Dienstag, 11. August 2009

die tägliche hölle

eben kommt der hermes-bote, der in der nachbarschaft wohnt.
ich bin nicht freundlich, weil ich mir diese energie für den macho sparen kann, obwohl ich grund zur freude habe, da meine Basil-Taschen fürs Fahrrad ankommen.
er meckert: der herr von der city-zeitung mit dem hund wollte soeben das paket nicht annehmen und meint den nachbarn, der meinen hund gerade ausführt wie jeden morgen.
ich schreie den boten an: ich bin die city-zeitung.
er fragt beleidigt, warum ich so schreie.
blöde frage, wer würde nicht schreien, wenn er nach 40 jahren arbeit als durchlauferhitzer für unsummen von geld immer noch nicht anerkannt, nicht einmal wahrgenommen wird.
ich brülle ihn jetzt undamenhaft an: weil ich Sie nicht abkann.
und muss nun um meine unversehrtheit und die meines hauses fürchten.
endlich entschließt er sich männlich, größe zu demonstrieren und zieht locker pfeifend vondannen.
heide simonis haben sie solange gegen die wand geklatscht, bis sie mus war. ich bin auch nicht mehr weit davon entfernt, denn dieser bote ist nur ein fall von tausenden täglicher diskriminierung, die mir widerfährt.
es ist nicht lustig, eine selbstständige frau zu sein, ganz und gar nicht. es ist die hölle.

Montag, 10. August 2009

damned adam

respekt vor der schöpfung?
heute morgen lief wieder ein bediensteter des grünflächenamtes mit ohrenbetäubendem lärm umher, der aus seiner handlichen umhänge-pustemaschine dröhnte, um etwas staub vorm ujz glocksee mit viel treibstoff wegzublasen. billiger als fegen, würde das gartenamt auf eine kritische anfrage wohl antworten.
tja, als gott starb, rief er noch: Adam, mach kein' scheiß. aber adam war schon unterwegs zur dönerbude und hörte nur noch: adam, machs schön scharf (zitat hagen rether).
dann hörte ich noch das gespräch zweier männer, die durch meine straße gingen, festplatten könnten jetzt per internet zugeschaltet werden, das spare erheblich arbeitskräfte...
nächstenliebe?

Sonntag, 9. August 2009

separate entity

ich sags ohne umschweife: die lampen an der wasserkunst am niedersächsischen landtag müssen dringend von spinnweben befreit werden. überhaupt müsste die gesamte anlage mal gereinigt werden. dies richtung stadtverwaltung.
zwar hat mein blog so gut wie nie kommentare, aber irgendwie sind die sachen, die ich kritisch beschreibe, meist innerhalb kurzer zeit behoben. zerbrochene scheiben werden mit holz verschalt usw. aus dem lautsprecher der ihme-schifffahrt schallt es zu mir herüber: "die leine kennt ja jeder, aber die ihme, das ist der vergessene fluss." was ich ja erst kürzlich postulierte.
und noch ein tipp zum maschseefest: von hinten vorsichtig annähern macht freude. zum beispiel richtung maschseequelle, wo es sich dann wie verrückt mithotten lässt: surfing in the usa... und weiter ans nordufer anschleichen, über die witzigen akrobatik-nummern bis zum musikpavillon, in dessen schatten die gruppe yen (www.myspace.com/yenrockt) von ihrem sofa aus mit ihrer atemberaubenden sängerin das leben lebenswert macht, besonders mit ihrem lied "separate entity". schnell morgen, montag, nochmal hin: einlass ab 17 uhr!!!!!
danach aber spätestens sollten Sie die kurve kratzen und die überteuerten sex-on-the-beach-drinks meiden, damit es wirklich ein schöner tag bleibt.

Samstag, 8. August 2009

erstickt

gestern gab es diese heiße nacht und eine gruppe nachbarn feierte fröhlich und lautstark bei gutem essen.
unter dem einfluss von alkohol begannen sie zu singen, männer und frauen, in einer fremden sprache, vielleicht serbisch.
eine frauenstimme hob sich daraus hervor und schließlich sang sie allein, sehr schön und gekonnt, mit professioneller stimme, ein lied mit vielen unterschiedlichen strophen nach dem anderen. und zuerst gab es noch beifall.
dann aber begannen die männer immer zaghafter mit ihren gesängen, sie konnten mit dieser wunderbar in vierteltönen modulierenden kräftigen frauenstimme nicht mithalten und verstummten schnell wieder.
ich hatte angst um die frau. denn in welcher gesellschaft kann eine frau schon hemmungslos ihr talent zur schau tragen?
und so kam es auch. irgendwann schleuderte ihr ein neidischer mann die worte "halt dein pickeliges maul" entgegen und die runde löste sich erstickt auf, kein laut fiel mehr.

