Freitag, 19. Juni 2026

FrauenÖrtchen?

Hannover. Will mich über die Ehrungspraxis bedeutender Bürger:innen eigentlich nicht echauffieren. Aber es wird Frauen mit Gedenktafeln an besonderen "FrauenOrten" gedacht, also von der Gesamt-Gesellschaft abgespalten. MännerORTE gibt's nicht, sie sind allenthalben vertreten. 

Berühmte Hannoveranerinnen wie die Linguistin und Autorin Luise F. Pusch werden mit professoralem Unkraut verwechselt, wobei ihre Ideen schamlos geklaut und verfälscht werden. Die bulgarischstämmige Dagmar v. Garnier legte auf dem Vorhof der Leibnizkirche Hannover eine Spirale mit kleinen Gedenktafeln von Frauen aus. Das von ihr initiierte Frauen-Gedenk-Labyrinth reiste seitdem als Wanderausstellung durch verschiedene Städte. Gegen Gebühr konnten Mutter, Schwester, Verwandte usw. dort erinnert werden. Die Aktion versackte schnell in Bedeutungslosigkeit.

Und Hannovers erste Frauenbeauftragte Dr. Müller? Bekommt sie vielleicht ein FrauenÖrtchen? 

Die vom Landesfrauenrat Niedersachsen initiierten Gedenktafeln: https://www.frauenorte-niedersachsen.de/. Die Intention ist löblich, der Name unglücklich gewählt. Bitte abschaffen!

Die Zeiten, als selbst Museen spezielle Ausstellungen über "Frauen-Kunst" veranstalteten (zum Beispiel das Sprengelmuseum mit "Garten der Frauen", die Frankfurter Schirn mit einer ähnlichen  Schau) sollten vorüber sein. ip

Milliardenschwere Gerechtigkeitslücken schließen und Familienstiftungen als Sparmodelle verhindern

KIEL. Die Finanzministerin und Finanzminister der norddeutschen Länder (Nord-FM) Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sprechen sich parteiübergreifend für eine Weiterentwicklung der Erbschaftsteuer aus. 

Besonderen Reformbedarf sehen die Finanzministerin und Finanzminister bei den bestehenden Ausnahmen (Verschonungsregelungen) für große Betriebsvermögen. In der Praxis können derzeit sehr hohe Vermögen teilweise nahezu steuerfrei übertragen werden. Allein 2024 wurden bundesweit in 45 Fällen ursprünglich festgesetzte Steuern von 3,6 Milliarden Euro auf lediglich rund 200 Millionen Euro reduziert – ein Steuererlass von ca. 95 Prozent. Insbesondere sogenannte Familienstiftungen werden inzwischen offen als Steuersparmodelle beworben, um Vermögende künstlich „mittellos“ er scamheinen zu lassen.

Die Finanzressorts der Nordländer machen deutlich: Solche Modelle haben nichts mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen oder Unternehmen zu tun. Deshalb sollten Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt und eine Art Mindestbesteuerung großer Vermögen sichergestellt werden. Ziel sei mehr Belastungsgleichheit zwischen verschiedenen Vermögensarten.

Unten lernen - oben wohnen, das ist klimaschonend und lebensrettend

Die erste Hybridschule Deutschlands wird bald im Schönhof-Viertel in Frankfurt-Bockenheim eröffnet, eine vierzügige inklusive Ganztags-Grundschule. Sie bietet Platz für rund 500 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4. Über der Schule entstehen 134 Wohnungen, in denen Lehrkräfte, Familien, Alleinerziehende wohnen können. Und die Kinder sind vor Autoverkehr geschützt, müssen sich nicht mit wie auch immer gearteten "Rollern" in Lebensgefahr begeben.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Frankfurter Hitzebus verteilt bis in die Nacht hinein Wasserzerstäuber zum Abkühlen der Haut

ffm. Wasser, Kappen, Sonnencreme: Ordentlich verstaut Daniel Schneider Dinge im Auto, die bei großer Hitze unerlässlich sind. Das Auto ist kein gewöhnliches Auto und der Sonnenschutz ist auch nicht für Daniel Schneider. Er ist für die obdachlosen Menschen in Frankfurt.

