Posts mit dem Label doppelkorn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label doppelkorn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 7. August 2023

Sie sind hier in einem Pfandleihhaus!!!

Stadtbummel des Montags, mit Zeit zum Quatschen
Eine Reportage von Ingeburg Peters, 
Genie, Dichter und Denkerin, Performer
All rights reserved

Hannover. Vor dem Diakonischen Werk in der Altstadt lädt eine hagere Frau ihren Koffer vom Fahrrad. Frage frech:"Was ist da drin?" "Kleidung". Sie hat zwei Nachlässe zu bewältigen. 
Ich:"Habe schöne Sachen in den Kleider-Container geworfen, aber die kommen da nur in den Reißwolf, oder werden rausgeklaubt." "Stimmt," antwortet sie," ich bringe meine entweder hierher oder mit Männersachen in die Berliner Allee (oder war es Hamburger Allee?) für Obdachlose." Ich:" Das Fairkaufhaus ist auch sehr arrogant geworden. Mann bürstete mich unwirsch ab mit 'Lexika nehmen wir nicht'. Kapitalismus von unten. "
Umrunde die Kreuzkirche auf der Suche nach der Annenkapelle. Dort wird ein Raum renoviert, aber der Handwerker weiß auch nicht, wo der Eingang ist. Bin auf der Spur von Anna, der gescheiterten Frau mit mehreren Männern, Mutter von Maria; ich wurde selbst indes von einer wilden Gattin als Provinzpflanze mit nur einem Liebhaber bezeichnet (noch nichteinmal einem, gute Frau...). 
Weiter zum City-Leihhaus. Grüße freundlich mit Günaydin, Dobridjen, Kalimera und Guten Tag. Er akzeptiert nur die letzten beiden Höflichkeitsformeln. Zeige die Digitalkamera vor, welche einst 3000 Euro kostete. Er: "Die ist verschmutzt. Eine Säuberung würde dasselbe kosten." Und schließlich reißt ihm der Geduldsfaden :"Sie sind hier in einem Pfandleihhaus!!!" 
So then zum Kosmetikbazar, ebenfalls in der Knochenhauer Straße, zum plaudern. Die Inhaberin erzählt, dass Spinnrad nach über 200 Filialen pleite war und Logona, der bei mir in der Goethestraße mit Alraune anfing, mit sämtlichen Marken von L'Oréal übernommen ist. Ich sarkastisch :"Hat wohl nix genützt, dass er die Tochter seiner Frau geheiratet hat, die in ihren Bauwagen zurückgezogen ist, und er das Rauchen aufgab, da draußen an der verlausten Ringelblumenwiese. Doppelkorn ist auch hinüber, wollte seine auf Kredit gekauften Backmaschinen auslasten, bis das Ende nahte. Jetzt sortiert er im Laden seiner Frau in der Ministerstüvestraße die Regale ein. "
Sie:" Lieber Qualität und klein bleiben, kostenlos gute Tipps geben! "
Dann zu Rewe im Souterrain von C&A, wo die Kundschaft, wie auch bei Rossmann, selbst ihre Waren einscannt. Nur an Kasse 4 stehen die Barzahler:innen Schlange... Wieder ein Vermögen für Obst und Gemüse bezahlt... 
Darauf deshalb eine Thüringer Bratwurst (ist auch nicht mehr das, was sie mal war) mit Senf im Brötchen für 2,30 beim legendären Bratwurstglöckle gegenüber, sozusagen als Abschiedsessen vorm wiedermal beabsichtigten Fasten. Ein alter Radsportler nimmt dasselbe, Migrant füttert mit seinen Krümeln die Tauben. 
Mein Blick fällt auf ein Plakat der Gedenkstätte Ahlem an der Litfaßsäule, deren vernachlässigte Stätte ich aufdeckte, die heute im Geld schwimmt. 
Treffe schließlich am Goetheplatz eine Nachbarin, deren Kind Neurodermitis hat, und gebe ihr zum Ausprobieren meine gerade im Kosmetikbazar aus dem frisch angemixten Kanister abgefüllte Lotion zum Ausprobieren mit. 
Ein schöner Montag bei 18 Grad geht zuende. 


Donnerstag, 27. Juli 2017

Ich bin hier, weil ich hier hin gehöre: Ist die Zeit des differenzierten Engagements nur noch Historie?





Wache morgens  auf und habe einen fast fertigen text im kopf. Das ist so, wenn frau ein leben lang geschrieben hat.
Dieses Mal über mein hannoversches bio-idol manfred dust, der sein Doppelkorn verkauft hat (und es ist bereits nochmal weiterverkauft).
Das traf mich wie ein hammerschlag.
Der fleißige manfred brachte seine köstlichen Backwaren selbst ins café im regenwaldhaus und zu den vielen anderen stellen, von der list bis nach limmer, linden-nord und in die calenberger neustadt. Ich freute mich schon darauf, dass im umgebauten gartenlokal dornröschen endlich auch mehr doppelkorn-qualität geboten werden würde.
Und nun?
Das doppelkorn-café auf der limmerstraße war kult.
Dust hatte seine von der sparkasse finanzierten neuen backmaschinen auslasten wollen. Ist er in die männlichkeits-erfolgsfalle gelaufen wie kinokoenig Flebbe, nachdem er das apollo-kino zum kult werden ließ, und seine unternehmen wuchsen und wuchsen? (Mein mitvolontär jan ter horst bei der hannoverschen presse seinerzeit machte sich über das kleine apollo-kino seiner Eltern lustig: „Wollt ihr mal ins kino gehen? Meine eltern haben n kino…“ intellektualisierte er. WirtschaftsStudent Flebbe hingegen ergriff die chance, die sich der sohn entgehen ließ.)
Traf in den 70ern den spargellangen und –dünnen dust im raschplatz-basement in seinem ersten bio-laden an. Und bekam von ihm ein inserat für meine ihme-city-zeitung. Heute lohnt sich engagement nicht mehr, denn hast du erfolg, macht amazon es sofort nach und knockt dich aus.
Klar- wir sind alt geworden, auch ich war damals spargeldünn, als wir uns gegenüber standen, quasi eine Metapher für Hunger nach Weltverbesserung.
Aber der inhaber vom café K am Pariser Platz hat sein engagement trotz millionengewinn in einer fernseh-show bis jetzt noch nicht aufgegeben, so weit ich weiß…Ingeburg Peters

Und dann sah ich gestern auch noch einen weiteren innovativen Gründer, Günther Bonecke (Museumsstuebchen, teestuebchen,Marie Jo u.a.) mit einem Jack Russell an der Leine durch die Altstadt tappern. Ist die Zeit des Mittelstands, des differenzierten Engagements, nur noch Historie? Und werden Initiativen,die sich alte Männer zu ihrer Unterhaltung am Lebensabend ausdenken,  wie z.b. business für kids,dagegen etwas bewirken können?
Wohl kaum,die Banken treten für kleinere Unternehmen ja nicht mal mehr zum wareneinkauf in Vorlage, wie mir ein Schreibwarenhaendler mit erlesenem geschmack und sinn für schöne Produkte auf der Hildesheimer Straße anvertraute.ip