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Dienstag, 10. Februar 2026

Gedanken aus dem Eis an den kommenden Frühling

Prosalyrik von ip

Irgendwann wird es Frühling.

Dann sitzen die jungen Leute am Ufer,

und in ihrer Hand glänzt der Smartphone-Bildschirm.


Die Natur ist zart, flexibel, nachgiebig, ruhig.

Das kannst du aber nur ohne Smartphone erleben.

Auch nicht den Gesang der Vögel beim Radfahren. 


Oder die Schmetterlinge mit den großen Augen. 

Oder die violetten Beeren mit gelben Hütchen. 

Überall werden Radwege zulasten der Fußgänger ausgebaut.

Überall diese blinkenden Bildschirme...

Samstag, 15. März 2025

Hier mein neuestes Haiku:


Leer komm ich zu dir 

Papier, schreib mich voll, strahle

in mein Herz hinein


Alle Rechte bei Ingeburg Peters 

Samstag, 4. November 2023

Feierabend -Wortgeräusche von IP


Herr Chatzi schließt seinen Markisenladen zu.
Eine Straße weiter lungern leerstehende Läden herum, vor denen die Wochenblätter hin und her wehen; dazwischen, mit dem verwitterten Schild, die Buchhandlung Witte.
Drinnen archiviert der ebenfalls verwitterte Inhaber die Tagebücher einer einst blonden Professorin, deren Lebensborn immernoch brennt, scannt sie oder tippt ab. 
Rosa Abendwolken ziehen über das Autoinferno Königsworther Platz.
Im Copyshop Lange Laube stapelt sich neueste Technik zugriffsbereit. Deutschkenntnisse braucht es dort nicht mehr, aber Freundlichkeit und möglichst intakte Dateien.
In der Leine kräuseln sich die Wasserwirbel.
Hannover - du tropfes Tier - ich liebe dir.



Montag, 11. September 2023

Zimmer zur Untermiete - oder: wie ich erwachsen wurde

Von Ingeburg Peters

Damals gab es kaum Wohngemeinschaften, oder Jugendliche konnten wie heutzutage einfach für immer zuhause wohnen bleiben…

Die Eltern wollten für mehrere Jahre ins Ausland gehen. Der Vater machte einen Besuch bei meinem Arbeitgeber und informierte sich über Volontärsgehalt sowie Kantinenessen, Mutter besuchte die Eltern meines Freundes, um dort ohne mein Wissen und meine Zustimmung sicherheitshalber eine „Verlobung“ einzufädeln.

Dann war ich plötzlich allein, ohne Mutters gemütliches Frühstück und Spaß am Wochenende, aber auch weg von den Spießern der Provinz. Nun mit Redakteuren konfrontiert, die nach dem Besuch des Jazzclubs versuchten, mir Löcher in die Strumpfhose zu bohren. 

Mein Untermieterzimmer in der Kollenrodtstraße hatte einen Kohlenofen und eine Glastür. Die Vermieterin kontrollierte mich und öffnete meine Post.

Kurz darauf folgte mir der Boyfriend nach Hannover und besorgte das Zimmer zum Treppenhaus bei Maurer T. Der Form halber hatte er dort auch ein Zimmer ohne Fenster, das er aber nie benutzte. Wir besaßen zwei Matratzen mit Blick auf die Tür und einen Plattenspieler, und wenn wir vergessen hatten abzuschließen, stürzte der volltrunkene Herr T. abends versehentlich in unseren Raum.

Einmal bat ich meinen Freund, ein Brett als Ablage an der Wand anzubringen und er erbrachte diese Leistung auch tatsächlich. Das war es dann allerdings auch, zum Frühstück gingen wir ins Wiener Café, jeden Abend verbrachten wir bei Erich in der Altstadt. Habe dort auf der Eichenbank, an die hohe Verschalung gelehnt, Buch um Buch verschlungen. Die intellektuelle Atmosphäre gefiel mir. Wenn ich aufblickte, sah ich Gesichter, die dann auf den RAF-Fahndungsplakaten prangten...

Einer, der später Funkhausdirektor wurde, wollte mich zwischendurch heiraten und stellte mir einen Bungalow in Aussicht. Der oder das Bungalow reizte mich nicht.

