss ja immer die frau herhalten).
schließlich verdient unsere wirtschaft ja an den konsumenten, also sollte sie sich innovativ etwas einfallen lassen, wie ihre verpackungen wieder rückgeführt und rückverarbeitet werden können, ohne dass arbeitslose im müll nach pfandflaschen ausschau halten müssen, so "lieb" das ja vom staat als zusatzeinnahme für an ertüchtigung interessierte rentner gemeint sein mag.
da geh ich völlig einig mit herrn pott, dem inhaber der bügelflaschenbrauerei pott im münsterland (www.potts.de), der sagt, die verbraucher würden derzeitig derartig reglementiert, dass er's nicht mehr aushalten könne, seien es nun die raucher oder trinker oder fettleibigen. nur die banker nehme der staat bisher seltsamerweise von seinem reglement aus...
bitte beachten Sie dazu auch kommantar 1 unter dem 30. juli 08 in meinem blog.

Donnerstag, 6. November 2008

fahr'n, fahr'n, fahr'n

.gasthaus siekmann. café kriemelmann.
ordentlich gekleidete alte damen an der bushaltestelle.
satteldächer. walmdächer, krüppelwalmdächer. graue wohnblöcke. verrottete balkone.
lautsprecher-batterien-akkus. fahrschule schlecker. bielefelder autoeck.
sparkasse mit geldautomat.
ich muss so dringend...mal wieder mit FTI verreisen, dazu ein blaues männecken piss. kuschelreisen weg.de, grill&pizzeria troja,
"umweltschoner" stadtwerke bielefeld als schriftzug auf einem bus;
fredebeul immobilien; 007 ein quantum trost,
am bus: 18 000 tonnen weniger co2;
eine sehr große deutsche-bank-filiale.
naraiyha-straße.
www-event-consult-berlin.de;
weihnachtsmann-buffet im mövenpick vom 20.11.-20.12.,
sparda-bank,
seidensticker als in relation zu große werbeschrift über dem schriftzug bielefeld am bahnhof.
rechtzeit-ich postbank.
grüne welle für innovation - zuliefermesse maschinenbau.
create your bike.
die straßen und kreuzungen durchschneiden die kleinen orte.
Lkw auf Lkw, speditionen, baufirmen, getränkelieferanten.
bei 3 spuren ist eine komplett mit lastwagen ausgefüllt. die macht des faktischen.
jetzt wälle rechts und links.
eine riesige halle bertelsmann media center.
hagemeier reisen mit reisegruppe "lila".
new look - some great taste.
verschenken Sie hannover im paket.
mit zorn und zärtlichkeit an der seite der armen -50misereor ihr hilfswerk.
klimaschutz, energiesicherheit.
angel-spezi - angel-welt.
doppelhäuser, ein großes mit einem kleinen daran angebaut.
bundesstraße - das schild wirkt so antiquiert.
es dunkelt, die szenerie spiegelt sich nochmal in der scheibe.
dann das shell-zeichen wie ein mond.
die lichter verdreifachen sich nun, die autos haben weihnachtsbaumähnliche lichtkaskaden auf ihren strahlern.
video

Sonntag, 2. November 2008

moderne sklaverei

den götzen macht nicht der vergolder sondern der anbeter.
heutzutage ist die sklaverei keinesfalls abgeschafft.
wieviele familien sind schuldsklave der banken, nur weil sie sich den traum von eigenen haus erfüllen wollten?
wievieele kleine geschäftsleute können keine waren mehr auf kredit einkaufen, weil die bank das kreditlimit gekürzt oder gestrichen hat?
und welche folgen hat das für das familienleben?
in einer mutter-kind-erholungskur traf ich vom häuslebauen völlig erschöpfte frauen an. ich bemerkte, dass deren kinder teuerste markenkleidung trugen und fragte eine ärztin dort, mir den widerspruch zu erklären. die erwiderte, ja, das ist unsere haupt-klientel, diese mütter, die mithelfen müssen in der anschaffung von klamotten, beim großen auto, beim eigenen haus. da folgt dann irgendwann zwangsläufig der nervenzusammenbruch, und deshalb sehen Sie hier soviel Oilily-Kinder, die hatten das bei der abreise zur kur einfach alles noch im schrank...
beute machen oder beute sein, gibt es dazu keine alternative? die menschliche seele ist doch eigentlich eher ein lämmchen.

Samstag, 1. November 2008

geschichte ist die summe aller lügen...

wegen der finanzkrise gibt es ja derzeit wieder so eine unterschwellig antisemitische atmosphäre, als hätten wir nicht wieder alle mitgemacht bei der tolerierung von finanzspekulation. um dem ein wenig entgegenzuwirken, möchte ich daran erinnern, dass der 1971 geborene amerikanische Professor bryan rigg ermittelt hat, dass rund 150 000 deutsche soldaten jüdischer herkunft waren. das wird gern in deutschland verleugnet.
12 000 davon sind pflichtgetreu für das deutsche reich gefallen. aber wem ist hierzulande der leutnant frankl ein begriff, dem als einer der erfolgreichsten deutschen jagdflieger der preußische orden "pour-le-mérite" verliehen wurde. gerade in der luftwaffe verteilte hitler großzügig deutschblütigkeitserklärungen zum "ehren-arier". auch göring hat gesagt: "wer jude ist, bestimme ich". selbst die waffen-ss hatte deutsche juden in ihren reihen. durchschnittlich verlor jeder dieser soldaten 8 verwandte im holocaust; der mit dem EK 1 ausgezeichnete unteroffizier hans günzel sogar 57.
zu den bekanntesten ritterkreuzträgern jüdischer herkunft zählen die beiden brüder milch, major robert borchardt (1912-85) erhielt sein eisernes kreuz im wüstensand afrikas an der seite von generalfeldmarschall erwin rommel. der jüdische-deutsche major hatte auch die chinesische nationalarmee mitausgebildet.

Freitag, 31. Oktober 2008

mit kajal und makeup: die emos

mal was ganz anderes heute, um zu zeigen, wie jedes individuum sich seine eigene welt im bewusstsein erschafft, etwas über emos.
emos sind jugendliche, die ihre meist schwarz gefärbten haare mit dem glätteisen strecken, der pony verdeckt ein auge. kajal und make-up werden von mädchen und jungs gleichermaßen benutzt.
totenkopf- und schachbrettmuster wird vom sehr eitlen emo häufig verwendet, haarschmuck im herzchen-kirschen-schleifchen-stil und die optisch ins auge fallenden snakebites, schlangenbisse, zwei piercings in der unterlippe, meist selbst gestochen.
die internetplattform netlog mit rund 35 millionen mitgliedern in europa ist der virtuelle marktplatz der emos, mit einer deutlichen häufung bei den 14- bis 24jährigen.
emo-websites erkennt man auf den ersten blick an den nicknames: SoVerySad, SuicideSweetie, EmOtears. Dabei sind die Profilfotos allesamt von oben fotografiert, dass macht die augen ausdrucksstark. dann kommen dunkelromantische filter darüber und pathetische sprüche in schnörkelschrift wie "I will love you till the end" oder "Min Shats, min Shnuggi - Forever in my Heart". Sch wird konsequent als sh geschrieben, Vokale fehlen oft gleich ganz und die wichtigsten ausdrücke haben verbindlich abkürzungen - "iwie" gleich irgendwie, "ka" gleich keine ahnung, "sry" gleich sorry, "vlt" gleich vielleicht.
In einigen Blogs wird auf Teufel komm raus mit selbstmordgedanken kokettiert. liebesgedichte werden zu drohungen, tagebucheinträge zu abschiedsbriefen. jugend halt.
das alles macht den emo zum opfer. gejagt wird der effemierte junge, die schwuchtel. verhauen wird der empfindsame schwächling, der nicht zurückschlägt. getriezt wird die heulsuse, verlacht der introvertrierte gedichteschreiber mit der hornbrille. das war schon immer so. bloß haben die bisher ihr stigma nicht als style vor sich hergetragen.
ein weitere problem kommt dazu: der emo-stil ist zusammengeklaut. die punks wollen ihren nietengürtel wieder, die ska-anhänger sehen ihre schachbrettmuster-devotionalien missbraucht, die gothics waren doch bisher die einzigen, die schlecht drauf und ganz in schwarz waren, und die nazis sind böse, weil diese kids ihre engen mädchenjeans tragen. ach ja, und die alt-homos mussten hart kämpfen, um ihre sexualität offen leben zu können, und da kommen jetzt diese möchtegern-schwulen und küssen sich einfach so...

