Sonntag, 21. Juni 2026

Mein fabelhafter längster Tag des Jahres - ein Gleichnis zur Tag- und Nachtgleiche

Den GoldElritzen hatte ich einen ausgehöhlten Stein ins Becken gelegt. Und wenn ich gucken kam, lugten sie wie kleine Schiffe im Hafen in Reih und Glied unter dem Stein hervor. 

GoldElritzen sind Rudeltiere.

Aber der kleine seichte Teich ist verschlammt. Siedelte sie deshalb mitsamt dem ausgehöhlten Stein auf Nachbarin Karlottas Vorschlag hin in die Regentonne im Vorderhof um, wo auch eine Seerose den letzten strengen Winter überstanden hat. Da fühlen sie sich jetzt offensichtlich sehr wohl und können vor der Hitze wegtauchen. 

Leider ist beim Umzug die Mutter weggespült worden. Sie hatte einen schwarzen Fleck auf dem Rücken, den ich durch das Einfüllen von gefärbtem Dekosand statt hellem Spielsand verursacht hatte. 

Ich fand nur noch ihr Skelett. ip

"Küstenautobahn" und Kriegstransporte

Oldenburg. Fridays for future sowie weitere Gruppen setzen sich dafür ein, dass auf den Bau der sogenannten Küstenautobahn verzichtet wird. Stattdessen soll deutlich mehr Geld in klima- und umweltfreundliche Verkehrsmittel investiert werden.

Bei der A20 handelt es sich um das teuerste, längste und umweltschädlichste Autobahnprojekt Deutschlands. Die Baukosten belaufen sich nach Angaben der Bundesregierung mittlerweile auf 8,5 Milliarden Euro.

Freitag, 19. Juni 2026

Lidl lohnt sich?

Hannover. Unterm Bahnhof bei Lidl ist es angenehm kühl. Und du lernst die schöne neue Automatikwelt verstehen. Das frisch im eigenen Lidl-Betrieb gebackene Brot wird hinter einer Barriere berührungslos von dir ausgesucht, in die Ausgabe verschoben, dort geschnitten und zum Einpacken präsentiert.

Nebenan steht ein Obdachloser mit einigen Cent in der Hand vor den Fertiggetränken "to go" aus Molke, und eine kräftige Angestellte mit riesiger Wischmaschine verdrängt ihn vom Regal, was ich unverschämt finde (der Obdachlose auch, er murmelt etwas von eigenständigem Leben, Respekt usw.). Begreife aber erst später, dass es sich hier um eine Technik handeln könnte, unliebsame Kunden in den Griff zu bekommen. 

Und da fallen mir NP und Rewe und Rossmann ein, die auch während der Geschäftszeit reinigen und Regale befüllen. Dadurch können sie wohl auch manchen Diebstahl verhindern. 

Es kommt die Zeit, wo diese Reinigungsmaschinen mit Kameras alles registrieren, was das Kundenvolk macht. In Frankfurt gibt es ja auch schon Busse, die automatisch Falschparker filmen. Und Befüllung, Reinigung, Überwachung vollautomatisch ablaufen, wie ich es schon in einer amerikanischen Flaschenherstellerfabrik ohne Arbeiter in Rinteln erlebte. Einziger Engpass war dort der Quarzsand, deshalb wurden Flaschensammler aufgerufen, noch fleißiger zu sein, während mann die Gründervilla verfallen ließ. 

Am Supermarktausgang folgt das Registrieren der Barcodes durch die Kundin, elektronisches Bezahlen und den Kassenzettelbarcode an die Ausgangssperre halten; das hat sie alles schon längst drauf, um nicht an der Bargeldkasse Schlange zu stehen. 

Die Drohnen der Zukunft werden uns dann wohl letztlich die Waren und Nahrungsergänzungsmittel in einer wetterfesten Box abladen. Und die Supermärkte sind endlich die physische Anwesenheit der Kundschaft los. ip

FrauenÖrtchen?

