Donnerstag, 16. Juli 2026

Auch bei den Störchen werden die Flugzeiten kürzer...

Mehr als 200 Weißstorchpaare in der Region - 357 Jungstörche werden flügge

Region Hannover, 16.17.2026. Der Weißstorchbestand in der Region Hannover wächst weiter: In seiner vorläufigen Saisonbilanz für 2026 hat Dr. Reinhard Löhmer, ehrenamtlicher Beauftragter für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover, 204 besetzte Nester erfasst. Das sind 17 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2025. Von den 204 Paaren haben 147 erfolgreich gebrütet und voraussichtlich rund 357 Jungstörche aufgezogen.

Seit 1934 wird der Weißstorchbestand in der Region erfasst. Damals wurden 55 Paare gezählt. Den historischen Tiefststand erreichte der Bestand 1988 mit nur neun Paaren.

Wie hat sich der Weißstorchbestand 2026 entwickelt?

Der Weißstorchbestand ist gegenüber dem Vorjahr von 187 auf 204 Paare und damit um gut neun Prozent gewachsen. Dr. Reinhard Löhmer registrierte insgesamt 20 neue Nestgründungen. Dabei besiedeln die Tiere zunehmend auch Gebiete, in denen historisch keine Weißstörche vorkamen. Ein Beispiel ist das Stadtgebiet von Springe mit inzwischen sechs Nestern.

Zum Bestandswachstum hat nach Einschätzung des Experten insbesondere der starke Jahrgang 2024 beigetragen. Viele dieser nun zweijährigen Tiere haben sich erstmals an der Brut beteiligt oder bereits eigene Nester gegründet.

Wo liegen die Storchenhochburgen in der Region?

Mit Abstand die meisten Weißstorchpaare leben weiterhin in Wunstorf. Dort wurden in diesem Jahr 60 besetzte Nester gezählt – sieben mehr als 2025. Es folgen Neustadt a. Rbge. mit 37 Paaren und Garbsen mit 17 Paaren.

Der starke Bestand in Wunstorf konzentriert sich vor allem auf die Aueniederung im Raum Bokeloh, Mesmerode und Idensen. „Die weitere Zunahme ist nach wie vor erstaunlich, weil sich der Lebensraum in diesem Gebiet seit Langem nicht erkennbar verändert hat“, sagt Dr. Reinhard Löhmer.

Wie erfolgreich verlief die Brut?

Von den insgesamt 204 Paaren haben 147 erfolgreich gebrütet. 57 Paare beziehungsweise 27,9 Prozent blieben ohne Bruterfolg. Am Ende der Saison werden voraussichtlich rund 357 Jungstörche ausgeflogen sein. Das entspricht durchschnittlich 1,75 Jungtieren je Paar und liegt damit ungefähr auf dem langjährigen Mittel von 1,8.

Die meisten erfolgreichen Paare haben zwei oder drei Jungstörche aufgezogen. In zehn Nestern werden jeweils vier Junge flügge. Den Spitzenwert erreicht ein Brutpaar in Steinwedel mit fünf Jungstörchen.

Trotz eines insgesamt guten Nahrungsangebots fiel das Brutergebnis nicht höher aus. Dr. Reinhard Löhmer erklärt: „Durch die nasse und kühle Witterung zur Zeit der Eisheiligen und der Schafskälte gab es relativ hohe Verluste bei den Jungen. Betroffen waren sowohl frühe als auch späte Bruten. Gleichzeitig berichteten Landwirte von zahlreichen Mäusen im Grünland. Mäusejahre sind für Störche eigentlich Jahre mit hoher Reproduktion – wenn das Wetter mitspielt.“

Warum wächst der Bestand weiter?

Eine wesentliche Ursache liegt nach Einschätzung des Experten im veränderten Zugverhalten. Mehr als 70 Prozent der Brutvögel in der Region gehören inzwischen zu den sogenannten Westziehern. Viele von ihnen überwintern nicht mehr in Westafrika, sondern im spanischen Raum oder bereits in Mitteleuropa. Dadurch sind die Zugwege kürzer geworden und die Tiere müssen häufig nicht mehr die Sahara überqueren.

„Die Vogelgrippe im Großraum Madrid hat entgegen den Befürchtungen nicht zu gravierenden Einbußen im Brutbestand geführt“, sagt Dr. Reinhard Löhmer. „Der starke Jahrgang 2024 hat mögliche Verluste offenbar kompensiert und zugleich zum erneuten Anstieg der Zahl der Brutpaare beigetragen.“

Wie verlässlich ist die Bilanz und wie geht es weiter?

Die Zahlen sind noch vorläufig. Die ersten Jungstörche sind bereits flügge. Mit wenigen Ausnahmen werden bis Anfang August alle Jungtiere ihre Nester verlassen haben. Eine vollständige Erfassung wird zunehmend schwieriger, weil Weißstörche neue Gebiete besiedeln und immer häufiger in Bäumen brüten. Inzwischen befinden sich mehr als 33 Prozent der Nester in oder auf Bäumen. Durch die Belaubung ist der Bruterfolg dort gegen Ende der Saison häufig kaum noch zu erkennen. Hinweise aus der Bevölkerung auf bislang nicht erfasste Nester können deshalb bei der Bestandserhebung helfen.

Auch für das kommende Jahr erwartet Dr. Reinhard Löhmer grundsätzlich eine weitere Zunahme: „Durch den ebenfalls starken Jahrgang 2025 ist im kommenden Frühjahr mit weiteren Brutpaaren zu rechnen – vorausgesetzt, Seuchen oder Katastrophen bremsen die Entwicklung nicht aus.“

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