Freitag, 31. Oktober 2008

mit kajal und makeup: die emos

mal was ganz anderes heute, um zu zeigen, wie jedes individuum sich seine eigene welt im bewusstsein erschafft, etwas über emos.
emos sind jugendliche, die ihre meist schwarz gefärbten haare mit dem glätteisen strecken, der pony verdeckt ein auge. kajal und make-up werden von mädchen und jungs gleichermaßen benutzt.
totenkopf- und schachbrettmuster wird vom sehr eitlen emo häufig verwendet, haarschmuck im herzchen-kirschen-schleifchen-stil und die optisch ins auge fallenden snakebites, schlangenbisse, zwei piercings in der unterlippe, meist selbst gestochen.
die internetplattform netlog mit rund 35 millionen mitgliedern in europa ist der virtuelle marktplatz der emos, mit einer deutlichen häufung bei den 14- bis 24jährigen.
emo-websites erkennt man auf den ersten blick an den nicknames: SoVerySad, SuicideSweetie, EmOtears. Dabei sind die Profilfotos allesamt von oben fotografiert, dass macht die augen ausdrucksstark. dann kommen dunkelromantische filter darüber und pathetische sprüche in schnörkelschrift wie "I will love you till the end" oder "Min Shats, min Shnuggi - Forever in my Heart". Sch wird konsequent als sh geschrieben, Vokale fehlen oft gleich ganz und die wichtigsten ausdrücke haben verbindlich abkürzungen - "iwie" gleich irgendwie, "ka" gleich keine ahnung, "sry" gleich sorry, "vlt" gleich vielleicht.
In einigen Blogs wird auf Teufel komm raus mit selbstmordgedanken kokettiert. liebesgedichte werden zu drohungen, tagebucheinträge zu abschiedsbriefen. jugend halt.
das alles macht den emo zum opfer. gejagt wird der effemierte junge, die schwuchtel. verhauen wird der empfindsame schwächling, der nicht zurückschlägt. getriezt wird die heulsuse, verlacht der introvertrierte gedichteschreiber mit der hornbrille. das war schon immer so. bloß haben die bisher ihr stigma nicht als style vor sich hergetragen.
ein weitere problem kommt dazu: der emo-stil ist zusammengeklaut. die punks wollen ihren nietengürtel wieder, die ska-anhänger sehen ihre schachbrettmuster-devotionalien missbraucht, die gothics waren doch bisher die einzigen, die schlecht drauf und ganz in schwarz waren, und die nazis sind böse, weil diese kids ihre engen mädchenjeans tragen. ach ja, und die alt-homos mussten hart kämpfen, um ihre sexualität offen leben zu können, und da kommen jetzt diese möchtegern-schwulen und küssen sich einfach so...

Donnerstag, 30. Oktober 2008

nicht nett

stewardess kommt mit zeitschriften: "für die dame etwas buntes?"
zum herrn: "sie kommen mir bekannt vor, sie sind vielflieger, nicht wahr?"
stattdessen antwortet die dame: "ich komme für die flüge dieses herrn auf, er ist mein mitarbeiter."
stewardess missbilligend: "es ist nicht nett, einen mann so herabzusetzen."

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Have a shampoo, have a gun

was wollen wir am hindukusch? für unsere besitzer das gas absichern?
aber die würden uns doch gern das gas geben.
es geht einfach um kriegsproduktion an sich, weil sie so lukrativ ist. und deshalb bekommen wir in hannover eine neue feldjägerausbildungsstätte, für jene als "harte hunde" der militärpolizei bekannten scharfschützen und karatekämpfer, zum vermehrten einsatz im inland zudem.

the monsters of oil and gas know it.
so smooth like champaign the system works, this system of injustice. justice protect riches.

welcome to capitalism: yes, you and you too. (william shut the gate), have a drink, have a cocktail, have a shampoo, have a gun. get on the floor!

