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Freitag, 10. Oktober 2025

Wenn es dunkel wird auf Sylt

Große Teile der Insel Sylt liegen abends im Dunklen. In anderen gefragten Feriengebieten weltweit sieht es ähnlich aus.  Da wohnen kaum noch Einheimische, weil sie hohe Mieten nicht zahlen können, und die reichen Immobilien-Besitzer sind nur manchmal anwesend. 

Das Personal fährt mit der Bahn zum Festland und kommt morgens als Pendler wieder zurück zur Arbeit in den Privatanwesen, Hotels, Restaurants oder Dienstleistungsunternehmen. (Ein Hausmeister allerdings soll Millionär geworden sein, weil er ein gefragtes Grundstück besaß und verkaufte.)

So sind denn die Reichen unter sich, und Lindner konnte ungestört in der kleinen Kirche von Keitum heiraten, im schnuckeligen Kapitänsdorf am Watt. Friede Springer, Udo Lindenberg, Reinhard May, davor Fabrikantenerben Gunter Sachs, Arndt von Bohlen und Halbach (Krupp), sowie weitere Promis neben Inkognito-Milliardären unbekannten Namens, existierten und existieren zumeist friedlich nebeneinander, während in Küche und Keller über die "Herrschaft" geschimpft wird wie zu Kolonialzeiten: "Was die an Drogen nehmen, wie die sich gehen lassen". Deftige Bezeichnungen machen die Runde. Manch ein Mogul wird da als strohdumm bezeichnet, zum Geldmachen brauche es wohl nicht viel Grips, nur Gier. ip

Mittwoch, 28. Juli 2010

schlangengift

botox wird jetzt auch von zahnärzten gegen gutes entgelt den mimischen falten unterspritzt.
denn zahnärzte sind profis im feinsten spritzen.
und neben den zwei mercedes', dem porsche, dem maserati-cabrio sowie dem rasanten geländewagen braucht es noch einiges mehr für ein leben im wohlstand.
botox ist ein schlangengift, das die feinsten muskeln, zum beispiel rund um die augen, für etwa ein halbes jahr lähmt.
danach muss wieder spritze angelegt werden (swimmingpool, sylt, sankt moritz).
bis dann haben botox-fans eine möglichst unbewegliche mine asiatischer gleichmut an den tag zu legen.

Sonntag, 6. Dezember 2009

von negern und weißen sklaven des geldes

abends nach der arbeit lese ich gern in einem antiquarischen buch "selbstzeugnisse" von albert schweitzer. er schildert dort beeindruckend, wie fleißig die "neger" in ihren dörfern waren, wenn es ans turnusmäßige roden ihrer felder ging, oder wenn sie 36 stunden am stück rudern mussten, um einen schwerkranken zu ihm zu bringen. aber auch ihre feste genossen sie ausgiebig und ausdauernd.
die weißen kolonialherren aber, die mit ihren waren fast alle krankheiten erst einschleppten, die zuvor in afrika unbekannt waren, wollten die schwarzen zum arbeiten gegen lohn zwingen. zu dem zwecke verschleppten sie sie tausend kilometer weit, damit sie nicht in ihr dorf zurück konnten. die dadurch depressiv gewordenen legten ihr ganzes verdientes geld in schnaps an, der zusammen mit tabak und tand in den läden der kolonialherren angeboten wurde. auch die superintelligenten unter diesen naturkindern, die komplizierte Rechen- und Schreibarbeiten zu erledigen hatten, zerbrachen an der widersprüchlichkeit ihres neuen arbeitslebens.
erinnert Sie das an etwas? mich schon. unser mercedes-stern wandert gerade nach amerika, die heimische deutsche wirtschaft geht rasant zu boden. wenn Sie verstehen wollen, was noch auf uns zukommt an verelendung, lesen Sie das buch des jahrhunderts der journalistin naomi klein "die schockstrategie".

tipp: am 8. dezember im literatursalon eine abendveranstaltung zum thema gesellschaftliche ursachen von depression.

und nun zur aufmunterung noch ein zweiter kultur-tipp: schauen Sie sich Wagners "rheingold" im opernhaus an, es reicht ein preiswerter platz auf einem der oberen ränge völlig aus. hannover galt schon immer als wagner-hort, aber diese inszenierung des australischen regisseurs Barry Kosky, der dafür jetzt den theaterpreis "der faust" erhielt, ist einfach göttlich. die rheintöchter tanzen als ballett nach art der folies bergère, allerdings mit kräftigen körperproportionen, wotan (tobias schabel) singt göttlich in badehose und einige halb-götter zeigen in bermudashorts mächtige waden, während alberich in einem heavy-metall- shirt der iron-maiden agiert. es kommen auch wichsende neger vor, ja wirklich.
und das thema, der fluch des geldes, ist wiedermal hochaktuell. das zeichnet große kunst ja aus, dass sie im laufe der jahrhunderte immer wieder neu inszeniert werden kann, bei aller aversion gegen wagner, die viele wegen seines anti-semitismus haben.
staatsoper-pressechefin dr. gostomzyk jedenfalls rotierte zur premiere, die international massenhaft angereiste presse zu umsorgen. Hut ab für sie, generalmusikdirektor Wolfgang Bozic, ausstatterin katrin lea tag und intendant dr. michael klügl und das ensemble des opernhauses hannover, das alle Aufführenden aus den eigenen reihen besetzen konnte.
und wie gesagt, keine angst vor wagner, hannovers rheingold ist es gelungen, aus dem macht-thema eher eine komische oper zu machen, trotz originalgetreuer musik und textvorlage. wenn nichts mehr geht, was macht man dann? man lacht ein wenig zur lockerung des zwerchfells.
einige alte stramme wagner-konservative allerdings schlurften verbittert während der standing ovations verfrüht zur garderobe...