144 Flaschen Wasser hat Schneider an diesem schwülen Vormittag bereits in den weißen Transporter gewuchtet, der als Hitzebus durch die Stadt fährt. Dazu kommen an diesem Tag noch zwei Dutzend bunter Schirmmützen, ein Schuhkarton voller Sonnencremetuben, Sonnenschirme und – ganz neu – Wasserzerstäuber zum Abkühlen der Haut. Sorgfältig sortiert der Sozialarbeiter die Ausstattung in die Schubladen im Kofferraum. Jeder Handgriff sitzt: Wenn die Temperaturen steigen, muss der Bus bereit sein. Bis zu 125 Liter Wasser am Tag verteilen Schneider und seine Kolleginnen und Kollegen an Menschen, die auf der Straße leben. Wenn die Sonne in der Stadt brennt, sind es vor allem Menschen ohne Dach über dem Kopf, die der Hitze schutzlos ausgeliefert sind – und auch nachts glüht die Stadt weiter.

Der Hitzebus ist deshalb während der Hitzewelle jeden Abend von 18 bis 2.30 Uhr unterwegs. „Wir fahren los, wenn die Situation übersichtlicher ist und man obdachlose Menschen auch leichter entdecken kann. Ab Mitternacht ist es deutlich einfacher, mit dem Bus jemanden zu finden, der im desolaten Zustand draußen übernachtet. Morgens sind die Leute eher noch frisch“, erklärt Schneider.

Wer möchte, wird von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit dem Hitzebus auch zu einer Notübernachtungsstätte gefahren, um dort den tropischen Nächten auszuweichen. Bis zu 150 Personen erreichen der staatlich anerkannte Sozialarbeiter und seine Kolleginnen und Kollegen in einer Hitzewelle so jede Nacht.„Dehydrierte Obdachlose mit Sonnenstich findet man eher abends.“

Unter der Telefonnummer 069/431414 können Bürgerinnen und Bürger den Frankfurter Verein ganzjährig – im Winter wird der Hitzebus zum Kältebus – kontaktieren, wenn sie Personen ohne Obdach begegnen, die Schutz und Unterstützung bei extremen Temperaturen brauchen. Das Angebot ist Teil des Klimawandel-Aktionsplans der Stadt Frankfurt.


Zentrale soziale Leistungen stehen zunehmend unter Druck

Hannover. Johann Jobst Wagener stiftete sein prachtvolles Gebäude vor dem heutigen Üstrabetriebshof als Unterkunft für arme Frauen, dennoch finden meist Männer hier Zuflucht. Die Mitarbeiter der Wagener-Stiftung haben alle Hände voll zu tun, schlimme Handyverträge zu stornieren und so manche anderen spontanen "Kaufhandlungen" zu glätten.

Die Werbeverführung ist besonders durch Social Media riesig geworden, und so weiß die Schuldnerberatung ein Lied davon zu singen, wie letztlich Obdachlosigkeit entsteht, wenn Banken das pfändungsfreie Konto mit Hürden umgeben, und dann sitzt so mancher schnell auf der Straße.

Ein weiterer "Wohltäter" Hannovers, Johann Duve, stieg 1611 nach dem Bankrott seines Sohnes zum reichsten Kaufmann Hannovers auf. Er forderte schon damals die Privatisierung aller städtischen Betriebe. Seine Wohltaten allerdings ließ er sich regelmäßig durch Steuererlasse und Rechnungen für Turmsanierungen bezahlen. Kurz - sein martialisches Brunnendenkmal am Leibnizufer hat frappante Ähnlichkeit mit den sich selbst beweihräuchernden Aktivitäten heutiger "Philanthropen".