Hannover. Will mich über die Ehrungspraxis bedeutender Bürger:innen eigentlich nicht echauffieren. Aber es wird Frauen mit Gedenktafeln an besonderen "FrauenOrten" gedacht, also von der Gesamt-Gesellschaft abgespalten. MännerORTE gibt's nicht, sie sind allenthalben vertreten. 

Berühmte Hannoveranerinnen wie die Linguistin und Autorin Luise F. Pusch werden mit professoralem Unkraut verwechselt, wobei ihre Ideen schamlos geklaut und verfälscht werden. Die bulgarischstämmige Dagmar v. Garnier legte auf dem Vorhof der Leibnizkirche Hannover eine Spirale mit kleinen Gedenktafeln von Frauen aus. Das von ihr initiierte Frauen-Gedenk-Labyrinth reiste seitdem als Wanderausstellung durch verschiedene Städte. Gegen Gebühr konnten Mutter, Schwester, Verwandte usw. dort erinnert werden. Die Aktion versackte schnell in Bedeutungslosigkeit.

Und Hannovers erste Frauenbeauftragte Dr. Müller? Bekommt sie vielleicht ein FrauenÖrtchen? 

Vom Landesfrauenrat Niedersachsen initiierte Gedenktafeln: https://www.frauenorte-niedersachsen.de/. Die Intention ist löblich, der Name unglücklich gewählt. Bitte abschaffen!

Die Zeiten, als selbst Museen spezielle Ausstellungen über "Frauen-Kunst" veranstalteten (zum Beispiel das Sprengelmuseum mit "Garten der Frauen", die Frankfurter Schirn mit einer ähnlichen  Schau) sollten vorüber sein. ip

Milliardenschwere Gerechtigkeitslücken schließen und Familienstiftungen als Sparmodelle verhindern

KIEL. Die Finanzministerin und Finanzminister der norddeutschen Länder (Nord-FM) Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sprechen sich parteiübergreifend für eine Weiterentwicklung der Erbschaftsteuer aus. 

Besonderen Reformbedarf sehen sie bei den bestehenden Ausnahmen (Verschonungsregelungen) für große Betriebsvermögen. In der Praxis können derzeit sehr hohe Vermögen teilweise nahezu steuerfrei übertragen werden. Allein 2024 wurden bundesweit in 45 Fällen ursprünglich festgesetzte Steuern von 3,6 Milliarden Euro auf lediglich rund 200 Millionen Euro reduziert – ein Steuererlass von ca. 95 Prozent. Insbesondere sogenannte Familienstiftungen werden inzwischen offen als Steuersparmodelle beworben, um Vermögende künstlich „mittellos“ erscheinen zu lassen.

Die Finanzressorts der Nordländer machen deutlich: Solche Modelle haben nichts mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen oder Unternehmen zu tun. Deshalb sollten Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt und eine Art Mindestbesteuerung großer Vermögen sichergestellt werden. Ziel sei mehr Belastungsgleichheit zwischen verschiedenen Vermögensarten.

Dazu meine Anmerkung: Zig Stiftungen von Aldi, sowie der Schwarz-Familie mit Lidl und Kaufland, Rossmann, Bertelsmann fallen mir auf Anhieb ein usw. ...ip

Die Erbschaftsteuer zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Länder. Damit ist sie zentral für die Finanzierung von Schulen, Polizei, Justiz und öffentlicher Infrastruktur. Aus Sicht der Nord-FM müssen auch sehr große Vermögensübertragungen einen angemessenen Beitrag dazu leisten. 

Forderungen nach einer Abschaffung der Erbschaftsteuer weisen die Nord-FM ausdrücklich zurück. Auch eine Regionalisierung lehnen die Finanzressorts der Nordländer ab: Die Höhe der Erbschaftsteuer darf nicht vom Wohnort abhängen; es brauche keinen Standortwettbewerb zwischen den Ländern.

