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Mittwoch, 24. September 2008

im schritt imposant...

mittels martin neuffers hannoverschem straßenkunstprogramm wird ja jetzt (in wirklichkeit aber wegen des bevorstehenden verstärkten afghanistan-einsatzes) argumentiert, das "denk mal an den unbekannten deserteur" vorm dortigen rathaus müsse verschwinden, weil es keine kunst sei.... (wenn die politiker nun schon bestimmen, was kunst ist, dann haben wir es ja nicht mehr weit).
es befindet sich aber seltsamerweise dort schon seit fast 20 jahren, und immer mal wieder werden kränze niedergelegt. warum?
weil der mythos vom männlichen mut und genie hier zu fall gebracht wird.
Denkmäler für gefallene soldaten, zum beispiel im hannoverschen georgengarten, werden pauschal aufgestellt, martialische zeichen aus stein. die zurückgebliebenen frauen und kinder packt ein unbehagen über dieses pathos. erst recht, wenn beispielsweise vor dem hannoverschen archivgebäude general von alten als held der schlacht von waterloo ein aufwändiges denkmal, von bildhauer heinrich kümmel (1810-1855) imposant insbesondere im schritt ausgearbeitet, erhielt, die kleinen sogenannten "gefallenen" aber pauschal unter bataillon xy subsummiert werden. ähnlich wie es in goslar jetzt ein denkmal für die frau gibt, eine maillol-ähnliche amorphe gesichtslose masse...

Dienstag, 2. September 2008

denk mal an den unbekannten deserteur


arne witt, oliver voß (ist es der, der jetzt kreativ-vorstand bei jung von matt ist?) und robert wessel stellten diese skulptur "denk mal an den unbekannten deserteur" am 1. september 1990 auf dem trammplatz vorm rathaus hannover auf. die annahme des denkmals als geschenk wurde 1994 im stadtbezirksrat mitte beschlossen.
angeblich im rahmen einer bereinigung des projekts straßenkunst soll es jetzt wieder entfernt werden, da es keine kunst sei, au weia, etwa entartet? aber handelt es sich nicht eher um einen post-demokratischen akt, jetzt, wo im oktober das afghanistan-mandat aufgestockt werden wird? dürfen dann wieder blonde frauen pressewirksam tränen in den augen haben beim abschied, während sie sonst nichts zu melden haben, ihre meinung nicht politisch wirksam wird? ein verwandter von uns wurde bei der flucht aus kriegsgefangenschaft erschossen. das liegt alles so nah zusammen im schmutzigen kriegsgeschäft, gefangenschaft, mord, flucht. die befehlshaber machen sich die finger nicht schmutzig und schon gar nicht die anordnenden politiker. wer den krieg ausbadet, sind die kleinen leute. es ist wiedermal so weit.
copyright foto und text: ingeburg Peters

Heinrich Böll fragte 1953:

"Wo sind die Deserteure? Wo sind die Eltern, sind die Freunde, die Brüder und Schwestern dieser erschossenen Deserteure, deren Leiden man auf die Schwelle des Friedens häufte? ...

Und wo sind die Deserteure, die sich in den zerstörten Städten verbargen, in den Dörfern und Wäldern, wartend auf die Alliierten, die für sie damals wirklich Befreier waren? Haben sie Angst vor den gründlichen, ihnen eingeimpften Phrasen, die Fahneneid, Vaterland, Kameradschaft heißen?"

Ein Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile, das auch die Deserteure des zweiten Weltkrieges rehabilitierte, beschloss der Deutsche Bundestag 1998.