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Montag, 15. April 2024

Die Beisetzung des Mittelstandes steht bevor


Ich bin jetzt auf Du und Du mit meiner Heizung, weiß, welche Tools nötig sind und wie ich dem Wetterwechsel begegne. 5000 Bewerbungen gingen beim Top-Employer enercityAG ein, der Aktivitäten bis ins Baltikum pflegt, aber kleine Handwerksmeister finden keine qualifizierten Leute, die in Ruhe Kundenfragen beantworten. 
Der Bezirksschornsteinfeger kam zur Kontrolle mit einer aktiven Schornsteinfegerin.
Wir Trümmerfrauen müssen es jetzt bringen, während die Rüstungsindustrie boomt? 
Finanzamt und Niedersachsenbank traktieren eine selbstständige Schneiderin allein schon mit dem bürokratischen Ausfüllen von Formularen und Erklärungen, wodurch keine Zeit mehr fürs Nähen bleibt, während die Reichen unbekümmert in Offshore-Gebiete und Schweiz transferieren... 
Bei einem Schaden telefonierte sie 16 Firmen durch, die alle absagten... 



Samstag, 4. November 2023

Feierabend -Wortgeräusche von IP


Herr Chatzi schließt seinen Markisenladen zu.
Eine Straße weiter lungern leerstehende Läden herum, vor denen die Wochenblätter hin und her wehen; dazwischen, mit dem verwitterten Schild, die Buchhandlung Witte.
Drinnen archiviert der ebenfalls verwitterte Inhaber die Tagebücher einer einst blonden Professorin, deren Lebensborn immernoch brennt, scannt sie oder tippt ab. 
Rosa Abendwolken ziehen über das Autoinferno Königsworther Platz.
Im Copyshop Lange Laube stapelt sich neueste Technik zugriffsbereit. Deutschkenntnisse braucht es dort nicht mehr, aber Freundlichkeit und möglichst intakte Dateien.
In der Leine kräuseln sich die Wasserwirbel.
Hannover - du tropfes Tier - ich liebe dir.



Samstag, 13. August 2011

was nun?

soeben traf ich einen über 80jährigen fischhändler, dessen sohn inzwischen die geschäfte weiterführt, mit wesentlich weniger verdienst.
ich provoziere in der mir eigenen ungehobelten art: "es gibt doch gar keinen fisch mehr". der senior: "es könnte genug geben, wenn man beispielsweise die jungen trächtigen schollen leben ließe. stattdessen wird ihnen von der geldgierigen industrie wegen der dürftigen kleinen filets, die sie liefern, das gelege aus dem bauch geschlitzt." ich: "der mittelstand wird fertiggemacht."
er: "ich habe gut geld verdient und über 50 prozent versteuern müssen".
zur rolle der finanzämter und der regierung in diesem zusammenhang hat alexander dill im finanzbuch-verlag sein buch "der große raubzug" herausgebracht, in dem das steuerliche ausbluten des mittelstandes eindrucksvoll geschildert wird.
auch naomi klein im riemann-verlag mit "schock-strategie" hat die menschenverachtende vorgehensweise des finanz-kapitals und der industrie geschildert.
der alte fischhändler: "es kommt sowieso bald ein großer meteor, und dann ist alles aus." ich: "vielleicht sollten wir bis dahin trotzdem was unternehmen."
aber was? frage ich mich. die beiden genannten smarten autorInnen haben fast nichts erreichen können. ihre wichtigen informationen gehen sang- und klanglos unter im allgemeinen medien-rummel.
ich selbst war dem mainstream-denken meist rund 35 jahre voraus, ob es sich ums ozonloch handelt, die diskriminierung der hausarbeit und vieles mehr. immer wenn sich andere einklinkten, konnte ich mich anderem zuwenden. aber nun?
die werbung sagt uns, alles sei premium und spitze und vom feinsten, aber drin in den einheitsverpackungen sind nur ratten-fisch und gummikäse; scheuermittel, die nicht mehr scheuern; holz, das einen hauch auf dem 99,99%-kunststoff-untergrund darstellt, meist sogar nur täuschend echt imitiert ist. ebenso bei metall, zum beispiel bei wasserhähnen. aber immer bessere vermarktung dieser fakes, mit appellen an umweltschutz gespickt.
das einzige, was wirklich spitze ist, ist die werbung selbst. die reale lebensqualität hingegen sinkt und sinkt. wir werden mit illusionen abgespeist.
das finanzkapital reißt derweil die welt-herrschaft an sich.
selbst solche brillanten kritiker wie die oben genannten räumen ein, dass sie im grunde immer nur die falschen treffen. ip