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Donnerstag, 27. Juli 2017

Ich bin hier, weil ich hier hin gehöre: Ist die Zeit des differenzierten Engagements nur noch Historie?





Wache morgens  auf und habe einen fast fertigen text im kopf. Das ist so, wenn frau ein leben lang geschrieben hat.
Dieses Mal über mein hannoversches bio-idol manfred dust, der sein Doppelkorn verkauft hat (und es ist bereits nochmal weiterverkauft).
Das traf mich wie ein hammerschlag.
Der fleißige manfred brachte seine köstlichen Backwaren selbst ins café im regenwaldhaus und zu den vielen anderen stellen, von der list bis nach limmer, linden-nord und in die calenberger neustadt. Ich freute mich schon darauf, dass im umgebauten gartenlokal dornröschen endlich auch mehr doppelkorn-qualität geboten werden würde.
Und nun?
Das doppelkorn-café auf der limmerstraße war kult.
Dust hatte seine von der sparkasse finanzierten neuen backmaschinen auslasten wollen. Ist er in die männlichkeits-erfolgsfalle gelaufen wie kinokoenig Flebbe, nachdem er das apollo-kino zum kult werden ließ, und seine unternehmen wuchsen und wuchsen? (Mein mitvolontär jan ter horst bei der hannoverschen presse seinerzeit machte sich über das kleine apollo-kino seiner Eltern lustig: „Wollt ihr mal ins kino gehen? Meine eltern haben n kino…“ intellektualisierte er. WirtschaftsStudent Flebbe hingegen ergriff die chance, die sich der sohn entgehen ließ.)
Traf in den 70ern den spargellangen und –dünnen dust im raschplatz-basement in seinem ersten bio-laden an. Und bekam von ihm ein inserat für meine ihme-city-zeitung. Heute lohnt sich engagement nicht mehr, denn hast du erfolg, macht amazon es sofort nach und knockt dich aus.
Klar- wir sind alt geworden, auch ich war damals spargeldünn, als wir uns gegenüber standen, quasi eine Metapher für Hunger nach Weltverbesserung.
Aber der inhaber vom café K am Pariser Platz hat sein engagement trotz millionengewinn in einer fernseh-show bis jetzt noch nicht aufgegeben, so weit ich weiß…Ingeburg Peters

Und dann sah ich gestern auch noch einen weiteren innovativen Gründer, Günther Bonecke (Museumsstuebchen, teestuebchen,Marie Jo u.a.) mit einem Jack Russell an der Leine durch die Altstadt tappern. Ist die Zeit des Mittelstands, des differenzierten Engagements, nur noch Historie? Und werden Initiativen,die sich alte Männer zu ihrer Unterhaltung am Lebensabend ausdenken,  wie z.b. business für kids,dagegen etwas bewirken können?
Wohl kaum,die Banken treten für kleinere Unternehmen ja nicht mal mehr zum wareneinkauf in Vorlage, wie mir ein Schreibwarenhaendler mit erlesenem geschmack und sinn für schöne Produkte auf der Hildesheimer Straße anvertraute.ip


Montag, 22. September 2008

das gute alte unternehmerschwein

die 68er hatten das wort ständig im munde, aber heute kann frau nur noch sagen: ja, wo laufen sie denn, die unternehmerschweine? als da beispielsweise waren herr burda, der für jeden seiner mitarbeiter ein häuschen bauen wollte, ganz zu schweigen vom alten egestorff in linden, der für seine ihm wertvollen arbeiterinnen gut ausgestattete, dem betrieb angeschlossene kinderkrippen einrichten ließ (vielleicht zeige ich das morgen mal im foto).
seit ich mal einige jahre die werkszeitung der hanomag gemacht habe, weiß ich, dass es schlimmeres gibt als das klischee des dicken unternehmers mit zigarre, nämlich den gesichtslosen finanzmanager, den unbekannten und auswechselbaren.
gemeinsam mit dem damaligen, inzwischen an kehlkopfkrebs gestorbenen, kommunikationschef hanns-peter willmer stand Hanomag-geschäftsführer seidel mehr oder minder täglich am fenster zum fabrikhof, als massey ferguson aus kanada bereits die hanomag übernommen hatte.
je nachdem, wie der wechselkurs des dollars gerade stand, war er von radladern leergefegt oder überfüllt. und auch das management schwebte stets von tag zu tag zwischen euphorie und nackter angst.
dann saß ich eines tages dem aalglatten herrn esch gegenüber, der das unternehmen für in etwa eine mark gekauft hatte, um dem arbeitsamt vorerst die horrenden kosten des arbeitslosengelds zu ersparen. er hatte ein bild von seinem firmensitz in amerika in der hand und ich konnte sofort sehen, dass das firmenschild an dem wolkenkratzer nur per reprotechnik eingeblendet worden, dort also nicht wirklich angebracht war.
da wusste ich, dass eine andere ära begonnen hatte, die ära der anonymen konsortien und beteilungen, das zeitalter ganz ohne unternehmerschwein.

Samstag, 13. September 2008

ich könnte kotzen

neulich hockte im eingang des hannoverschen hauptbahnhofs ein soldat auf seinem gepäck. er war auffällig braungebrannt und sah gesund und gut aus.
Ich wollte ihn ansprechen, ob er aus Afghanistan kommt, und ob die äußere erscheinung mit seiner inneren kongruent ist, ging aber erstmal in die bahnhofsbuchhandlung, und als ich zurückkehrte, war er leider verschwunden.

3000 amerikanische arme soldaten sind bereits bis jetzt in den ölkriegen ihrer regierung getötet worden. und immer müssen die armen aus not ihre kinder in den krieg schicken (ein junger schwarzer: "muss ich wirklich töten, um aufs college gehen zu können?") und immer dürfen die doofen ehe- und sonstigen -frauen als emotionslieferantinnen herhalten. so wie sie jetzt palin verheizen, die einen sohn opfert, weil es die propagandaabteilung so will.
es scheint, als hätten die reichen der welt einen wiederauferstandenen karl marx als persönlichen pr-berater: macht euch die ganze welt untertan, versklavt alle, capital, capital, zins und zinseszins und mehrwert. ich konnte mir bisher nicht vorstellen, dass ein amerikanischer präsident aus dem milieu der have-mores scherzfragen nach dem „verbleib der weapons of mass destruction unterm rednerpult“ stellen könnte. aber ähnlich wie der ungeschlachte michael moore aus flint spielen kritiker immer nur den vampyren in die hände wie ein kostenloser pr-berater, der mit seiner kritik nur die bessere dramaturgie des nächsten auftritts vorbereitet.


Militär-Werbe-Plakattext der Post: "Wenn mir meine Frau schreibt, dann ist die Heimat ganz nah. Selbst, wenn ich 5.000 Kilometer weg von Deutschland bin." Unterschrift des Plakats: "Deutsche Post. Die Post für Deutschland."

ich könnte kotzen.