Dienstag, 28. Oktober 2008

von baufirmen und hedgefonds in fremdem land

bei kristiansand in norwegen wird eine neue europa-autobahn durch die felsen gesprengt.
bisher waren deutsche firmen wie bilfiger und berger dabei, aber nachdem die sich einige male bei den sprengungen verschätzt und menschenleben in gefahr gebracht hatten, übernahmen die skandinavier diese difizile aufgabe wieder selbst.
gastarbeiter sollten sich in den landesgegebenheiten, auch geographischer art, besser auskennen, andernfalls geht der auftrag eben flöten.
ähnlich unsensibel wütet der hedge-fonds carlyle in hannover im ihme-zentrum. zu den dortigen studentenwohnungen führt eine holzkonstruktion hinauf, die glatt als versuchte körperverletzung angesehen werden könnte.
auf jeder zwischenplattform kann man auf einer in ihrer stabilität fragwürdigen blechkonstruktion durch große löcher in die tiefe blicken. ausgesprochen mutig, wie die studenten dort hinauf- und hinunterlaufen...
es ist wahr, die hedgefonds kämpfen derzeit wegen ihrer hohen kreditaufnahmen ums nackte überleben, aber die leidgeprüften bewohner des ihme-zentrums auch.

Montag, 27. Oktober 2008

leuchtreklamen und ankermieter

der riesig-rote schriftzug "ernst-august-galerie" knallt in die dunkelheit, zerstört die architektonische anmutung eines der wenigen klassizistischen bauten, die wir in hannover besitzen, des bahnhofs. darunter das ganze etwas kleiner nochmal: ernst-august-galerie, als hätten wirs noch nicht begriffen.
dieser kleinere schriftzug sollte eigentlich das logo des ankermieters werden, denn auf der pressekonferenz hatte man an dieser stelle den begriff "ankermieter" versehentlich noch in den layouts gelassen, behauptete aber gleichzeitig, keinen zentralen ankermieter zu wollen...
nun gut, derzeit brummt die galerie auch ohne ankermieter, insbesondere für die geldgeber, die 10-jahres-verträge mit den mietern abgeschlossen haben.
unter den mietern wird diskutiert, dass die einen oder anderen auch wieder ausziehen werden, das sei ja normal. und wenn alle stricke reißen, würde sicher saturn die gesamte untere etage anmieten, falls die kundenströme mal ausblieben, munkelt man. die galerie lobpreise ihre ökologisch nachhaltigen lüftungsanlagen, das raumklima werde aber von einigen kundInnen doch bemängelt. andererseits wird es bei der jetzt gerade hereinbrechenden kälte angenehmer empfunden. wer weiß, vielleicht könnte es ausgerechnet der vielgeschmähte abrupte klimawechsel der klimakatastrophe sein, der das in amerika schon totgesagte mallkonzept wiederbeleben könnte. egal, ob es draußen brütendheiß oder eiskalt ist, innen ist es temperiert.
die todschicke fahrradrotunde ist allerdings derzeit geschlossen und mit weihnachtsdekorationsmaterial vollgestellt.
wenig begeistert sind die angestellten der postbank. sie hatten sich jetzt gerade an ihr kostenfreies domizil im ehemaligen postscheckamt gewöhnt, nur um jetzt zur miete in die ea-galerie zu ziehen. eine angestellte: "eine gehaltserhöhung wäre uns lieber gewesen". in dem engen postcenter im erdgeschoss der eag stehen sich die leute die beine in den bauch. nicht alle schalter sind besetzt. man weiß ja, der post geht's schlecht und einige wollen ja auch vielleicht ihre ersparnisse abholen, was möglichst zu verhindern wäre.