Donnerstag, 30. Oktober 2008

nicht nett

stewardess kommt mit zeitschriften: "für die dame etwas buntes?"
zum herrn: "sie kommen mir bekannt vor, sie sind vielflieger, nicht wahr?"
stattdessen antwortet die dame: "ich komme für die flüge dieses herrn auf, er ist mein mitarbeiter."
stewardess missbilligend: "es ist nicht nett, einen mann so herabzusetzen."

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Have a shampoo, have a gun

was wollen wir am hindukusch? für unsere besitzer das gas absichern?
aber die würden uns doch gern das gas geben.
es geht einfach um kriegsproduktion an sich, weil sie so lukrativ ist. und deshalb bekommen wir in hannover eine neue feldjägerausbildungsstätte, für jene als "harte hunde" der militärpolizei bekannten scharfschützen und karatekämpfer, zum vermehrten einsatz im inland zudem.

the monsters of oil and gas know it.
so smooth like champaign the system works, this system of injustice. justice protect riches.

welcome to capitalism: yes, you and you too. (william shut the gate), have a drink, have a cocktail, have a shampoo, have a gun. get on the floor!

Dienstag, 28. Oktober 2008

von baufirmen und hedgefonds in fremdem land

bei kristiansand in norwegen wird eine neue europa-autobahn durch die felsen gesprengt.
bisher waren deutsche firmen wie bilfiger und berger dabei, aber nachdem die sich einige male bei den sprengungen verschätzt und menschenleben in gefahr gebracht hatten, übernahmen die skandinavier diese difizile aufgabe wieder selbst.
gastarbeiter sollten sich in den landesgegebenheiten, auch geographischer art, besser auskennen, andernfalls geht der auftrag eben flöten.
ähnlich unsensibel wütet der hedge-fonds carlyle in hannover im ihme-zentrum. zu den dortigen studentenwohnungen führt eine holzkonstruktion hinauf, die glatt als versuchte körperverletzung angesehen werden könnte.
auf jeder zwischenplattform kann man auf einer in ihrer stabilität fragwürdigen blechkonstruktion durch große löcher in die tiefe blicken. ausgesprochen mutig, wie die studenten dort hinauf- und hinunterlaufen...
es ist wahr, die hedgefonds kämpfen derzeit wegen ihrer hohen kreditaufnahmen ums nackte überleben, aber die leidgeprüften bewohner des ihme-zentrums auch.

Montag, 27. Oktober 2008

leuchtreklamen und ankermieter

der riesig-rote schriftzug "ernst-august-galerie" knallt in die dunkelheit, zerstört die architektonische anmutung eines der wenigen klassizistischen bauten, die wir in hannover besitzen, des bahnhofs. darunter das ganze etwas kleiner nochmal: ernst-august-galerie, als hätten wirs noch nicht begriffen.
dieser kleinere schriftzug sollte eigentlich das logo des ankermieters werden, denn auf der pressekonferenz hatte man an dieser stelle den begriff "ankermieter" versehentlich noch in den layouts gelassen, behauptete aber gleichzeitig, keinen zentralen ankermieter zu wollen...
nun gut, derzeit brummt die galerie auch ohne ankermieter, insbesondere für die geldgeber, die 10-jahres-verträge mit den mietern abgeschlossen haben.
unter den mietern wird diskutiert, dass die einen oder anderen auch wieder ausziehen werden, das sei ja normal. und wenn alle stricke reißen, würde sicher saturn die gesamte untere etage anmieten, falls die kundenströme mal ausblieben, munkelt man. die galerie lobpreise ihre ökologisch nachhaltigen lüftungsanlagen, das raumklima werde aber von einigen kundInnen doch bemängelt. andererseits wird es bei der jetzt gerade hereinbrechenden kälte angenehmer empfunden. wer weiß, vielleicht könnte es ausgerechnet der vielgeschmähte abrupte klimawechsel der klimakatastrophe sein, der das in amerika schon totgesagte mallkonzept wiederbeleben könnte. egal, ob es draußen brütendheiß oder eiskalt ist, innen ist es temperiert.
die todschicke fahrradrotunde ist allerdings derzeit geschlossen und mit weihnachtsdekorationsmaterial vollgestellt.
wenig begeistert sind die angestellten der postbank. sie hatten sich jetzt gerade an ihr kostenfreies domizil im ehemaligen postscheckamt gewöhnt, nur um jetzt zur miete in die ea-galerie zu ziehen. eine angestellte: "eine gehaltserhöhung wäre uns lieber gewesen". in dem engen postcenter im erdgeschoss der eag stehen sich die leute die beine in den bauch. nicht alle schalter sind besetzt. man weiß ja, der post geht's schlecht und einige wollen ja auch vielleicht ihre ersparnisse abholen, was möglichst zu verhindern wäre.