Freitag, 7. August 2009

no future als normalzustand

wir sind gerade dabei, mehrere generationen kinder zu verlieren, ins nichts zu schicken.
das wurde mir heute hautnah klar, als ich mit einer studienabsolventin sprach, die in drei geisteswissenschaftlichen fächern erfolgreich abgeschlossen und nun bereits eine odyssee der jobsuche hinter sich hat. frauen, gut ausgebildet, denkt man, das war es doch, was so wichtig war und geschehen musste. aber pustekuchen, sie rennen genauso gegen die wand wie der jugendliche hartz IV-empfänger, der sich an seiner bierflasche festhält.
die lage ist gar nicht mehr vermittelbar, würde ein kabarettist es ironisch ausdrücken: no future ist der normalzustand.
das zahlgeld und kreditgeld hat sich schon lange, und von fachleuten ungebremst, vom sichtgeld abgekoppelt, das gesamte finanzsystem ist ein einziges spielcasino. die realwirtschaft ist automatisiert.
eine kuh, die früher beim bauern fast zur familie gehörte, ist zur reinen produktionsmasse geworden, und so wie ihr ergeht es in der industriegesellschaft allen anderen tieren und pflanzen auch.
nun schließlich kommt der mensch an die reihe, finanziell ausschlachtbar vor allem die frau. schon preisen private zellbanken ihr nabelschnurblut an.
wann endlich werfen die jobsuchenden den kram hin und verbünden sich mit migranten, subproletarierinnen, straßenkindern, facharbeitern, studentinnen, leiharbeitern, künstlern, hartzIV-empfängerinnen, intellektuellen, um den kapitalismus abzuschaffen, wie jutta ditfurth es in ihrem buch "zeit der zorns" (droemer) ersehnt: "törichte milieubeschränkungen sollten überwunden werden. denn menschen sind uns mehr wert als dinge".

Montag, 3. August 2009

ausdruck durch aufdruck...

kleidung ist ausdruck. und besonders mit aufdruck.
in der s-bahn gestern ein junger mann mit t-shirtaufdruck "kaltes bier und heiße weiber sind die besten zeitvertreiber".
mein müllmann trägt "tausche frau gegen schnaps".
der berühmte philosophie-professor philip kitcher aus new york bevorzugt eine krawatte mit dem stadtplanauszug von manhattan drauf.
ich habe zwei favorisierte shirts, mit denen ich mich gelegentlich gern auf pressekonferenzen von kollegen der bürgerlichen presse abgrenze. bisher erging es mir damit noch nicht so wie dem kameramann in kroatien mit seinem shirt-aufdruck "Ich brauche keinen Sex, die Regierung besorgt's mir jeden Tag.", dessen produktionsfirma deshalb komplett gekündigt wurde. er versteigerte daraufhin das shirt im internet. oder dem ehemaligen mtv-moderator, der zum atomwaffenversuch frankreichs seinerzeit ein shirt mit der aufschrift "hiroshima" trug, was ihm sein chef schnell untersagte.
eines dieser shirts schenkte mir panne von der punk-partei. es steht in fraktur "arbeit ist scheiße" drauf und ist leider derzeit fast untragbar, weil ich damit regelmäßig tumulte verursache und beschimpft werde.
das andere ist bedruckt mit "betreutes trinken" vorn, hintendrauf ein aufgehängter toter hahn. die leute zucken zusammen, wenn sie mich damit sehen. offenbar haben sie eine sucht zu verbergen. es ist ein geschenk aus der sonder bar in heidelberg, wo die grüne fee und alraune-schnaps ausgeschenkt wird, bis man zum hausberg hochzufliegen meint. ein warnschild vor der tür "caution! drunken people crossing", warnt grammatisch nicht ganz richtig, aber mit einem kriech-piktogramm recht eindrucksvoll dekoriert, vor den folgen.
als die mode der zerlöcherten jeans begann, dachte ich, das müsse doch auch bei shirts möglich sein und zerriss meins dekorativ. als ich aber damit fenster putzte, fiel ein nachbar im gegenüberliegenden haus fast aus dem fenster. und auf der straße rannte eine bekannte entsetzt auf mich zu: "was ist dir passiert?". da stellte ich die ausführung dieser idee wieder
ein, sehe aber inzwischen, dass viele pop-stars so zerrissen auf die bühne kommen. aber das tägliche leben ist eben keine bühne. wenn auch für eine künstlerin manchmal so langweilig, dass eine provokation die nötige würze bringt.
ich könnte mir mal eins bedrucken lassen, jetzt zur wahl, mit "basisdemokratie".

Sonntag, 2. August 2009

meine gegend




fotos aus meiner gegend:



























nur den riesenschlitten, der vorgestern vorm bordell braunstraße hielt, traute ich mich nicht zu fotografieren. sein kennzeichen: Mi-HY-666, ist das nicht widerlich?