Sonntag, 26. Oktober 2008

unplugged

im sandy bells im schottischen edinburgh habe ich mich mal gründlich blamiert. da stand ein schild "malt" und ich fragte den mann hinter der theke, ob da alkohol drin sei. er nickte. ja. weiter sagte er nichts...
inzwischen steht im schrank zuhause eine flasche old balantruan, 50 prozent vol. und unser lieblingsvideo dazu heißt Kirkwall Ba (Insel Orkney)
unter http://www.youtube.com/watch?v=S5_YTSQpIuE.
U. Peters hat übrigens für ihre ethnologische arbeit über Kirkwall Ba an der Universität von Edinburgh den john-delargy-award (oder so ähnlich) erhalten.
die stimmung war gemütlich, ich blieb beim frischen guinness, u.peters wurde von einem zugetextet, der behauptete, er sei ein berühmter rockstar.
eine irische folkgruppe spielte wie üblich im sitzen und der alte bassist, der haargenau aussah wie james joyce, blickte mich durchdringend freundlich regelmäßig an, so dass ich mich setzte, um zu sehen, ob es dabei blieb. es blieb dabei.
es war eine familäre atmosphäre, eine deutsche ragtime-pianistin, die sommers in den meadows im freien in die tasten haut, quatschte uns an, und alle bedauerten, dass wir den pub verließen, um ins royal oak zu wechseln, dem nächsten heißen tipp des ethnologie-professors meiner tochter. dort war nicht besonders viel los, einer spielte rockgitarre, dann wieder folk, ein alter mann sang seine balladen. über einem platz das bild eines kürzlich verstorbenen nachbarn, der just dort 30 jahre lang jeden abend gesessen hatte und viele auf den schottischen nationalstolz hinweisende schilder. man kommt in die schottischen pubs durchaus kurzerhand in jogging-hosen herein, ein schlafanzug würde auch keinen anstoß erregen.
und dann geschah plötzlich das wunder: es war duende da im royal oak, der königlichen eiche, so würde ein spanischer flamenco-gitarrist es nennen. ein unscheinbarer typ in windjacke kramte aus derselben eine kleine blechflöte hervor, spielte und sang dazu das vielstrophige lied von der undankbaren lucile: "I baught you some shoes with 5 inch of high heels, it's not the right time to leave me, Lucile." und steckte die flöte letztlich ebenso unvermittelt weg.
wer so etwas annähernd in hannover erleben möchte, kann dies sonntagabends von 18 bis 22 uhr im irish harp gegenüber dem capitol an der umzubauenden brücke. dort treffen sich eine sängerin mit wunderschöner stimme, ein begnadeter gittarist, ein noch tollerer fiddle-spieler, einer mit einem mir unbekannten instrument in lederhosen, langem haarzopf und großem hütehund, und viele andere mehr zum musizieren irischer folklore, sitzend natürlich, und bei guiness oder cider.
kommen Sie einfach mal vorbei, ich bin auch da.

Samstag, 25. Oktober 2008

stammtischgequatsche

der 70jährige: "diese frau als bundeskanzlerin berichtet mit langweiliger stimme von maßnahmen gegen die finanzkrise, als sollen die kartoffeln von draußen reingeholt werden, weil regen kommt. die hat ihre berater, die legen ihr das vor, und sie entscheidet das dann als physikerin."
der 80jährige: "das war doch schmidt schnauze ganz anders".
der 70jährige: "aber der hat ja schon seinen vierten herzschrittmacher teuerster bauart".

Freitag, 24. Oktober 2008

schönheit der arbeit

rattatazong, weg ist der balkon? presslufthammer-bernhard? nein- hier wirkt peter gryschka, der chirurg unter den caterpillar-fahrern aus Ihme roloven. mit großer aufmerksamkeit und präzision räumt er stein auf stein ab, so dass seine mitarbeiter ihn schon bei wetten dass... anmelden wollten. der mann kennt sein gerät.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

konkrete poesie von ingeburg peters



entstehen eigentlich in der modernen welt neue namen, wenn ja, wie?
beispielsweise bei afrikanern, die einen europäischen namen neben dem stammesnamen brauchen und sich mondeo nennen wie eine automarke?
wann beginnen die leute chip zu heißen? oder digit? oder inge information? aus versehen? verhören? versprechen? die weiterentwicklung der sprache ist ein ständiger fluss. ständig tauchen neue stile auf, und auch neue namen werden entstehen, da bin ich sicher.
copyright: ingeburg peters