Immobilienprivilegien auf den Prüfstand

Auch steuerliche Sonderregeln für große Wohnungsunternehmen sollten überprüft werden. Nach Ansicht der Finanzministerin und Finanzminister der Nordländer darf die steuerliche Begünstigung künftig nicht mehr allein von formalen Kriterien wie der Zahl der Wohnungen abhängen. Entscheidend müsse vielmehr sein, ob tatsächlich unternehmerische Leistungen erbracht würden oder ob es sich lediglich um reine Vermögensverwaltung handele. Ziel sei eine bundesweit einheitliche und rechtssichere Anwendung der Regeln.

Unten lernen - oben wohnen, das ist klimaschonend und lebensrettend

Die erste Hybridschule Deutschlands wird bald im Schönhof-Viertel in Frankfurt-Bockenheim eröffnet, eine vierzügige inklusive Ganztags-Grundschule. Sie bietet Platz für rund 500 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4. Über der Schule entstehen 134 Wohnungen, in denen Lehrkräfte, Familien, Alleinerziehende wohnen können. Und die Kinder sind vor Autoverkehr geschützt, müssen sich nicht mit wie auch immer gearteten "Rollern" in Lebensgefahr begeben.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Frankfurter Hitzebus verteilt bis in die Nacht hinein Wasserzerstäuber zum Abkühlen der Haut

ffm. Wasser, Kappen, Sonnencreme: Ordentlich verstaut Daniel Schneider Dinge im Auto, die bei großer Hitze unerlässlich sind. Das Auto ist kein gewöhnliches Auto und der Sonnenschutz ist auch nicht für Daniel Schneider. Er ist für die obdachlosen Menschen in Frankfurt.

144 Flaschen Wasser hat Schneider an diesem schwülen Vormittag bereits in den weißen Transporter gewuchtet, der als Hitzebus durch die Stadt fährt. Dazu kommen an diesem Tag noch zwei Dutzend bunter Schirmmützen, ein Schuhkarton voller Sonnencremetuben, Sonnenschirme und – ganz neu – Wasserzerstäuber zum Abkühlen der Haut. Sorgfältig sortiert der Sozialarbeiter die Ausstattung in die Schubladen im Kofferraum. Jeder Handgriff sitzt: Wenn die Temperaturen steigen, muss der Bus bereit sein. Bis zu 125 Liter Wasser am Tag verteilen Schneider und seine Kolleginnen und Kollegen an Menschen, die auf der Straße leben. Wenn die Sonne in der Stadt brennt, sind es vor allem Menschen ohne Dach über dem Kopf, die der Hitze schutzlos ausgeliefert sind – und auch nachts glüht die Stadt weiter.

Der Hitzebus ist deshalb während der Hitzewelle jeden Abend von 18 bis 2.30 Uhr unterwegs. „Wir fahren los, wenn die Situation übersichtlicher ist und man obdachlose Menschen auch leichter entdecken kann. Ab Mitternacht ist es deutlich einfacher, mit dem Bus jemanden zu finden, der im desolaten Zustand draußen übernachtet. Morgens sind die Leute eher noch frisch“, erklärt Schneider.

Wer möchte, wird von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit dem Hitzebus auch zu einer Notübernachtungsstätte gefahren, um dort den tropischen Nächten auszuweichen. Bis zu 150 Personen erreichen der staatlich anerkannte Sozialarbeiter und seine Kolleginnen und Kollegen in einer Hitzewelle so jede Nacht.„Dehydrierte Obdachlose mit Sonnenstich findet man eher abends.“

Unter der Telefonnummer 069/431414 können Bürgerinnen und Bürger den Frankfurter Verein ganzjährig – im Winter wird der Hitzebus zum Kältebus – kontaktieren, wenn sie Personen ohne Obdach begegnen, die Schutz und Unterstützung bei extremen Temperaturen brauchen. Das Angebot ist Teil des Klimawandel-Aktionsplans der Stadt Frankfurt.