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Mittwoch, 15. Dezember 2021

Die Frau, die Metropolis schrieb

Die Drehbuchautorin, Schriftstellerin, Theater-Schauspielerin und Regisseurin Thea von Harbou (1888-1954) hat einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des deutschen Films ausgeübt; ihre Drehbücher waren von Anfang an mit den – aus heutiger Sicht – bekanntesten Regisseuren der Zeit wie z.B. Joe May, F.W. Murnau, Fritz Lang, Veit Harlan und Rolf Hansen verknüpft.

Wahrgenommen wird sie aber heute – wenn überhaupt – vornehmlich nur noch als die ideologisch und künstlerisch fragwürdige Ehefrau von Fritz Lang, wird zumindest im Zusammenhang mit den gemeinsamen Filmen wie z.B. METROPOLIS (1927), SPIONE (1928), FRAU IM MOND (1929) und M – MÖRDER UNTER UNS (1931) als Drehbuchautorin mit erwähnt.

Das Buch beinhaltet u.a. zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen, die Thea von Harbou persönlich, sowohl privat als auch beruflich, erlebt haben.

Außerdem findet der Leser, neben einem ausführlichen Essay zu Leben, Werk und Bedeutung von Thea von Harbou, Beiträge, die – teilweise – neue Sichtweisen auf ihre Biografie werfen: von ihrer Cousine Anne-Marie Durand-Wever, ihrer Sekretärin Hilde Guttmann, dem Regisseur Arthur Maria Rabenalt, dem Indien-Kenner Lothar Günther über ihre Beziehungen zu Indien und von dem Herausgeber des Buches über ihre unbekannte Lebens- und Arbeitssituation in den Jahren 1945-1949.

 Direktbestellungen bitte an den Verlag: verlag@medianet-edition.de oder über die Rückantwort!

Die Auslieferung des Buches erfolgt ab dem 12. Januar 2022!

Thea von Harbou. Die Frau, die METROPOLIS schrieb. Texte & Interviews. 143 Seiten, 3 Abb., Kassel: MEDIA Net-Edition 2021. ISBN: 978-3-939988-25-0

Montag, 15. Februar 2010

die gier nach geld und die negation der frau

ein freund hat mir metropolis auf dvd aufgenommen (danke, lieber michael).
ich konnte nun die einzelnen szenen nochmal in ruhe betrachten und da fällt auf, über was thea von harbou hier eigentlich geschrieben hat:
die heldin heißt maria, das erinnert an die vergewaltigte, nunmehr auf bonsai-format (ausdruck von wisselinck/daly) geschrumpfte göttin, die die katholische kirche und ihre transvestiten in rom notgedrungen im dom zur domestizierung ihrer sonst den dienst verweigernden gläubigen als anbetungsobjekt belassen musste.
sie redet zu den arbeitern in den katakomben, tief unter babylon (manhattan) verborgen, das heißt, sie redet aufgrund des uralten wissensschatzes der vorpatriarchalen weisen frauen, der heilenden hexen.
es geht in dem film auch um ausbeutung der bodenschätze, der gesamten natur, um gynozid und genozid.
das finden die kritiker von harbous nun enorm kitschig, schwülstig.
was sagen die denn dann zu wagners "ring der nibelungen" in stabreimen?
vermutlich großartig, weltbewegend, nicht wahr?
sogar der jude claude lévi-strauss liebte wagners als antisemitisch kritisierten ring (selbst der jude karl marx war ja in teilen "antisemit"?) über die gier nach geld, wodurch die welt untergeht und laut wagner höchstpersönlich, ich zitiere "nur noch durch die träne einer frau gerettet" werden könnte.
mann, schwülstig, wie?
auch der pariser soziologe lévi-strauss verstand es ebenso gut wie fritz lang bei metropolis, die weibliche inspiration seiner berühmten tropen-reisen zu vertuschen.
wikipedia schreibt:
"Seine erste Frau Dina, eine ausgebildete Ethnologin, hielt zur selben Zeit die ersten Ethnologie-Vorlesungen Brasiliens. Zwischen 1935 bis 1939 unternahmen Dina und Claude mehrere ethnographische Forschungsreisen in den Mato Grosso und ins Amazonasgebiet.
Die ertauschten Sammlungsgegenstände wurden zwischen Brasilien und Frankreich geteilt.
Die erste Ausstellung im Pariser Musée de l'Homme stand unter dem Titel „Expédition Dina et Claude Lévi-Strauss“.
Später geriet der Beitrag Dinas fast vollständig in Vergessenheit, wozu Claude, der sich in der Folge zweimal neu verheiratete, aktiv beitrug: In seinem Reisebericht „Tristes Tropiques“ erwähnte er seine Ehefrau, Kollegin und Reisegefährtin nur an einer einzigen Stelle."
erinnert Sie das an was?
wie diese vorgänge der abdrängung der autorenschaft von frauen zu laufen pflegen, kann man großartig in den werken von klaus theweleit nachlesen. der wiederum kommt ende des monats nach hannover: nichts wie hin!