Mittwoch, 22. Oktober 2008

beim lesen von jutta ditfurth im ICE

die protagonistin ist eine unberingte frau. sie ist allergisch gegen beringung als zeichen, dass sich jemand in ihrem haushalt niedergelassen hat. "Dass man, wenn man heiratet, so furchtbar festsitzt, ist etwas schwer.“ formulierte es schon Paula Modersohn-Becker treffend.
im großraumwaggon des ice starrt ein macho-sack auf ihre unberingten hände und guckt, ob sie ihm kontaktsignale aussendet, vielleicht körperteile präsentiert wie Oberschenkel ihm entgegen hebt oder sonstwas, weil er gern zu seiner neben ihm sitzenden, oval nickelbebrillten adretten bubikopf-frau in der frisch gestärkten rötlichen bluse sagen möchte, haste die gesehen, das war vielleicht ne scharfe nudel. je oller, je doller.“
die protagonistin möchte dennoch freundlich bleiben, weil für sie frau für freundlich gleich freundschaftlich steht.
der sack versucht nun, mit dem schaffner zu konspirieren, um sich gemeinsam mit ihm über die frau lustig zu machen. die aber beharrt auf ihrer freundlichkeit und bremst damit den schaffner aus.
ulrike meinhofs mutter war eine außergewöhnliche frau. sie liest das in einem buch von jutta ditfurth mit riesigen tiefschwarzen lettern auf blutrotem grund auf dem buchrücken und blutroten lettern auf tiefschwarzem grund auf dem titel. sie kann dies buch gar nicht auf dem sitz liegen lassen, um aufs klo zu gehen, so auffällig ist es. es steht drin, dass hans-jürgen krahl schwul war, der ihr mal avancen gemacht hatte, oder warum hatte er sie vom club voltaire in die wohnung seines freundes gelotst? ob der alte setzer noch lebt?
viele, die die frau früher kannte, murmelten damals was von 'auch dabei bei der raf', einige der fahndungsgesichter erkannte sie später wieder, die hatten bei erich herumgesessen im gasthus honovera in der hannoverschen altstadt.
den meinhof-buchumschlag vorsichtshalber entfernen vor dem aufsklogehen. heinrich böll wird darin zitiert, dass die nazis zur erreichung ihrer politischen ziele keine bankraube wie die raf unternehmen mussten. der bankier schröder und die deutsche bank rückten das geld freiwillig raus, kommentiert böll sarkastisch.
zum ersten mal liest sie etwas von wolf biermanns antifaschistischer mutter, von emma biermann. und wie sagte der vertrauensdozent der studienstiftung des deutschen volkes, ernst heinitz: es sind die begabtesten, sensibelsten und kritischsten, die sich nicht mit den verhältnissen abfinden wollten und auf abwege kommen.
vom brief einer sklavenmutter (renate riemeck) an ihr sklavenkind ist die rede.
Und: masken für ihren privatsafe fertigten die pathologen für sich an, fertigten sie nach dem tod der terroristen von deren gesichtern an. beim auftakt des zeitalters der bürgerkriege, genannt terrorismus.
ulrike meinhoffs gehirn musste nachträglich extra bestattet werden, nachdem die wissenschafts-enthusiasten endlich gezwungen wurden, es herauszurücken.
der ICE hält außerplanmäßig wegen „eines personenunfalls auf den schienen“. da fahren wir schon wieder. „da hat‘s geraucht“ kramen reisende ihre ice-störungserlebnisse heraus aus den erinnerungen.
der schaffner kommt vorbei und scherzt „zwei tote haben wir heute sogar auf der strecke“. die frau fragt: „wie ist das für den zugführer?“. der schaffner grinst fröhlich: „wenn der so vor ihm steht und ihm noch zuwinkt...wir holen die strecke schon wieder auf.“ die frau versucht sich ebenfalls sarkastisch: ein personenunfall, was ist das schon gegen die aussicht der neutronenbombe für die hungernden.

„kaffee bitte schön“, der kellner hat noch einen becher auf dem tablett. zwei siebzig. schweineteuer. vielleicht ist es ne doppelte portion.

Dienstag, 21. Oktober 2008

verbrecherische sklaverei

am steintor in hannover machen die teilweise erst 15jährigen wunderschönen prostituierten manchmal pause, um das kind zuhause in der heimat anzurufen. mit tränenüberströmtem gesicht berichten sie danach, dass der kleine sohn gejammert habe, mamma, wann kommst du nach hause. "aber ich muss doch arbeiten", sagte das schöne mädchen.
das ganze passiert jetzt im 21. jahrhundert, frauenschönheit als fluch der männergeilheit und direkter weg in die verbrechererische sklaverei.

Sonntag, 19. Oktober 2008

so richtig schön decouvriert

da hat sich das fernsehen mal so richtig schön decouvriert, entblößt, zu recht zum narren gemacht: es vergibt einen fernsehpreis an den beckmesser reich-ranicki, vermutlich, um sich einen bildungsanstrich zu verpassen. es lässt während der verleihung an den literaturkritiker einen houellebecq-rezitator in pynchon-verkleidung albern vor ihm herumtanzen und wundert sich dann, dass der ewig gestrige reich-ranicki übers fernsehen herfällt.
mensch, der ist bei shakespeare stehengeblieben, da fühlt er sich sicher, denn tote dichter können ihm ja nichts anhaben; dem alten, der seine sekretärin anherrscht, für ihn im internet zu recherchieren, der seine ehefrau lächerlich macht, indem er sich mit seinen affären rühmt.