Sonntag, 26. Oktober 2008

unplugged

im sandy bells im schottischen edinburgh habe ich mich mal gründlich blamiert. da stand ein schild "malt" und ich fragte den mann hinter der theke, ob da alkohol drin sei. er nickte. ja. weiter sagte er nichts...
inzwischen steht im schrank zuhause eine flasche old balantruan, 50 prozent vol. und unser lieblingsvideo dazu heißt Kirkwall Ba (Insel Orkney)
unter http://www.youtube.com/watch?v=S5_YTSQpIuE.
U. Peters hat übrigens für ihre ethnologische arbeit über Kirkwall Ba an der Universität von Edinburgh den john-delargy-award (oder so ähnlich) erhalten.
die stimmung war gemütlich, ich blieb beim frischen guinness, u.peters wurde von einem zugetextet, der behauptete, er sei ein berühmter rockstar.
eine irische folkgruppe spielte wie üblich im sitzen und der alte bassist, der haargenau aussah wie james joyce, blickte mich durchdringend freundlich regelmäßig an, so dass ich mich setzte, um zu sehen, ob es dabei blieb. es blieb dabei.
es war eine familäre atmosphäre, eine deutsche ragtime-pianistin, die sommers in den meadows im freien in die tasten haut, quatschte uns an, und alle bedauerten, dass wir den pub verließen, um ins royal oak zu wechseln, dem nächsten heißen tipp des ethnologie-professors meiner tochter. dort war nicht besonders viel los, einer spielte rockgitarre, dann wieder folk, ein alter mann sang seine balladen. über einem platz das bild eines kürzlich verstorbenen nachbarn, der just dort 30 jahre lang jeden abend gesessen hatte und viele auf den schottischen nationalstolz hinweisende schilder. man kommt in die schottischen pubs durchaus kurzerhand in jogging-hosen herein, ein schlafanzug würde auch keinen anstoß erregen.
und dann geschah plötzlich das wunder: es war duende da im royal oak, der königlichen eiche, so würde ein spanischer flamenco-gitarrist es nennen. ein unscheinbarer typ in windjacke kramte aus derselben eine kleine blechflöte hervor, spielte und sang dazu das vielstrophige lied von der undankbaren lucile: "I baught you some shoes with 5 inch of high heels, it's not the right time to leave me, Lucile." und steckte die flöte letztlich ebenso unvermittelt weg.
wer so etwas annähernd in hannover erleben möchte, kann dies sonntagabends von 18 bis 22 uhr im irish harp gegenüber dem capitol an der umzubauenden brücke. dort treffen sich eine sängerin mit wunderschöner stimme, ein begnadeter gittarist, ein noch tollerer fiddle-spieler, einer mit einem mir unbekannten instrument in lederhosen, langem haarzopf und großem hütehund, und viele andere mehr zum musizieren irischer folklore, sitzend natürlich, und bei guiness oder cider.
kommen Sie einfach mal vorbei, ich bin auch da.

Samstag, 25. Oktober 2008

stammtischgequatsche

der 70jährige: "diese frau als bundeskanzlerin berichtet mit langweiliger stimme von maßnahmen gegen die finanzkrise, als sollen die kartoffeln von draußen reingeholt werden, weil regen kommt. die hat ihre berater, die legen ihr das vor, und sie entscheidet das dann als physikerin."
der 80jährige: "das war doch schmidt schnauze ganz anders".
der 70jährige: "aber der hat ja schon seinen vierten herzschrittmacher teuerster bauart".

Freitag, 24. Oktober 2008

schönheit der arbeit

rattatazong, weg ist der balkon? presslufthammer-bernhard? nein- hier wirkt peter gryschka, der chirurg unter den caterpillar-fahrern aus Ihme roloven. mit großer aufmerksamkeit und präzision räumt er stein auf stein ab, so dass seine mitarbeiter ihn schon bei wetten dass... anmelden wollten. der mann kennt sein gerät.
video

Donnerstag, 23. Oktober 2008

konkrete poesie von ingeburg peters



entstehen eigentlich in der modernen welt neue namen, wenn ja, wie?
beispielsweise bei afrikanern, die einen europäischen namen neben dem stammesnamen brauchen und sich mondeo nennen wie eine automarke?
wann beginnen die leute chip zu heißen? oder digit? oder inge information? aus versehen? verhören? versprechen? die weiterentwicklung der sprache ist ein ständiger fluss. ständig tauchen neue stile auf, und auch neue namen werden entstehen, da bin ich sicher.
copyright: ingeburg peters

Mittwoch, 22. Oktober 2008

beim lesen von jutta ditfurth im ICE

die protagonistin ist eine unberingte frau. sie ist allergisch gegen beringung als zeichen, dass sich jemand in ihrem haushalt niedergelassen hat. "Dass man, wenn man heiratet, so furchtbar festsitzt, ist etwas schwer.“ formulierte es schon Paula Modersohn-Becker treffend.
im großraumwaggon des ice starrt ein macho-sack auf ihre unberingten hände und guckt, ob sie ihm kontaktsignale aussendet, vielleicht körperteile präsentiert wie Oberschenkel ihm entgegen hebt oder sonstwas, weil er gern zu seiner neben ihm sitzenden, oval nickelbebrillten adretten bubikopf-frau in der frisch gestärkten rötlichen bluse sagen möchte, haste die gesehen, das war vielleicht ne scharfe nudel. je oller, je doller.“
die protagonistin möchte dennoch freundlich bleiben, weil für sie frau für freundlich gleich freundschaftlich steht.
der sack versucht nun, mit dem schaffner zu konspirieren, um sich gemeinsam mit ihm über die frau lustig zu machen. die aber beharrt auf ihrer freundlichkeit und bremst damit den schaffner aus.
ulrike meinhofs mutter war eine außergewöhnliche frau. sie liest das in einem buch von jutta ditfurth mit riesigen tiefschwarzen lettern auf blutrotem grund auf dem buchrücken und blutroten lettern auf tiefschwarzem grund auf dem titel. sie kann dies buch gar nicht auf dem sitz liegen lassen, um aufs klo zu gehen, so auffällig ist es. es steht drin, dass hans-jürgen krahl schwul war, der ihr mal avancen gemacht hatte, oder warum hatte er sie vom club voltaire in die wohnung seines freundes gelotst? ob der alte setzer noch lebt?
viele, die die frau früher kannte, murmelten damals was von 'auch dabei bei der raf', einige der fahndungsgesichter erkannte sie später wieder, die hatten bei erich herumgesessen im gasthus honovera in der hannoverschen altstadt.
den meinhof-buchumschlag vorsichtshalber entfernen vor dem aufsklogehen. heinrich böll wird darin zitiert, dass die nazis zur erreichung ihrer politischen ziele keine bankraube wie die raf unternehmen mussten. der bankier schröder und die deutsche bank rückten das geld freiwillig raus, kommentiert böll sarkastisch.
zum ersten mal liest sie etwas von wolf biermanns antifaschistischer mutter, von emma biermann. und wie sagte der vertrauensdozent der studienstiftung des deutschen volkes, ernst heinitz: es sind die begabtesten, sensibelsten und kritischsten, die sich nicht mit den verhältnissen abfinden wollten und auf abwege kommen.
vom brief einer sklavenmutter (renate riemeck) an ihr sklavenkind ist die rede.
Und: masken für ihren privatsafe fertigten die pathologen für sich an, fertigten sie nach dem tod der terroristen von deren gesichtern an. beim auftakt des zeitalters der bürgerkriege, genannt terrorismus.
ulrike meinhoffs gehirn musste nachträglich extra bestattet werden, nachdem die wissenschafts-enthusiasten endlich gezwungen wurden, es herauszurücken.
der ICE hält außerplanmäßig wegen „eines personenunfalls auf den schienen“. da fahren wir schon wieder. „da hat‘s geraucht“ kramen reisende ihre ice-störungserlebnisse heraus aus den erinnerungen.
der schaffner kommt vorbei und scherzt „zwei tote haben wir heute sogar auf der strecke“. die frau fragt: „wie ist das für den zugführer?“. der schaffner grinst fröhlich: „wenn der so vor ihm steht und ihm noch zuwinkt...wir holen die strecke schon wieder auf.“ die frau versucht sich ebenfalls sarkastisch: ein personenunfall, was ist das schon gegen die aussicht der neutronenbombe für die hungernden.

„kaffee bitte schön“, der kellner hat noch einen becher auf dem tablett. zwei siebzig. schweineteuer. vielleicht ist es ne doppelte portion.