Veranstaltung der Gedenkstätte Ahlem

Vortrag und Diskussion: Klaus Theweleit über „Der Körperpanzer des faschistischen Mannes“.

Hannover – Auf Einladung der Gedenkstätte Ahlem der Region Hannover referiert und diskutiert der Literaturschriftsteller, Kulturtheoretiker und Schriftsteller Klaus Theweleit

am Donnerstag, 25. Februar 2010, Beginn: 19.00 Uhr,

Regionshaus, Galerie, Eingang Hildesheimer Str. 18

über das Thema „Der Körperpanzer des faschistischen Mannes“.

Eintritt ist frei.

zum thema der phantastischen wiederauferstehung der jüdischen gedenkstätte in ahlem füge ich einen artikel vom dezember 2002 in meiner city-zeitung von mir an, der durch das aufmerksam-machen auf die dortigen miss-stände erst diese wiederbelebung einer zerstörten jüdischen bau-leiche der nekrophilen deutschen gesellschaft möglich machte.
siehe ab absatz 3 nach conti-techart über die wunstorfer landstraße 3, dort wurde erst daraufhin das mädchenhaus der gartenbauschule vor der restlosen zerstörung als asylbewerberheim gerettet und restauriert.
aber bekam ich dafür ein bundesverdienstkreuz?
nein, mir ging es genauso wie den oben genannten damen, die angeblich so "däm-lich" schreiben.

Samstag, 13. Februar 2010

sexismus

gestern metropolis, der hellsichtige film von thea von harbou über die behandlung von humankapital (erinnerte bedrückend an haiti und die herz-maschine sowie der klon-vorgang gemahnten an tesla-technik).
ach nein, stopp, ein film von dem genialen fritz lang?

wenn man den film über dan browns "sakrileg" (viele sagen, das sei ein kitschroman) bezeichnet hätte mit dem untertitel "ein film von ron howard", so hieß der regisseur, da hätte sich dan brown aber dagegen verwahrt, nicht wahr?

aber dan brown ist ja auch ein mann, einer, der qua geschlecht zum patriarchalen regime gehört.
der geniale feminist rainer werner fassbinder hat für seinen unglaublich ins mark der frauenunterdrückung treffenden film "martha" einfach ein buch als vorlage genommen, dessen autor er komplett verschwieg, was dazu führte, dass "martha" nach urheberrechtlichen streitigkeiten erst 30 jahre später gezeigt werden durfte.
die sache mit dem unterdrückten ursprungstext als vorlage für einen film und dessen artifizielle realisierung ist also nicht gerade unbekannt in der filmbranche.

alte leute und kinder, so heißt es, sollen manchmal die wahrheit reden...
dass der faschismus deutschland nach wie vor tief in den knochen sitzt, ist unbestreitbar und kommt immer wieder unter der decke hervor:
der sehr alte johannes heesters, einst ein deutscher volks-star, äußerte im fernsehen, hitler sei ein guter kerl gewesen und entschuldigte sich später dafür.
auch thea von harbou bedauerte zu spät ihre begeisterung für den nationalsozialismus, als sie die schrecklichen folgen sah.


merten lagatz von der berlinale ließ mich wissen, er habe keinen bedarf an nachrichten von mir. laut myspace hat er affinität zu dolly parton's left boob, barbie, party animals, alkohol, sadie lune usw.. und vermutlich angst vor alten hexen wie mir.

und noch etwas: cornelius meister hat mit seinem heidelberger orchester vor zwei jahren eine ungleich genialere musikalische begleitung von metropolis zustande gebracht als gestern die kraftlose vorsichtige musikalische begleitung eines "metropolis-kenners" der klassik-szene.

Freitag, 12. Februar 2010

tanz der moleküle

heute ist der große tag: die längste lang-fassung metropolis auf arte im fernsehen.
meine tochter wird es wohl am brandenburger tor erleben, sie hält sich gerade bei der berlinale auf.
vor zwei jahren schon hatte ich meine familie nach heidelberg zu der kurzfassung des films mit live-film-musik in der stadthalle durch den sohn cornelius der hannoverschen pianistin anne meister geschleift, der mit nach hinten ge-gel-tem haar eine dem film würdige statur abgab und brillant dirigierte (gratuliere, anne, das verweilen des kindes unter deinem flügel, statt in den kindergarten zu gehen, hat sich gelohnt).
ich habe in den letzten tagen e-mails an relevante meinungsbildner geschickt, und bin heute mit einem bericht auf telepolis gekrönt, der auch die rolle von thea von harbou bei dem film würdigt, und diese typisch faschistische alberne unterteilung des guten metropolis von fritz lang und des schlechten der möglichst ganz in den medien verschwiegenen autorin thea von harbou kritisiert.

Lost and found:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32047/1.html


mir reicht das zwar noch nicht, aber besser als nichts.

