Dienstag, 24. Februar 2026

Enkel als "gefragte Ware"

Die digitale  Schlinge zieht sich immer weiter zu. 

Machte Fehler bei der Elster-Security-App und rief beim Finanzamt an. Der zuständige Mitarbeiter sagte zu meinem Erstaunen: "Wenden Sie sich an Familienmitglieder oder Nachbarn." Ich kommentierte diese steile These sarkastisch mit:"Oh wie süß." (Enkel sind sehr gefragt, wenn man welche hat, der Nachbar nimmt locker 40 Euro für ne Dreiviertelstunde.) 

Er: "Das Finanzamt macht keine EDV-Beratung mehr" und ranzte mich schuldzuweisend in diskriminierendem Tonfall an: "Wenn Sie mich unterbrechen, kann ich es Ihnen nicht erklären", worauf ich auflegte.

Dann gemütlich zu Fuß zur Sparkasse gegangen, um ein preiswertes Konto neu zu eröffnen und ein anderes teures aufzugeben. In der gähnend leeren Filiale saßen zwei Mitarbeiter hinterm Tresen und beschieden mich kurz mit "Gehn Sie dazu auf unsere Website und erledigen das dort." 

Einer dieser gefragten, allerdings computertechnisch weniger fitten, Enkel erzählte mir später, er hätte den Bank-Berater "fast vor die Krawatte gepackt", als er seiner Oma nicht erklärte, wie sie manuell eine Überweisung ausfüllen könne. Das war sehr ungerecht gegenüber dem armen Mann, dessen Kollegen bereits gekündigt sind. Und der genau weiß, dass comdirekt von der Commerzbank oder N26 gratis Konten führen, aber überhaupt keine persönliche Beratung bieten. 

Das Einscannen der Waren an den Supermarkt-Kassen hingegen lernt der Mensch noch relativ schnell in lebendiger Praxis, damit die Ausgangspforte nicht gesperrt bleibt...

Philosoph Michel Foucault hat diese Mechanismen in seinem Werk "Überwachen und strafen" bereits präzise beschrieben. ip

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