Dienstag, 21. Oktober 2008

verbrecherische sklaverei

am steintor in hannover machen die teilweise erst 15jährigen wunderschönen prostituierten manchmal pause, um das kind zuhause in der heimat anzurufen. mit tränenüberströmtem gesicht berichten sie danach, dass der kleine sohn gejammert habe, mamma, wann kommst du nach hause. "aber ich muss doch arbeiten", sagte das schöne mädchen.
das ganze passiert jetzt im 21. jahrhundert, frauenschönheit als fluch der männergeilheit und direkter weg in die verbrechererische sklaverei.

Sonntag, 19. Oktober 2008

so richtig schön decouvriert

da hat sich das fernsehen mal so richtig schön decouvriert, entblößt, zu recht zum narren gemacht: es vergibt einen fernsehpreis an den beckmesser reich-ranicki, vermutlich, um sich einen bildungsanstrich zu verpassen. es lässt während der verleihung an den literaturkritiker einen houellebecq-rezitator in pynchon-verkleidung albern vor ihm herumtanzen und wundert sich dann, dass der ewig gestrige reich-ranicki übers fernsehen herfällt.
mensch, der ist bei shakespeare stehengeblieben, da fühlt er sich sicher, denn tote dichter können ihm ja nichts anhaben; dem alten, der seine sekretärin anherrscht, für ihn im internet zu recherchieren, der seine ehefrau lächerlich macht, indem er sich mit seinen affären rühmt.

Samstag, 18. Oktober 2008

mensch als automat

. rotieren wie ein rotierbesen
. immer mundpastillen
. immer bereit
. immer jogging-kleidung parat.
. aufträge geben und nehmen.
. waren bestellen und liefern
. zentrale sein
. immer locker über‘n hocker
. tieftraurig sein
. finds it hard, to stay alive.

Freitag, 17. Oktober 2008

the world according to haarp...

in den obligatorisch gewordenen überheißen sommern pflegen sich inzwischen die alten und schwachen ins krankenhaus zurückzuziehen. denn das wetter mordet neuerdings.
und immer wieder schlägt die haut blasen, weil haarp es so will? jenes amerikanische militär-projekt in alaska, das mit dem wetter experimentiert? the world according to haarp... die harfe, auf der kein engel spielen mag.
im september dann kippten die temperaturen schlagartig von 25 grad auf 10. kurz zuvor setzten sich noch im warmen kiesteichwasser die vogellarven in der haut fest. dann plötzlich gefror das blut in den adern, die muskeln erstarrten.
da kam gestern eine schwer übergewichtige blondine aus dem verwaltungsgebäude der gewerkschaft und plötzlich sackte sie auf dem bürgersteig in sich zusammen und sagte benommen: "ich bin so taumelig."
http://www.science-explorer.de/reports/haarpprojekt.htm

Donnerstag, 16. Oktober 2008

das männliche dilemma

mandela sagt, du musst die ganze herde vor dir her führen, keinen zurücklassen. leicht gesagt. 27 jahre lang stieß er dabei mit kopf und fuß an die wand.
mao hingegen schickte seine chinesen ins gefecht, nachdem die ersten niedergeschossen waren, fassten die nächsten mit bloßen händen nach den angreifern, die dadurch nicht mehr nachladen konnten. zehntausende chinesen starben, mao gewann. ähnlich handhabte es gandhi, nur unter dem deckmantel der ahimsa, des gewaltlosen widerstands.
es ist nicht erlaubt, menschen auf den müll zu werfen, so frei sind wir nun auch wieder nicht im neo-feudalismus, oder noch nicht.
wenn du endlich deine einsame hütte auf der insel erlangt hast, dann stellst du fest, dass sich das ganze drama in deinem kopf abspielt, dass du es immer bei dir trägst. du stellst fest, dass du chronisch unglücklich bist und chronisch unbescheiden. und auch auf deiner einsamen insel brummt der kühlschrank, ruckelt der dunstabzug im wind, dir ist schwindelig, denn es ist nicht so einfach, sein unglück zu formulieren, dies unglücklichsein als normalzustand.
die türen klappern. absolut still ist nur der tod.
als sich am abend der wind legte und die natur schwieg, ging sie mit ihrem freund hinaus. das fortwährende klicken seiner kamera, eines hochwertigen modells, das aber in wenigen jahren fotografisch amortisiert sein musste, weil es dann wieder überholt sein würde, dies klicken also störte sie. sie bat um unterlassung, was als hysterisch-weiblich-neidische zumutung empfunden wurde, weshalb das klicken nun als gegenreaktion in noch viel kürzeren intervallen stattfand und den stillen abend ruinierte.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

das wunder von norwegen

ohne auto. der nächste tante-emma-laden in sieben kilometer entfernung. da überlegte sie, irgendwo im einsamen schärengarten des skaggerraks, in den abgelegenen sommerhäusern und gehöften, um einen kaffee betteln zu gehen, denn es zog sturm auf; aber tat es nicht, sondern flanierte entlang eines sunds, weil da grad mal ein so seltenst zu findender pfad angelegt war - als da plötzlich auf einem absatz nahe eines bootsrumpfs eine lädiert aussehende, aber geschlossene packung „Bremer kaffee“ als strandgut lag, abgelaufen schon 2005, also mindestens sechs jahre alt, dennoch mit intakter vakuumverpackung...
das war das wunder von norwegen. der kaffee schmeckte noch, seine wirkung wurde bewusster wahrgenommen denn je.
ihr kam wiedermal lukas in den sinn: suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan; bittet, so wird euch gegegeben. oder meister eckhart: was du gefloh‘n hast, flieht nun dich, was du gesucht hast, sucht nun dich?

Dienstag, 14. Oktober 2008

china, die hausfrau, das BSP und die finanzkrise

beängstigend wenig ist in diesen tagen der finanzkrise von china die rede, obwohl wir informierten doch wissen, dass vom chinesischen verhalten alles abhängt, ob das nun klappt mit der bankenrettung oder nicht.
das erinnert mich wiederum an mein altes kardinalthema, was denn wäre, wenn die hausfrauenleistung ins bruttosozialprodukt einer nation eingehen würde. das gäbe erstmal ein enorm vergrößertes bsp, aber zweitens würde dadurch die jahrtausendealte unbezahlte sklavenstellung der HAUSFRAU und familienmutter BEWUSST. ein gedanke, den ich bereits 1974 als vwl-studentin in hannover dem wirtschaftswissenschaftler pohl vortrug, der inzwischen dekan einer ostdeutschen uni ist, der aber, statt stellung zu nehmen, draufhin unter den schreibtisch kroch und an einer steckdosenleiste wackelte, dann aber schließlich zu mir heraufrief, das sei irrelevant.
das war die zeit, als auch die natürlichen ressourcen noch als "frei" gelehrt wurden und die gewinnmaximierung die heilige kuh war (das ist sie allerdings bis heute noch). ich hab das studium dann drangegeben, ich fand's damals irrelevant für mich.
was hat das aber nun mit china zu tun?
für mich sehr viel.
die ungeheuer große versklavte menschenmasse dieses riesigen landes macht es erst möglich, dass china den crash durchhalten kann. so wie die kostenlose tätigkeit der hausfrau und mutter jegliche gesellschaft überhaupt erst möglich macht. wehewehe, wenn das eines tages nicht mehr funktionieren würde.