Später bot mir ein Kollege, mit dem ich Minderjährige mich selbstständig machen wollte, ein anderes Zimmer an, wohl um mich aus der Einflusssphäre meines Freundes zu entfernen, noch schrecklicher als das vorige. Durchs Dachfenster kam spärliches Licht, und die zwei Mädchen nebenan lauschten an der Tür. Unter mir wohnende beschwerten sich über das endlose laute Klappern meiner Schreibmaschine. Zuvor hatte ich eine Mitvolontärin von Erich aus angerufen, ob ich das Zimmerangebot annehmen solle. Sie fand es interessant und ich war in einem ziemlich labilen Zustand.

Schließlich fand der „Partner“ (irgendwie erinnert mich das jetzt an die Beatles „She’s leaving home, bye bye, …meets a man from the motortrade…“) ein Zimmer im Rotlichtviertel unweit unseres Büros, da wollte ich aber nicht bleiben, weil ich mich gar nicht aus der Tür traute.

Also mietete er mir ein Zimmer bei einem alten Mann in der Lenaustraße. Schließlich gab es dann im Büro eine Schlafgelegenheit, später wurde eine ganze, aber primitive Wohnung in dem Haus frei.

Irgendwann zogen Leute im Hinterhaus aus, das keine Toiletten, keine Küchen, nichts hatte. Ich begann das Haus zu „sanieren“: Kücheneinbau, Sanitäranlagen, von 36 Fenstern die Hälfte erneuert. Das Programm hält bis heute an.

Gibt es eine Pointe dieser Geschichte? Ich weiß es nicht. Sind wir nicht alle nur Untermieterinnen des Lebens? Jedenfalls habe ich niemals bis ins hohe Alter komfortabel gewohnt, es hätte mich auch nur gelangweilt. All rights reserved

 

 

 

Montag, 26. April 2021

Ihr bringt mir ständig das Leben um

In diesem Text von Rainer Maria Rilke habe ich das Wort 'Menschen' gegen 'Männer' ausgetauscht, so wie im Englischen umgekehrt meist "Men" für "Mensch" verwendet wird, nur selten "Humans". 
Rilke war eine von uns, schon im Requiem für Paula Modersohn-Becker sagt er deutlich: Und wer ist schuld? Der Mann. 
Er würde meine Aenderungen gutheißen. Denn keine Bergkuppe ist den FrackingGangstern mehr heilig, kein Kohlebergbau zu zerstörend, kein Wald mehr schützenswert. Ip



Ich fürchte mich so vor der Maenner Wort.
Sie sprechen alles so anmaßend aus. 
Und dieses heißt Hund, und jenes heißt Haus, 
Und hier ist der Beginn und das Ende dort. 

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, 
Sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott. 

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. 
Das Leben singen hör ich so gern. 
Ihr rührt es an: es wird starr und stumm. 
Ihr bringt mir ständig das Leben um. 





Donnerstag, 31. Dezember 2020

Kalender 2021: No Concept

Januar: No Art

Februar: No Show

März: No Expectations

April: No Surprises

Mai: No Pain

Juni: No Space

Juli: No Ice-Cream 

August: No Work

September: No Time

Oktober: No Business

November: No Words

Dezember: Just Life



(Konkrete Poesie aus dem Archiv einer Angehörigen, von mir entdeckt und auf 2021 umgewidmet) 

 


 

Dienstag, 20. Oktober 2020

Alchemie des Familienlebens

De Vita Beata

Gedicht von Ingeburg Peters (geschrieben ca. 2002)

Handy liegt im Tomatenstrauch, 
Einer hängt die Wäsche auf,
Opernsaenger im Radio, 
Die Sonne geht bald unter. 

Grillgeruch vom Nachbarhof, 
Das weiße Laken hängt 1A,
Suedlicher Sommer im deutschen Herbst, 
Es ist so schön, dass du denkst, du sterbst. 

Jetzt kommt Laken Nummer 2,
Tochter liest den 'Spielmann' laut, 
Mutter rezitiert 'Von der Glueckseligkeit' , 
Einen kleinen Text des Leibniz'. 