Samstag, 18. Oktober 2008

mensch als automat

. rotieren wie ein rotierbesen
. immer mundpastillen
. immer bereit
. immer jogging-kleidung parat.
. aufträge geben und nehmen.
. waren bestellen und liefern
. zentrale sein
. immer locker über‘n hocker
. tieftraurig sein
. finds it hard, to stay alive.

Freitag, 17. Oktober 2008

the world according to haarp...

in den obligatorisch gewordenen überheißen sommern pflegen sich inzwischen die alten und schwachen ins krankenhaus zurückzuziehen. denn das wetter mordet neuerdings.
und immer wieder schlägt die haut blasen, weil haarp es so will? jenes amerikanische militär-projekt in alaska, das mit dem wetter experimentiert? the world according to haarp... die harfe, auf der kein engel spielen mag.
im september dann kippten die temperaturen schlagartig von 25 grad auf 10. kurz zuvor setzten sich noch im warmen kiesteichwasser die vogellarven in der haut fest. dann plötzlich gefror das blut in den adern, die muskeln erstarrten.
da kam gestern eine schwer übergewichtige blondine aus dem verwaltungsgebäude der gewerkschaft und plötzlich sackte sie auf dem bürgersteig in sich zusammen und sagte benommen: "ich bin so taumelig."
http://www.science-explorer.de/reports/haarpprojekt.htm

Donnerstag, 16. Oktober 2008

das männliche dilemma

mandela sagt, du musst die ganze herde vor dir her führen, keinen zurücklassen. leicht gesagt. 27 jahre lang stieß er dabei mit kopf und fuß an die wand.
mao hingegen schickte seine chinesen ins gefecht, nachdem die ersten niedergeschossen waren, fassten die nächsten mit bloßen händen nach den angreifern, die dadurch nicht mehr nachladen konnten. zehntausende chinesen starben, mao gewann. ähnlich handhabte es gandhi, nur unter dem deckmantel der ahimsa, des gewaltlosen widerstands.
es ist nicht erlaubt, menschen auf den müll zu werfen, so frei sind wir nun auch wieder nicht im neo-feudalismus, oder noch nicht.
wenn du endlich deine einsame hütte auf der insel erlangt hast, dann stellst du fest, dass sich das ganze drama in deinem kopf abspielt, dass du es immer bei dir trägst. du stellst fest, dass du chronisch unglücklich bist und chronisch unbescheiden. und auch auf deiner einsamen insel brummt der kühlschrank, ruckelt der dunstabzug im wind, dir ist schwindelig, denn es ist nicht so einfach, sein unglück zu formulieren, dies unglücklichsein als normalzustand.
die türen klappern. absolut still ist nur der tod.
als sich am abend der wind legte und die natur schwieg, ging sie mit ihrem freund hinaus. das fortwährende klicken seiner kamera, eines hochwertigen modells, das aber in wenigen jahren fotografisch amortisiert sein musste, weil es dann wieder überholt sein würde, dies klicken also störte sie. sie bat um unterlassung, was als hysterisch-weiblich-neidische zumutung empfunden wurde, weshalb das klicken nun als gegenreaktion in noch viel kürzeren intervallen stattfand und den stillen abend ruinierte.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

das wunder von norwegen

ohne auto. der nächste tante-emma-laden in sieben kilometer entfernung. da überlegte sie, irgendwo im einsamen schärengarten des skaggerraks, in den abgelegenen sommerhäusern und gehöften, um einen kaffee betteln zu gehen, denn es zog sturm auf; aber tat es nicht, sondern flanierte entlang eines sunds, weil da grad mal ein so seltenst zu findender pfad angelegt war - als da plötzlich auf einem absatz nahe eines bootsrumpfs eine lädiert aussehende, aber geschlossene packung „Bremer kaffee“ als strandgut lag, abgelaufen schon 2005, also mindestens sechs jahre alt, dennoch mit intakter vakuumverpackung...
das war das wunder von norwegen. der kaffee schmeckte noch, seine wirkung wurde bewusster wahrgenommen denn je.
ihr kam wiedermal lukas in den sinn: suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan; bittet, so wird euch gegegeben. oder meister eckhart: was du gefloh‘n hast, flieht nun dich, was du gesucht hast, sucht nun dich?