Montag, 13. Oktober 2008

fearless females

One whistleblower can give the public the truth they need to stop a war.

neuerdings fotografier ich die telekom-leute, wenn sie an der telefonleitung rumfummeln.
heute morgen nach 8 uhr aber schaute ich aus dem fenster, da schloss einer sofort mit zittrigen händen wieder schnell die buchsen, ehe ich den fotoapparat finden konnte.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Elysium aus gammelfleisch

die stundenglocke läutet wieder und betont den kleinstädtisch-ruhigen Charakter des stadtteils. mrs. dalloway aus der bondstreet wohnt hier nicht, dies ist eher das viertel der desorientierung der drogennehmenden scheidungskinder.
die blonde gurrt im hof, ein balzer balzt zurück. das ist ein gegurre und gebalze. „ich muss arbeiten“, sagt die blonde zu frau angelika und braust mit ihrem motorrad los. sommers arbeitet sie als rettungsschwimmerin, bestimmt hat sie dabei einen roten badeanzug an wie pamela anderson, obwohl sie mehr heidi klum ähnlich sieht. winters pflegt sie in südindien oder asien in hütten am strand zu leben.
wenn frau angelika nicht ständig den müll in der straße entfernen würde, sähe es aus wie in der bronx. ein hund lebt hier im döner-wunderland, an jeder straßenecke das elysium aus gammelfleisch.
überall zieht es in diesem ansonsten so schönen hinterhaus. jemand überlegt sich ständig, warum etwas heute nicht passt, heute nicht sein könnte und gestern nicht war, so wie die tanten in swanns welt nicht dazu kommen, einfach für den asti zu danken.
das täglich brot droht, die notwendigen tätigkeiten drängen sich als schätzungen herein. lasst mich in ruhe, ihr finanzamtstypen. lasst mich in ruhe! lasst mir das geschenk der ruhe. bei den kleinen holt ihr das geld zusammen, um die globalen zocker zu stützen. heutzutage nährt ein versklavtes volk verantwortungslose juristische personen, die keine lebenden personen sind, für fehlverhalten nicht haftbar gemacht werden und keines natürlichen todes sterben können.
bei der angeblich auskunftsunterstützenden finanzamtshotline anzurufen ist in wirklichkeit fast gleichbedeutend mit selbstanzeige. da notiert dann so'n finanzamtsbürokrat als erstes die steuernummer, statt auskunft zu geben und gibt die tatsache der einfachen anfrage möglicherweise an die fahndung weiter, wer weiß...
die vögel zwitschern, das fenster ist geöffnet. tüditt, tüditt, tüditt, welcher vogel ist das?

Samstag, 11. Oktober 2008

zu mus zerdrückt

hi, da bin ich wieder.
mit der fragestellung, welcher adäquate lebenspartner für eine moderne selbstständige frau in frage kommt:
1. da gibt es den beschäler, der nachts ins bett getrampelt kommt und es morgens wieder verlässt, ohne dass es sich lohnt, ein wort mit ihm zu wechseln.
2. oder den, der regelmäßig die sahnehaube von ihrem geistigen wie beruflichen wie privaten kuchen abschleckert und sie gottgegeben qua überlegenheit des männlichen geschlechts als seine kolonie betrachtet. er trinkt ohne zu fragen tee aus ihrer tasse, von der er weiß, dass sie daraus kaffee zu trinken pflegt.
3. dann den verspielten, der ähnlich wie der typ 2 auf die sahnehaube aus ist, aber die frau nicht so stark kolonisiert und degradiert, sondern einfach die gelegenheit für die erweiterung seines eigenen werks nutzt, wenn sie ihn beispielsweise auf reisen mitnimmt und er nicht eine müde mark dazugibt, weil er ja selbstbewusst durch seine dummy-funktion der permanent bedrohten frau bereits seinen dienst leistet.
4. mit einer frau leben, da habe ich keine erfahrung und keine neigung.
5. allein leben, das sei sehr stark, mailte mir kürzlich eine erfolgreiche frau. aber dem steht entgegen, dass frau sich wenigstens gelegentlich auch mal hängen lassen möchte.
6. den richtigen mann finden, der einer luft lässt, sie akzeptiert in ihrer intelligenz und bildung, und einen entsprechenenden dialog auf augenhöhe führt, da fällt mir nur klaus theweleit ein (lesen Sie mal, was er über produktionssexualität geschrieben hat), aber der lebt bereits in einer glücklichen beziehung.
in früheren zeiten glitten solche fähigen frauen in den suff ab, kamen in die irrenanstalt, die meisten brachten sich freiwillig um, siehe virginia woolf, silvia plath, diane airbus und tausend andere. auch cornelia von goethe, gleich komfortabel von ihrer geistreichen mutter erzogen wie ihr bruder johann wolfgang, zog einen abgang in jungen jahren vor, als sie einem dichter den haushalt zu führen aufgrund ihrer hohen bildung nicht in der lage war.
paula becker-modersohn gebar ein kind und angesichts des damit bevorstehenden Aus ihrer künstlerfreiheit zog sie es vor, einem blutgerinnsel zu erliegen. klingt absurd? ich weiß schon, was ich hier schreibe, es ist meine tiefenpsychologische interpretation des falles.
gala, die surrealistin, ärgerte stets in paris andré breton mit ihrem exaltierten auftreten, in dem er nicht den kunstansatz zu erkennen in der lage war oder es einfach nicht wollte. sie nahm der jüdischen journalistin louise ernst den berühmten mann und künstler max weg, ohne sich deshalb von dem ihren, dem dichter paul elouard, zu trennen, ging dann zu Dalí über, den sie zum millionär managte, weil es damals für eine kreative frau keine andere möglichkeit gab, wie als muse zu mus zerdrückt zu werden, zog sich dann auf ihr geisterschloss zurück, nur um dann plötzlich den zehn jahre jüngeren salvatore dali pflegen zu müssen, der ohne sie nun zusammengebrochen war, und dabei ging sie dann schließlich drauf (sturz usw.).

und heute? da gibt es als punkt 7 noch das beispiel merkel & co., ein frauenleben in der öffentlichkeit mit nur seltenst auftretendem ehemann. kinderlosigkeit ist hierbei, glaube ich, ein ganz wichtiger faktor; sprich: kastration der frau in ihrer wichtigsten, gottgleichen fähigkeit, leben zu geben. (ausnahme: von der Leyen, in deren begüterter ur-familie die kostenintensive delegation von kinderbetreuung tradition hat, kürzlich von einem jungen mann aus ihren eigenen kreisen neidisch als gebär-kuh betitelt.
also, haben Sie noch eine andere idee für ein menschenwürdiges leben einer gebildeten kreativen frau? auch lacan schlägt einer solchen frau das kultivierte alleinleben vor. schön gesprochen...

Donnerstag, 2. Oktober 2008

ich bin dann mal weg

...und melde mich bei gelegenheit wieder.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Dienstag, 30. September 2008

friedhof für kreative köpfe

die restriktiven richtlinien mancher friedhöfe sind frustrierend. deshalb sind wir hier im herzen hannovers auf die idee gekommen, einen künstlerfriedhof ins leben rufen zu wollen.
wenn Sie interesse haben, an der realisierung mitzuarbeiten, bitte mailen.
es geht vor allem darum, dass ein fröhlicher friedhof, mit exponaten der jeweiligen künstler oder nach ihren vorstellungen gestaltet, eröffnet wird, auf dem sich die hinterbliebenen kreativer köpfe einfach viel wohler fühlen als auf herkömmlichen friedhöfen mit ihrem reglement.