Wenn jetzt das „Bündnis starker Sozialstaat“ zum Protest gegen Kürzungen aufruft, (Kundgebung vorm Landtag „S.O.S. SOZIALSTAAT!“ am 24 Juni, 11:30 bis 14 Uhr) ist der Anlass die am Folgetag stattfindende Ministerpräsidentenkonferenz, bei der Entscheidungen mit weitreichenden Folgen für soziale Sicherungssysteme und soziale Infrastruktur erwartet werden.
Der Sozialstaat schützt Menschen vor Armut, ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und bietet Sicherheit – in Krankheit, im Alter, bei Erwerbslosigkeit, Behinderung oder familiären Belastungen. Nach Auffassung des Bündnisses stehen jedoch zentrale soziale Leistungen zunehmend unter Druck. Die geplanten Sparmaßnahmen dürften nicht zulasten von Menschen gehen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Was das nun mit Jobst Wagener und Johann Duve zu tun hat? 
Dem Wohlwollen von privaten Stiftern und Billionären ausgesetzt zu sein, in einer Welt voller aufdringlicher Werbung für Flachbildschirme und Teslalimousinen, Rüstung und Schönheitsoperationen sowie exzessivem Alkoholkonsum schon im Jugendalter; deren aggressives Marketing von Firmen kommt, deren Besitzer identisch mit den "Wohltätern" sind, die praktisch zugleich Kundenjagd für Produkte wie Instagram, Facebook usw.. ausüben, auch das bildet den Hintergrund von Obdachlosigkeit, von Überschuldung, von Armut. ip
Kitsch ins Quadrat, Duves muskulöser Sämann mit dem vollen Sack vorm Bauch. iptextfoto

Mittwoch, 17. Juni 2026

Küchen, Waschmaschinen und Trockner werden durch die Weihnachtsaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung finanziert

Hannover. Aus einer Baustelle wird ein Zuhause: Mit der symbolischen Schlüsselübergabe hat die Gundlach Bau und Immobilien GmbH & Co. KG den zweiten Bauabschnitt des Wohnprojekts der Stiftung EIN ZUHAUSE im Karl-Imhoff-Weg abgeschlossen. Sieben weitere Wohnungen stehen künftig Menschen zur Verfügung, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum Chancen haben. Der Einzug der ersten Mieterinnen und Mieter ist für Anfang August geplant.

Bis dahin werden die Außenanlagen fertiggestellt und die Wohnungen mit Einbauküchen ausgestattet. Küchen, Waschmaschinen und Trockner werden durch die Weihnachtsaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung finanziert. Darüber wird gesondert berichtet.

(meine Frage dazu: sind auch Mikrowelle, Dampfgarer, Kaffeevollautomat inklusive?) 

Dienstag, 16. Juni 2026

40jähriges Jubiläum Frauen(Gleichstellungs-)beauftragte in Hannover

Ursula Müller hat einige Anekdoten über den hannoverschen Amtsschimmel auf Lager:
"Für mich völlig unerwartet kam die heftigste Reaktion in einer verwaltungsinternen Diskussion und die größte Ablehnung auf meinen Einwand, eine städtische Broschüre dürfe nicht den Titel "Ansprechpartner Stadt" tragen. Da die Stadt grammatikalisch weiblich ist, könne es nur "Ansprechpartnerin" heißen. Ich erspare Ihnen die Irrationalität, mit der die männliche Form verteidigt wurde. Gerade diese Kontroverse hat mir aber andererseits wieder Sympathisantinnen zugeführt, die dadurch begriffen, dass es nicht um die Sache, sondern um männliche Vormacht geht."

Am 2. Juni 1986 startete Dr. Ursula Müller als erste Frauenbeauftragte Hannovers (1986-1998), im damaligen Frauenbüro–Referat für Gleichstellungsfragen. Nur wenige Städte in Deutschland hatten damals eine solche Einrichtung. Begleitete in meinen Publikationen ihre Arbeit (siehe Zeitungsausschnitt).
Dr. Müller erhielt anonyme Drohbriefe und eine Drohung der NPD. Anlass war offenbar ein Artikel in der Bild, der den Titel trug: "Wie Frau Dr. Müller die deutsche Sprache entman(n)en will! " damit wurde auf die Empfehlung zur Vermeidung des Pronomens 'man' Bezug genommen, aber zugleich richtig erkannt, dass diese Sprachregelung eine Beschneidung männlicher Privilegien darstellt."