Dienstag, 14. Oktober 2008

china, die hausfrau, das BSP und die finanzkrise

beängstigend wenig ist in diesen tagen der finanzkrise von china die rede, obwohl wir informierten doch wissen, dass vom chinesischen verhalten alles abhängt, ob das nun klappt mit der bankenrettung oder nicht.
das erinnert mich wiederum an mein altes kardinalthema, was denn wäre, wenn die hausfrauenleistung ins bruttosozialprodukt einer nation eingehen würde. das gäbe erstmal ein enorm vergrößertes bsp, aber zweitens würde dadurch die jahrtausendealte unbezahlte sklavenstellung der HAUSFRAU und familienmutter BEWUSST. ein gedanke, den ich bereits 1974 als vwl-studentin in hannover dem wirtschaftswissenschaftler pohl vortrug, der inzwischen dekan einer ostdeutschen uni ist, der aber, statt stellung zu nehmen, draufhin unter den schreibtisch kroch und an einer steckdosenleiste wackelte, dann aber schließlich zu mir heraufrief, das sei irrelevant.
das war die zeit, als auch die natürlichen ressourcen noch als "frei" gelehrt wurden und die gewinnmaximierung die heilige kuh war (das ist sie allerdings bis heute noch). ich hab das studium dann drangegeben, ich fand's damals irrelevant für mich.
was hat das aber nun mit china zu tun?
für mich sehr viel.
die ungeheuer große versklavte menschenmasse dieses riesigen landes macht es erst möglich, dass china den crash durchhalten kann. so wie die kostenlose tätigkeit der hausfrau und mutter jegliche gesellschaft überhaupt erst möglich macht. wehewehe, wenn das eines tages nicht mehr funktionieren würde.

Montag, 13. Oktober 2008

fearless females

One whistleblower can give the public the truth they need to stop a war.

neuerdings fotografier ich die telekom-leute, wenn sie an der telefonleitung rumfummeln.
heute morgen nach 8 uhr aber schaute ich aus dem fenster, da schloss einer sofort mit zittrigen händen wieder schnell die buchsen, ehe ich den fotoapparat finden konnte.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Elysium aus gammelfleisch

die stundenglocke läutet wieder und betont den kleinstädtisch-ruhigen Charakter des stadtteils. mrs. dalloway aus der bondstreet wohnt hier nicht, dies ist eher das viertel der desorientierung der drogennehmenden scheidungskinder.
die blonde gurrt im hof, ein balzer balzt zurück. das ist ein gegurre und gebalze. „ich muss arbeiten“, sagt die blonde zu frau angelika und braust mit ihrem motorrad los. sommers arbeitet sie als rettungsschwimmerin, bestimmt hat sie dabei einen roten badeanzug an wie pamela anderson, obwohl sie mehr heidi klum ähnlich sieht. winters pflegt sie in südindien oder asien in hütten am strand zu leben.
wenn frau angelika nicht ständig den müll in der straße entfernen würde, sähe es aus wie in der bronx. ein hund lebt hier im döner-wunderland, an jeder straßenecke das elysium aus gammelfleisch.
überall zieht es in diesem ansonsten so schönen hinterhaus. jemand überlegt sich ständig, warum etwas heute nicht passt, heute nicht sein könnte und gestern nicht war, so wie die tanten in swanns welt nicht dazu kommen, einfach für den asti zu danken.
das täglich brot droht, die notwendigen tätigkeiten drängen sich als schätzungen herein. lasst mich in ruhe, ihr finanzamtstypen. lasst mich in ruhe! lasst mir das geschenk der ruhe. bei den kleinen holt ihr das geld zusammen, um die globalen zocker zu stützen. heutzutage nährt ein versklavtes volk verantwortungslose juristische personen, die keine lebenden personen sind, für fehlverhalten nicht haftbar gemacht werden und keines natürlichen todes sterben können.
bei der angeblich auskunftsunterstützenden finanzamtshotline anzurufen ist in wirklichkeit fast gleichbedeutend mit selbstanzeige. da notiert dann so'n finanzamtsbürokrat als erstes die steuernummer, statt auskunft zu geben und gibt die tatsache der einfachen anfrage möglicherweise an die fahndung weiter, wer weiß...
die vögel zwitschern, das fenster ist geöffnet. tüditt, tüditt, tüditt, welcher vogel ist das?