Montag, 29. September 2008

gibt es schutzengel für stadtmanagement?

nachdem die weltpolitik mit dem rüstungsgewinnler-fonds carlyle in die nachbarschaft der innnenstadt hannovers gezogen ist, sind nachts die parkgaragen des dortigen carlyle-investmentprojekts linden-park alias ihme-zentrum hell erleuchtet. so wird unübersehbar deutlich, wie beängstigend dicht dran sie sich über dem wasserspiegel des flusses ihme befinden. hier wurde in den 70ern unverantwortlich nah am wasser gebaut.
zweitens fällt auf, unter welch primitiven bedingungen dieser angeblich ach so finanzstarke fonds das zentrum abreißt und umbaut. überall eingeschlagene scheiben, herumliegende teile, das wäre mit einem gewissen finanzaufwand doch besser und erträglicher zu lösen.
irgendwas stimmt hier nicht, das fällt selbst der gutwilligsten auf. und nun noch die welt-finanzkrise dazukommend...
am bahnhof eröffnet demnächst das shoppingcenter ernst-august-galerie, dessen äußeres an hässlichkeit kaum zu überbieten ist.
möge hannover einen schutzengel speziell für immobilienbelange besitzen!

Sonntag, 28. September 2008

Gemütliches Beisammensein

Gestern habe ich ein Gemütliches Beisammensein veranstaltet. Es sollte zumindest eines werden.
Es wurde aber so etwas wie eine Zusammenkunft meiner Feinde, jedenfalls kamen nur Leute, die mich in der einen oder anderen Form einfach nicht akzeptieren wollten.
Eine Freundin fragte meinen Nachbarn, ob das mehr sein Hund oder mein Hund wäre, obwohl ich dachte, es wäre klar, dass das mein Hund ist.
Der Philosph sagte, die Bilder an der Wand seien wohl von XY, ich verneine, sie seien vom mir, die Konkrete Poesie sei mein Kunstgebiet.
Das sogenannte befreundete Ehepaar kommt herein und sieht die Umbauten und fragt, wann habt ihr das umgebaut? Ich sage schon ganz kleinlaut, das habe ich umgebaut. Sie: Du allein? Ich sage ja, mit meinen türkischen Handwerkern, und füge verstärkend hinzu, mein Freund sei zu der Zeit im Krankenhaus gewesen. Das geht erst recht nach hinten los: Waaaaas, er im Krankenhaus, warum das nicht erzählt worden wäre, ob das etwa von mir mutwillig runtergespielt worden sei.
Ich fand also mein Gemütliches Beisammensein nicht gemütlich und werde auch keins mehr initiieren. Ich scheine nur die falschen Leute zu kennen oder es gibt nur falsche Leute, jedensfalls, was die Wahrnehmung meiner Person betrifft. Eins von beidem.

Samstag, 27. September 2008

der ekelhafte mann

hannover als messestadt richtet derzeit die IAA-nutzfahrzeugmesse aus. ferner gab es gestern die eishockey-scorpions zu bewundern, heute das ausverkaufte fußballspiel in der awdzocker-arena. und bei dieser gelegenheit dürfen wir all das ekelhafte des mannes in nuce erleben.
den mann als tier zu bezeichnen wäre eine beleidigung für die so mitfühlenden und taktvollen tiere. man kann ihn nur als ekelhaft beschreiben, als unfall der natur, vielleicht wegen des abgebrochenen x-chromosoms; aber da besteht kein interesse von dieser seite, das näher zu erforschen.
nicht allein männer, auch frauen sind manchmal distanzlos, vor allem, wenn sie als männerbüttel abgerichtet sind, aber ich sag mal, zu 90 prozent ist dies phänomen männlich.
da kommen sie aus finnland, wo alkohol verboten ist, und besaufen sich in die besinnungslosigkeit. da versuchen sie, die nutten zu prellen, um ihre spesen zu behalten. und ihre ehefrauen wollen davon gar nichts wissen daheim, denn sie kennen das ja jeden all-tag nur zu gut, dies ekelhafte am mann.

Freitag, 26. September 2008

millionen berichten aus ihrem leben

bisher konnten medienschaffende und die besitzer der medien sich relativ ungeniert mittels der begründung, sei seien profis, ausdrücken.
durch das internet kann dies inzwischen fast jeder. dort können jetzt millionen ihr leben beschreiben, während das früher nur eine elite durfte, deren werke dann vielfach als archetypisch galten.
schreiben und filmen ist kinderleicht publizierbar geworden. unter youtube zeigen nun jugendliche anderen die neuesten tanzschritte, springt ein chinese mit seinem vorgeschnallten hund aus dem flugzeug zum fallschirmspringen. auf poesieseiten veröffentlicht die frau von nebenan. das volk darf endlich auch seine kreativität zeigen, wie joseph beuys es gefordert hat.
wir profis hingegen sind pikiert, da könnte ja jeder kommen... aber diese einstellung nützt nichts. der spiegel hat jetzt richtig reagiert und ein mitmachmagazin herausgegeben, die bild setzt leserreporter ein. und ich finde das schön demokratisch und bereite entsprechendes für meine sites vor.
durch die elektronischen medien wissen wir aber auch andererseits alle bescheid über alles, starren dennoch nur gebannt wie das mungo auf die schlange, ohne etwas zu unternehmen. das ist die kehrseite der medaille.