(urheberrechtlich geschützt)





Donnerstag, 14. November 2019

Meiner! Seht, wie er feuert!

ipfoto
dieses baums blatt, der von osten meinem garten anvertraut, gibt geheimen sinn zu kosten, wie's den wissenden erbaut.

ist es ein geheimes wesen, das sich in sich selbst getrennt?

sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt?

diese fragen zu erwidern, fand ich wohl den rechten sinn.

fühlst du nicht an meinen liedern, dass ich eins und doppelt bin?

er unterschrieb immer nur mit "#Goethe", Bettina von Armin den Briefwechsel mit ihren hochintelligenten, gebildeten Texten mit Vorname "Bettinen" -

das ginkgo-gedicht verfasste er zusammen mit marianne von willemer, mariannen halt.

ich kanns auswendig, siehe oben, hoffentlich richtig.ip

Freitag, 6. März 2009

Peters proudly presents



Zum Weltfrauentag - und erst recht für danach:
Mensch Maria - ein poetischer Versuch in Wort und Bild von Ingeburg Peters über das Verratensein der Frau.
Jetzt lieferbar: ISBN 978-3-8370-7984-5, 20 €.

Donnerstag, 5. März 2009

Peters proudly presents:


Zum Weltfrauentag - und erst recht für danach:
Mensch Maria - ein poetischer Versuch in Wort und Bild von Ingeburg Peters über das Verratensein der Frau.
Jetzt lieferbar: ISBN 978-3-8370-7984-5, 20 €.

Dienstag, 18. November 2008

wasser-gedicht

damals,
als sie im schwimmbad
am beckenrand saß
und sich sicher war,
dass ihre zeit
noch kommen würde.
tief tauchen,
fast nicht mehr da sein.
nun,
in letzter sekunde,
schien die ersehnte zeit
gekommen;
so wie ein autonomer
auf der flucht vor der polizei
im fluss untertauchte,
solange das luftanhalten
es zuließ.
und als er auftauchte,
waren die bullen weg...



(copyright für das gesamte blog bei ingeburg peters)