Einerseits schreibt Telepolis vom Harbou-typischen bombast des ersten Satzes ihres romans Metropolis "Jetzt schwoll das Brausen der großen Orgel zu einem Dröhnen an, das sich wie ein aufstehender Riese gegen die Wölbung des hohen Raumes stemmte, um sie zu zersprengen", argumentiert dann aber recht widersprüchlich am schluss des Artikels, ein film müsse mit einem erdbeben beginnen, metropolis käme dem schon sehr nahe.

und auf (ausgedruckter) seite 14 ist von dem 'dämlichen' sinnspruch die rede
"Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz" sein.
bitte, was soll an diesem spruch dämlich sein?

mein herz jedenfalls tanzt...uhuhu... und die ganze welt bewegt sich.

jutta ditfurth betitelte eins ihrer bücher "feuer in die herzen".
und sogar kinderschänder woody allen wird von einer hannoverschen Psychotherapiepraxis zitiert mit: "Das Schwierigste im Leben ist, Kopf und Herz dazu zu bringen,zusammenzuarbeiten."

egal ob wir frauen scheiße schreiben oder gold, werden wir ignoriert, weil wir als berührbare unterste kaste (formulierung von Mary Daly,im Januar dieses Jahres verstorben, schluchz, hier ein interview mit ihr: http://www.stickam.com/viewMedia.do?mId=182900840) gar nicht für schuldfähig gehalten werden.
wir müssen schon geschickt werbung treiben, um vielleicht mal eine notiz wert zu sein. nicht jedoch in der süddeutschen zeitung, ich mag die frankfurter allgemeine ohnehin lieber.

Mittwoch, 10. Februar 2010

flotter fremdgeher fritz lang?

letztes wochenende in der süddeutschen: riesen-bericht über den film metropolis.
auf einer ganzen großen seite kein wort darüber, dass thea von harbou das buch geschrieben hat und in einer avantgardistisch modernen art und weise als pionierin das drehbuch mit dem film koordinierte.
das macht frau doch ziemlich mutlos, und dr. reinhold keiner vom harbou-weblog schrieb mir "Hallo Frau Peters, ja, dies ist eigentlich alles sehr ärgerlich, aber wir tun natürlich was wir können, um … und: es macht auch mann ziemlich ratlos!".

von harbou war eine markante persönlichkeit, die immer nur als nazi-kollaborateurin und kitschautorin skizziert wird. diese skizze ist sehr grob.
ihr ehegatte, der hochgelobte fritz lang, ging fremd, irgendwann nahm sich auch von harbou, die übrigens auch schon für murnau geschrieben hat, ebenfalls einen liebhaber, einen inder.
es geht das gerücht,der flotte fritz konnte das schlecht wegstecken und nahm es möglicherweise auch als heimlichen grund, nach amerika auszuwandern, offiziell aber wegen der nazis.
dort wurden vor allem die frauenszenen rücksichtslos herausgestrichen, nun ist der film wieder vollständiger auf der berlinale zu sehen, als deren highlight.

von harbou blieb in nazi-deutschland, machte goebbels klar, dass ihr sehr dunkelhäutiger freund, der dies manchmal noch durch das tragen eines weißen pelzmantels unterstrich, "arisch" sei und nahm, wie so viele andere, von staatsanwälten bis firmenchefs, eine verwerfliche unterstützungs-haltung im nationalsozialismus ein, setzte sich aber gleichzeitig vehement für eine große gruppe inder in deutschland ein, wodurch sie in indien einen sehr guten ruf hatte.

all dies ist fakt, berechtigt aber nicht, sie derart als autorin des stoffes zu negieren.

es macht sich bei mir der verdacht breit, gerade bei der berlinale will niemand die nazi-diskussion lostreten, wiedermal auf dem rücken einer hochbegabten frau abgeladen, die als weiblicher sündenbock vom dienst schlechthin nun einfach komplett ausgeblendet, ignoriert wird.

was ist mit der faktentreue, meine herren? was ist mit einer diskussion?

http://thea-von-harbou.blogspot.com/

Mittwoch, 13. Mai 2009

die merkel-parallele

bundeskanzlerin merkel, die jetzt zur wahl im internet den bürgern für fragen zur verfügung steht, erinnert mich schon lange in ihrem handeln an die figur der maria im drehbuch thea von harbous zum berühmten film metropolis.
da gibt es die echte sozial engagierte maria und dann, damals ganz der zeit voraus, eine geklonte, die genauso lieb aussieht wie diese, aber eiskalt vorgeht.
merkel pumpt ganz im sinne des neoliberalismus unmengen von geld in die banken, legt aber keine kraftvollen konjunkturprogramme auf, die wirklich helfen könnten...aber das mutti-schema wirkt unterschwellig im volk weiter und lähmt den nötigen widerstand.

Dienstag, 29. Juli 2008

thea von harbou

also, es wird ja derzeit viel geschrieben über die langfassung von metropolis. völlig hintenrunter fällt dabei thea von harbou als autorin der story. fritz lang ist der alleinige star.
in wikipedia habe ich schon vor längerer zeit versucht, das image einer kitschautorin dieser sehr bemerkenswerten künstlerin zu korrigieren, aber nichts zu machen, jemand redigierte es mir wieder raus.
deshalb hier mal für interessierte eine webadresse: www.thea-von-harbou.de/