Donnerstag, 25. September 2008

Beim Hören von Beethoven

Sommerzeit, ein altes wundervolles Löschblatt, geschöpft, marmoriert mit kleinen roten Fäden, dick, griffig, saugfähig, strukturiert.
Sie fahren über Kaltenweide, er mit der Digital-Spiegelreflexkamera, die in der Fototasche wie ein gemächt aussieht. wie einer dieser modernen Mischhähne. kein Konzept haben, keinen Plan. Nichts. Niente. Ninguna. Nada. was zuerst da ist, kommt zuerst zum zuge. so einfach ist das. vertrauen in sich selbst. Das ist Sprache, das ist Leben, das ist Wunderland. Oder war es. Oder wird es. Wer weiß. Ohne Plot. Ohne Handlung. Ganz ohne Phantasie.
Wiederholt sich die Sequenz wieder und wieder? es scheint weiterzugehen 2:33, obwohl es wie eine Wiederholung klingt, sowohl bei Bach wie bei Beethoven. Beet-Hoven. Bet-Hoven, Bett-Hoven. Bach-Ofen. 3:46, ich kann mich wieder hinlegen. staub im laser-leser vermutlich.
Das kleine muffig riechende Schreibheft. Beethoven ging zu Huren. Er kam nicht klar mit sich, das hört man sehr schön in seiner Kunst. Oben und unten. Gerührt und geschüttelt. Wie ich, die als ihr größtes Talent nennt, sich jedermann zum Feind zu machen.
Thomas Bernhardt riss sein Hemd auf, hier haben Sie mein Herz, Sie können hineinsehen. Plötzlich lehnt sie sich zurück, schließt die Augen, spürt ihre Gehirnwindungen, meinsmeinsmeins, alles meins.
Im Anfang war das Wort. die Gießwein haben schmutzige Sohlen, müssen gewaschen werden. Es abenddämmert. From Dusk till Dawn. Dämmerung, die zuerst immer eine Morgendämmerung ist, abends aber erklärende Beiworte braucht.
Diese Bässe, unglaublich. Offenbar hat sie was burschikos Luxuriöses an sich.
der schulfreund soll angerufen haben damals, als sie auf Sylt war, weil es ihr schlecht ging. sie hat das erst vor kurzem erfahren. Dann war er tot. Die Nachricht, geheuchelt überbracht im Wiener Café auf Sylt. Hey, how are you?
Laufen lassen. Ich musiziere schriftlich mit. die musikkonserve musiziert mich an und ich antworte mit Schreiben. Plötzlich ist das Wunderland da.
Die Tulpen auf der Bettdecke. Friedas Tapetenmusterentwürfe wurden ihr von der Fabrik, in der sie arbeitete, enteignet und gewinnträchtig verwendet.
Warrender Road. Edinburgh. Auf der anderen Straßenseite geht Miss Marple.
Joycens Muse war die Tochter. Kackkackack. Handke und das Gebirge. Gepirge. Die Sainte-Victoire. Zen-Kloster yes, something like this. kloster mariensee. Operator-operator. Vor- und Zurück. Vorblende, Rückblende.
Was wird alles geschrieben unterm Himmelszelt!
Was ist davon geblieben? Welt!
Beethoven war ein einziges Schwanken, ein Hin und Zurück. diese ineinander verschlungenen Kabel, schwarz und durchsichtig, wie Patti smith und ich, wie Evelyn Fox und ich. So wie ich mit dem Hund irgendwie zusammengewachsen bin, ein Zentaur geworden bin. Unter der Bettdecke schauen vier Pfoten hervor. über die Echsenhaut an meinen Händen schreibe ich. Als wär‘s ein Stück von mir, deute diese verletzliche Künstlernatur. Was erzählt der Pianist da? Es war einmal vor langer Zeit. Once upon a time.
Kühles Resopal unter meiner Hand. von Möbel Wilhelm. Weil die tochter den Walzer auf dem Klavier übte, An der schönen blauen Donau, dachte sie ans Neujahrskonzert, in das sie früher gingen, als das Kind Kind war. Und da saßen sie mitten im Parkett, diese unverschämt blonde deutsche Frau und ihr Mann, Herr K. von Möbel Wilhelm, dem lieferanten der resopal-möbel. Dieses Weißblond haut raus und rein, vor allem, wenn man das vom rang aus sieht, da sticht es besonders ins auge.
sie kannte auch zwei nette höfliche junge Serben, jawoll, Hommage an Handke.
der button Rosa Luxemburg steht ab von ihrem busen. Singt nach Biermann: „Karl Liebknecht und Luxemburg Rosa, das sing‘ ich jetzt nicht noch einmal.“ Denn die Luxemburg war ne ganz andere Größe als der Liebknecht. Die Blüte der Menschheit, das Salz der Erde, auch ich will Jude sein.
Morgens oder im Traum hört sie oft den elektrischen Gong, der aber gar nicht läutet. Inzwischen ist es dunkel geworden. Viertelvorneun. Um Zehn ist nochmal Leerung an der Hauptpost. Das Funktionieren will durch die Hintertür herein, fordert sein Gewohnheitsrecht. das effizient-sein, efiizient-sein. immer effizient sein. während des ruhens schon im kopf die nächsten aktionen vorbereiten, das ist die perfide mühle. Das Licht hat sie schon länger an. Den schönen weißen Vorhang, der mal gewaschen werden muss, schon halb zu, damit die sie im Vorderhaus nicht sehen und erschießen. Die Cd beginnt von vorn. Buuppbuhbuu, bambambapah. Dass ich eins und doppelt bin? Wer ist die andere?
Der Stereoklang ist gut. Penelope wartet nicht länger. Schreck im Bauch wie Messerstich, weil sie ein Klingeln phantasiert. Das schlechte Gewissen, nicht allzeit bereit zu sein, um die Tür zu öffnen. Die Tür zur Großen Begehbaren. so wie sie bestimmte briefe nicht öffnen mag, vor lauter angst. Dabei tobt Beethoven.
Die kleine Frau muss doch immer tüchtig sein. wer hat ihr das eingeblasen? dann kam einer, der spielte mit ihren sehnsüchten wie alle hochstapler. danach kam nur noch reine not, die erfinderisch machen musste.
Perlend. Mein winziger Ausschnitt der Unendlichkeit. Cool, wie das glinkt, klinkt. Ich klinke aus. Ich darf doch nicht einfach genießen.
Die Wörter. Ich setze sie aufs Papier. Habe Angst, dass zum Schluss der CD ein martialischer Mann im Türrahmen steht und sagt: Ja, das war eine sehr schöne Musik-Darbietung für mich. In meiner Küche steht und durch die Tür in mein zimmer guckt. Den Wohnungsknauf gedreht hat. Und ich liege im Bett. Oder er sagt: Danke für die schöne CD-Musik. Als wäre ich nur der Handlanger zu seiner Erbauung. Wie das raunt und rast.
da stand ein riesiger Wurstteller mit Sülze auf dem Esstisch. sie hatte die Wurst nicht gewollt, das war ihr peinlich, sie war eher Vegetarierin.
Beethoven. Mein lieber Schwan, mein lieber Scholli. Bravo. Bravo.

Mittwoch, 24. September 2008

im schritt imposant...

mittels martin neuffers hannoverschem straßenkunstprogramm wird ja jetzt (in wirklichkeit aber wegen des bevorstehenden verstärkten afghanistan-einsatzes) argumentiert, das "denk mal an den unbekannten deserteur" vorm dortigen rathaus müsse verschwinden, weil es keine kunst sei.... (wenn die politiker nun schon bestimmen, was kunst ist, dann haben wir es ja nicht mehr weit).
es befindet sich aber seltsamerweise dort schon seit fast 20 jahren, und immer mal wieder werden kränze niedergelegt. warum?
weil der mythos vom männlichen mut und genie hier zu fall gebracht wird.
Denkmäler für gefallene soldaten, zum beispiel im hannoverschen georgengarten, werden pauschal aufgestellt, martialische zeichen aus stein. die zurückgebliebenen frauen und kinder packt ein unbehagen über dieses pathos. erst recht, wenn beispielsweise vor dem hannoverschen archivgebäude general von alten als held der schlacht von waterloo ein aufwändiges denkmal, von bildhauer heinrich kümmel (1810-1855) imposant insbesondere im schritt ausgearbeitet, erhielt, die kleinen sogenannten "gefallenen" aber pauschal unter bataillon xy subsummiert werden. ähnlich wie es in goslar jetzt ein denkmal für die frau gibt, eine maillol-ähnliche amorphe gesichtslose masse...

Dienstag, 23. September 2008

guck da- geh wechseln

kürzlich war ich in hannover-linden. es war vollkommen still dort, in der romantischen ecke um das ahrbergviertel-charlotten-ricklinger straße. einige frückstückten in einem café an der ecke, eine alte dame quatschte mit einer postbotin, die sich offensichtlich zeit für sie nahm.
auf der deisterstraße traf ich einen mann, der hatte wunden am kopf, als käme er direkt aus einer horror-folterzange. als ich ihn interessiert anblickte, ging er gleich nochmal an mir vorbei.
das schaufenster eines video-ladens vollgestopft bis zur decke mit gewaltspielen. ich erinnere mich, dass vor längerem schonmal eine mutter anrief, und klagte, ihr sohn würde dort regelrecht zum kauf angelockt.
ich wollte von fernseh-hufenreuther in der charlottenstraße eine kleine reparierte cd-anlage abholen, hatte aber den rucksack vergessen und nun in einem second-hand-laden einen billigen gebrauchten erwerben, zum zwecke des leichteren transportes zu fuß.
"guck da", sagte der verkäufer und wies auf einen grabbeltisch. wechseln konnte er nicht.
"geh wechseln", sagte der verkäufer.
hannover-linden eben. ganz anders als in hannover-list.