Donnerstag, 25. September 2008

Beim Hören von Beethoven

Sommerzeit, ein altes wundervolles Löschblatt, geschöpft, marmoriert mit kleinen roten Fäden, dick, griffig, saugfähig, strukturiert.
Sie fahren über Kaltenweide, er mit der Digital-Spiegelreflexkamera, die in der Fototasche wie ein gemächt aussieht. wie einer dieser modernen Mischhähne. kein Konzept haben, keinen Plan. Nichts. Niente. Ninguna. Nada. was zuerst da ist, kommt zuerst zum zuge. so einfach ist das. vertrauen in sich selbst. Das ist Sprache, das ist Leben, das ist Wunderland. Oder war es. Oder wird es. Wer weiß. Ohne Plot. Ohne Handlung. Ganz ohne Phantasie.
Wiederholt sich die Sequenz wieder und wieder? es scheint weiterzugehen 2:33, obwohl es wie eine Wiederholung klingt, sowohl bei Bach wie bei Beethoven. Beet-Hoven. Bet-Hoven, Bett-Hoven. Bach-Ofen. 3:46, ich kann mich wieder hinlegen. staub im laser-leser vermutlich.
Das kleine muffig riechende Schreibheft. Beethoven ging zu Huren. Er kam nicht klar mit sich, das hört man sehr schön in seiner Kunst. Oben und unten. Gerührt und geschüttelt. Wie ich, die als ihr größtes Talent nennt, sich jedermann zum Feind zu machen.
Thomas Bernhardt riss sein Hemd auf, hier haben Sie mein Herz, Sie können hineinsehen. Plötzlich lehnt sie sich zurück, schließt die Augen, spürt ihre Gehirnwindungen, meinsmeinsmeins, alles meins.
Im Anfang war das Wort. die Gießwein haben schmutzige Sohlen, müssen gewaschen werden. Es abenddämmert. From Dusk till Dawn. Dämmerung, die zuerst immer eine Morgendämmerung ist, abends aber erklärende Beiworte braucht.
Diese Bässe, unglaublich. Offenbar hat sie was burschikos Luxuriöses an sich.
der schulfreund soll angerufen haben damals, als sie auf Sylt war, weil es ihr schlecht ging. sie hat das erst vor kurzem erfahren. Dann war er tot. Die Nachricht, geheuchelt überbracht im Wiener Café auf Sylt. Hey, how are you?
Laufen lassen. Ich musiziere schriftlich mit. die musikkonserve musiziert mich an und ich antworte mit Schreiben. Plötzlich ist das Wunderland da.
Die Tulpen auf der Bettdecke. Friedas Tapetenmusterentwürfe wurden ihr von der Fabrik, in der sie arbeitete, enteignet und gewinnträchtig verwendet.
Warrender Road. Edinburgh. Auf der anderen Straßenseite geht Miss Marple.
Joycens Muse war die Tochter. Kackkackack. Handke und das Gebirge. Gepirge. Die Sainte-Victoire. Zen-Kloster yes, something like this. kloster mariensee. Operator-operator. Vor- und Zurück. Vorblende, Rückblende.
Was wird alles geschrieben unterm Himmelszelt!
Was ist davon geblieben? Welt!
Beethoven war ein einziges Schwanken, ein Hin und Zurück. diese ineinander verschlungenen Kabel, schwarz und durchsichtig, wie Patti smith und ich, wie Evelyn Fox und ich. So wie ich mit dem Hund irgendwie zusammengewachsen bin, ein Zentaur geworden bin. Unter der Bettdecke schauen vier Pfoten hervor. über die Echsenhaut an meinen Händen schreibe ich. Als wär‘s ein Stück von mir, deute diese verletzliche Künstlernatur. Was erzählt der Pianist da? Es war einmal vor langer Zeit. Once upon a time.
Kühles Resopal unter meiner Hand. von Möbel Wilhelm. Weil die tochter den Walzer auf dem Klavier übte, An der schönen blauen Donau, dachte sie ans Neujahrskonzert, in das sie früher gingen, als das Kind Kind war. Und da saßen sie mitten im Parkett, diese unverschämt blonde deutsche Frau und ihr Mann, Herr K. von Möbel Wilhelm, dem lieferanten der resopal-möbel. Dieses Weißblond haut raus und rein, vor allem, wenn man das vom rang aus sieht, da sticht es besonders ins auge.
sie kannte auch zwei nette höfliche junge Serben, jawoll, Hommage an Handke.
der button Rosa Luxemburg steht ab von ihrem busen. Singt nach Biermann: „Karl Liebknecht und Luxemburg Rosa, das sing‘ ich jetzt nicht noch einmal.“ Denn die Luxemburg war ne ganz andere Größe als der Liebknecht. Die Blüte der Menschheit, das Salz der Erde, auch ich will Jude sein.
Morgens oder im Traum hört sie oft den elektrischen Gong, der aber gar nicht läutet. Inzwischen ist es dunkel geworden. Viertelvorneun. Um Zehn ist nochmal Leerung an der Hauptpost. Das Funktionieren will durch die Hintertür herein, fordert sein Gewohnheitsrecht. das effizient-sein, efiizient-sein. immer effizient sein. während des ruhens schon im kopf die nächsten aktionen vorbereiten, das ist die perfide mühle. Das Licht hat sie schon länger an. Den schönen weißen Vorhang, der mal gewaschen werden muss, schon halb zu, damit die sie im Vorderhaus nicht sehen und erschießen. Die Cd beginnt von vorn. Buuppbuhbuu, bambambapah. Dass ich eins und doppelt bin? Wer ist die andere?
Der Stereoklang ist gut. Penelope wartet nicht länger. Schreck im Bauch wie Messerstich, weil sie ein Klingeln phantasiert. Das schlechte Gewissen, nicht allzeit bereit zu sein, um die Tür zu öffnen. Die Tür zur Großen Begehbaren. so wie sie bestimmte briefe nicht öffnen mag, vor lauter angst. Dabei tobt Beethoven.
Die kleine Frau muss doch immer tüchtig sein. wer hat ihr das eingeblasen? dann kam einer, der spielte mit ihren sehnsüchten wie alle hochstapler. danach kam nur noch reine not, die erfinderisch machen musste.
Perlend. Mein winziger Ausschnitt der Unendlichkeit. Cool, wie das glinkt, klinkt. Ich klinke aus. Ich darf doch nicht einfach genießen.
Die Wörter. Ich setze sie aufs Papier. Habe Angst, dass zum Schluss der CD ein martialischer Mann im Türrahmen steht und sagt: Ja, das war eine sehr schöne Musik-Darbietung für mich. In meiner Küche steht und durch die Tür in mein zimmer guckt. Den Wohnungsknauf gedreht hat. Und ich liege im Bett. Oder er sagt: Danke für die schöne CD-Musik. Als wäre ich nur der Handlanger zu seiner Erbauung. Wie das raunt und rast.
da stand ein riesiger Wurstteller mit Sülze auf dem Esstisch. sie hatte die Wurst nicht gewollt, das war ihr peinlich, sie war eher Vegetarierin.
Beethoven. Mein lieber Schwan, mein lieber Scholli. Bravo. Bravo.