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Vom Käfig ins Feld: Die Auswilderung der Feldhamster soll die Bestände sichern, Copyright: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Isaak Papadopoulos
ffm. Ab in die Freiheit: Im Mai werden in Bergen-Enkheim erneut Feldhamster ausgewildert. Insgesamt 24 Tiere aus der Zucht der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGF) der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) werden auf einer vorbereiteten Fläche in die Freiheit entlassen. Unter dem Leitgedanken „Ich bin Frankfurter:in und will’s auch bleiben!“ wird das Projekt zur Wiederansiedlung des Feldhamsters seit 2023 umgesetzt. Es wird von der Stadt Frankfurt jährlich mit rund 50.000 Euro unterstützt und nach den Erfolgen der vergangenen Jahre fortgeführt. „Ich freue mich sehr, dass Frankfurt wieder Lebensraum für den Feldhamster bietet. Das Projekt zeigt, dass kommunaler Artenschutz konkret wirkt, wenn Stadt, Landwirtschaft, Naturschutzverbände und Wissenschaft gemeinsam handeln“, sagte Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, beim Auswilderungstermin vor Ort. „Mit Auswilderungen wie dieser leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Feldhamster. Entscheidend bleibt aber, dass wir ihre Lebensräume dauerhaft sichern und nicht weiter verlieren.“ |
Die etwa einjährigen Nager werden behutsam in vorbereitete Erdlöcher eingesetzt. Dort erhalten sie Futter als Startproviant sowie einen kleinen Schutzkäfig für die ersten Tage. „Wir hoffen, dass wir an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen können und sich die Tiere weiter in der Umgebung ausbreiten“, sagte HGON-Referentin Maie Kool.
In den vergangenen drei Jahren wurden insgesamt 58 Feldhamster ausgewildert. Im Jahr 2023 waren es 14 Tiere, 2024 20 Tiere, 2025 24 Tiere. Bereits jetzt konnten mindestens 189 Jungtiere nachgewiesen werden. „Die Bestandsstützung ist ein langfristiges Projekt, bei dem über mehrere Jahre kontinuierlich Tiere ausgesetzt werden müssen“, sagte Julia Heinze, Tierärztin und Leiterin der Feldhamsterzuchtstation der AGF. Der übliche Zeitraum liege bei etwa fünf Jahren, häufig sei jedoch auch darüber hinaus weiteres Engagement erforderlich.
Artenschutz nur gemeinsam mit der Landwirtschaft
Das Projekt zeigt, dass Feldhamsterschutz nur in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft gelingen kann. In Bergen-Enkheim stellt Ortslandwirt Marco Schäfer die Auswilderungsfläche zur Verfügung. Die Tiere sind auf tiefgründige, gut bearbeitbare Böden angewiesen, in denen sie ihre Baue bis zu zwei Meter tief anlegen können. „In sandigen oder steinigen Böden funktioniert das nicht“, erklärte Heinze. Der Erhalt geeigneter landwirtschaftlicher Flächen sowie die Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten sind daher zentrale Voraussetzungen für den Erfolg.
Entsprechend ist das Projekt in das Frankfurter Arten- und Biotopschutzkonzept eingebettet, in dem der Feldhamster als eine von 59 sogenannten Verantwortungsarten geführt wird. „Der Feldhamster ist ein typisches Beutetier und auf eine hohe Reproduktionsrate angewiesen“, erklärte Maie Kool. „Nur wenn ausreichend Nachwuchs entsteht, kann sich die Population stabilisieren.“ Erste Erfolge der Auswilderungen in Frankfurt zeigen, dass dieser Ansatz wirkt.
Hintergrund: Eine stark bedrohte Art
Der Feldhamster wird von der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature, IUCN) seit 2020 als „weltweit vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Ursachen sind unter anderem Lebensraumzerschneidung, genetische Verarmung und veränderte landwirtschaftliche Bedingungen, etwa durch klimabedingt frühere Ernten.