Montag, 22. September 2008

das gute alte unternehmerschwein

die 68er hatten das wort ständig im munde, aber heute kann frau nur noch sagen: ja, wo laufen sie denn, die unternehmerschweine? als da beispielsweise waren herr burda, der für jeden seiner mitarbeiter ein häuschen bauen wollte, ganz zu schweigen vom alten egestorff in linden, der für seine ihm wertvollen arbeiterinnen gut ausgestattete, dem betrieb angeschlossene kinderkrippen einrichten ließ (vielleicht zeige ich das morgen mal im foto).
seit ich mal einige jahre die werkszeitung der hanomag gemacht habe, weiß ich, dass es schlimmeres gibt als das klischee des dicken unternehmers mit zigarre, nämlich den gesichtslosen finanzmanager, den unbekannten und auswechselbaren.
gemeinsam mit dem damaligen, inzwischen an kehlkopfkrebs gestorbenen, kommunikationschef hanns-peter willmer stand Hanomag-geschäftsführer seidel mehr oder minder täglich am fenster zum fabrikhof, als massey ferguson aus kanada bereits die hanomag übernommen hatte.
je nachdem, wie der wechselkurs des dollars gerade stand, war er von radladern leergefegt oder überfüllt. und auch das management schwebte stets von tag zu tag zwischen euphorie und nackter angst.
dann saß ich eines tages dem aalglatten herrn esch gegenüber, der das unternehmen für in etwa eine mark gekauft hatte, um dem arbeitsamt vorerst die horrenden kosten des arbeitslosengelds zu ersparen. er hatte ein bild von seinem firmensitz in amerika in der hand und ich konnte sofort sehen, dass das firmenschild an dem wolkenkratzer nur per reprotechnik eingeblendet worden, dort also nicht wirklich angebracht war.
da wusste ich, dass eine andere ära begonnen hatte, die ära der anonymen konsortien und beteilungen, das zeitalter ganz ohne unternehmerschwein.

Sonntag, 21. September 2008

der kapitalismus zeichnet alle

die gewerkschaften sponsorten vor einiger zeit im hochhauskino den französischen film "nicht alle starben, aber alle waren gezeichnet". es ging um ausbeutung im berufsleben.
die gewerkschafterinnen im publikum samt ihrer chefin tönten, diesen film müsste man mal in den chefetagen zeigen.
ich dachte: wenn das problem so simpel zu lösen wäre...als ob wir chefs nicht leiden. durch die eklatant höhere produktivität der technik wird es immer schwieriger, menschliche arbeit ökonomisch zu halten.
völlig überfordert von automatisierten produktionsbedingungen, wo sehr viel verschiedene dinge gleichzeitig bewältigt werden müssen, sind wir alle gestresst, nicht nur die untergebenen, auch die, die das sagen haben.
der kapitalistische geist muss wieder zurück in die flasche.

Freitag, 19. September 2008

alles auf dem weg...

gestern las ich in der hannoverschen allgemeinen, herr wessel hätte seine von ihm gestiftete bärenskulptur am schwarzen bären von schmierereien gereinigt. genauer gesagt stand da, er als initiator der skulptur hätte dies getan.
nun, die ideenfindung der skulptur kam von mir in meiner ihme-zeitung, um seinerzeit die initiative schwarzer bär zu unterstützen.
und neulich kam ich sonntags zufällig mit meinem hund durch die kleingärten lindener alpen direkt auf ein gartentor zu, an dem der name wessel stand, und entzückende kleine bärenskulpturen zierten die pfosten.
irgendwie fand ich das rührend und es ist alles ganz in ordnung so für mich wie es ist.
ist schon okay.

Donnerstag, 18. September 2008

Verschenkte Fashion-Chance

Andrea Gallwitz machte den Vorschlag, die künstlerisch fragwürdigen Skulpturen am Maschsee und vielleicht in der ganzen Stadt, zum Beispiel am Leibnizufer, zu "Hannover goes Fashion" wöchentlich phantasievoll "neu einzukleiden". Dieser Vorschlag wurde von der Stadt abgelehnt, Erika Knoops Museum für Textile Kunst nicht eingebunden, keine Beteiligung exzellenter hannoverscher Designerinnen wie Anette Spitzl oder Melanie Wedemeier (Sasse-Design).
Die Strafe folgte auf dem Fuße: Überregionale Medien verhöhnten das mit dicken EU-Geldern geförderte Projekt als kleinkariert.
Wäre nicht Leigh Bowerys lebenspralle Show im Kunstverein gewesen, die Schwarzgekleideten draußen am Holocaust-Denkmal Georgsplatz hätten das einzige interessante Styling aufzuweisen gehabt.

Mittwoch, 17. September 2008

Metropolis - da stimmt doch was nicht

Der berühmte Film "Metropolis", zu dem jetzt weitere Film-Szenen entdeckt wurden, dreht sich um eine Frau, um Maria, die das Leben schützen will und die man klont, um aus ihr eine erotisch zum Bösen hin verführende Kunstfigur zu machen (übrigens sehr schön im vorletzten Jahr von Cornelius Meister in Heidelberg mit Life-Orchester zum Kult-Event inszeniert).
Der junge, infantil gehaltene reiche Herr erkennt, dass Maria die Menschheit vor Kapitalmissbrauch und Versklavung an die Automation retten will und unterstützt sie. Soweit die Handlung, die merkwürdigerweise nur der Autorin Thea von Harbou als Kitsch vorgeworfen wird, nicht aber Fritz Lang. Wiedermal das alte Schema: bei gemeinsam arbeitenden Paaren wird dem Mann alles Positive zugerechnet, der Frau alles Negative (wie bei Albert und Mileva Einstein schon durchexerziert, wo es genau umgekehrt richtig gewesen wäre). Die alte Story des Jesus von Nazareth, die moderne Love-Story in Lars von Triers "Breaking the waves", Chaplins "The Kid", alles Kitsch? Da stimmt doch was nicht. Wer sich genauer informieren möchte: www.thea-von-harbou.de. Das Weblog wird von André Kagelmann und Dr. Reinhold Keiner betrieben. Dr. Keiner ist der erste Harbou-Forscher und schrieb seine Doktorarbeit zum Thema "Thea von Harbou und der deutsche Film bis 1933).
Wer Spaß an phantasievollen exotischen Geschichten hat, sollte mal in Thea von Harbous "Das indische Grabmal" (6 CD's) reinhören, das jetzt als Hörbuch erschienen ist (Herausgeber Kagelmann und Keiner, zu bestellen im Handel (ISBN 978-3-939988-01-4, oder bei MEDIA Net-Kassel, Tiessenstraße 3, 34134 Kassel sowie unter der genannten Harbou-Website per Bestellschein)..
"Niemand tötet die neugeborenen Kinder seiner Seele" textet von Harbou da. Wohl wahr, nur die Autorin selbst unterliegt posthum nach wie vor einer Hexenjagd. ip