Samstag, 11. Oktober 2008

zu mus zerdrückt

hi, da bin ich wieder.
mit der fragestellung, welcher adäquate lebenspartner für eine moderne selbstständige frau in frage kommt:
1. da gibt es den beschäler, der nachts ins bett getrampelt kommt und es morgens wieder verlässt, ohne dass es sich lohnt, ein wort mit ihm zu wechseln.
2. oder den, der regelmäßig die sahnehaube von ihrem geistigen wie beruflichen wie privaten kuchen abschleckert und sie gottgegeben qua überlegenheit des männlichen geschlechts als seine kolonie betrachtet. er trinkt ohne zu fragen tee aus ihrer tasse, von der er weiß, dass sie daraus kaffee zu trinken pflegt.
3. dann den verspielten, der ähnlich wie der typ 2 auf die sahnehaube aus ist, aber die frau nicht so stark kolonisiert und degradiert, sondern einfach die gelegenheit für die erweiterung seines eigenen werks nutzt, wenn sie ihn beispielsweise auf reisen mitnimmt und er nicht eine müde mark dazugibt, weil er ja selbstbewusst durch seine dummy-funktion der permanent bedrohten frau bereits seinen dienst leistet.
4. mit einer frau leben, da habe ich keine erfahrung und keine neigung.
5. allein leben, das sei sehr stark, mailte mir kürzlich eine erfolgreiche frau. aber dem steht entgegen, dass frau sich wenigstens gelegentlich auch mal hängen lassen möchte.
6. den richtigen mann finden, der einer luft lässt, sie akzeptiert in ihrer intelligenz und bildung, und einen entsprechenenden dialog auf augenhöhe führt, da fällt mir nur klaus theweleit ein (lesen Sie mal, was er über produktionssexualität geschrieben hat), aber der lebt bereits in einer glücklichen beziehung.
in früheren zeiten glitten solche fähigen frauen in den suff ab, kamen in die irrenanstalt, die meisten brachten sich freiwillig um, siehe virginia woolf, silvia plath, diane airbus und tausend andere. auch cornelia von goethe, gleich komfortabel von ihrer geistreichen mutter erzogen wie ihr bruder johann wolfgang, zog einen abgang in jungen jahren vor, als sie einem dichter den haushalt zu führen aufgrund ihrer hohen bildung nicht in der lage war.
paula becker-modersohn gebar ein kind und angesichts des damit bevorstehenden Aus ihrer künstlerfreiheit zog sie es vor, einem blutgerinnsel zu erliegen. klingt absurd? ich weiß schon, was ich hier schreibe, es ist meine tiefenpsychologische interpretation des falles.
gala, die surrealistin, ärgerte stets in paris andré breton mit ihrem exaltierten auftreten, in dem er nicht den kunstansatz zu erkennen in der lage war oder es einfach nicht wollte. sie nahm der jüdischen journalistin louise ernst den berühmten mann und künstler max weg, ohne sich deshalb von dem ihren, dem dichter paul elouard, zu trennen, ging dann zu Dalí über, den sie zum millionär managte, weil es damals für eine kreative frau keine andere möglichkeit gab, wie als muse zu mus zerdrückt zu werden, zog sich dann auf ihr geisterschloss zurück, nur um dann plötzlich den zehn jahre jüngeren salvatore dali pflegen zu müssen, der ohne sie nun zusammengebrochen war, und dabei ging sie dann schließlich drauf (sturz usw.).

und heute? da gibt es als punkt 7 noch das beispiel merkel & co., ein frauenleben in der öffentlichkeit mit nur seltenst auftretendem ehemann. kinderlosigkeit ist hierbei, glaube ich, ein ganz wichtiger faktor; sprich: kastration der frau in ihrer wichtigsten, gottgleichen fähigkeit, leben zu geben. (ausnahme: von der Leyen, in deren begüterter ur-familie die kostenintensive delegation von kinderbetreuung tradition hat, kürzlich von einem jungen mann aus ihren eigenen kreisen neidisch als gebär-kuh betitelt.
also, haben Sie noch eine andere idee für ein menschenwürdiges leben einer gebildeten kreativen frau? auch lacan schlägt einer solchen frau das kultivierte alleinleben vor. schön gesprochen...

Donnerstag, 2. Oktober 2008

ich bin dann mal weg

...und melde mich bei gelegenheit wieder.

Mittwoch, 1. Oktober 2008