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Samstag, 6. Februar 2016

SponsorInnen und DurchsetzerInnen gesucht: 100.Todestag Rosa Luxemburg 2019


Kolbes Menschenpaar am Maschsee, von der Fritz-Behrens-Stiftung gesponsort
An dieser Ecke fehlt doch was... ip-fotos
Hannover und die Kunst, das ist so eine Sache. Die riesige Gandhi-Büste am Clara-Zetkin-Weg ist ein Geschenk, okay. Irgendwo musste sie hin. Straßenkunst-Initiator Martin Neuffer sieht sie ja nicht mehr...
Kunst bewegt die Menschen im Idealfall. Und da habe ich als Aktions-Künstlerin in Schwesternschaft zu Schlingensief/Beuys/Heller einen Vorschlag für eine Skulptur an "Führers" Maschsee.
Am Halbrund Maschsee gegenüber vom "Menschenpaar" mit dem idealisierten Akt von Kolbe fehlt nämlich ein kontrastierendes Pendant.
Meine Idee ist, dort eine körperbehinderte kleine Jüdin mit schiefer Hüfte zu realisieren, mir fiele momentan nur Balkenhol aus Fritzlar als ausführender Bildhauer ein: Rosa Luxemburg, die in der Hand Goethes "Faust" hält, den Finger in dem Passus "Im Garten", der die Misere des abgekoppelten Finanzsystems besser erkannte als Marx.
Da wäre ein direkter, geistreicher Bezug zum Marmor-Denkmal Königin Sophie im Großen Garten Herrenhausen gegeben, die den Finger in Leibnizens Theodizee-Buch hält.
Kurz vor ihrer Ermordung las Luxemburg im Faust. Beteiligt an dem unschönen Akt war Noske, späterer Oberpräsident von Hannover.
Übrigens: Ernst Thälmann saß in Hannover in Isolationshaft. Über Rosa Luxemburg, Wilhelm II. konterkarierend, der in Hannover fröhliche Urständ in zahlreichen Feierlichkeiten und Publikationen erlebt, habe ich von einem Praktikanten diesen Artikel erarbeiten lassen:
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38794/1.html
Da hätte Hannover einiges gut zu machen, finde ich, und sprach bereits Sponsoren an: ein Geschäftsmann jüdischen Glaubens antwortete "Was geht mich Rosa Luxemburg an?" "Das bekommen Sie bei der Stadt nicht durch", winkte Stiftungsvorsitzender ab. Tja, die blitzgescheite Sau (Zitat aus dem Artikel oben) geht uns Schlafmützen, die dabei zusehen, wie unsere Existenzgrundlage verzockt wird, ne Menge an. Ob Rat und Verwaltung Hannover wohl die Größe besäßen, der berühmten Leiche aus dem Landwehrkanal ein zeitgemäßes künstlerisches Denkmal zu setzen...?
Bitte benutzen Sie den Spendenbutton auf meiner Site, um die Sache voranzubringen.




Montag, 29. November 2010

neues aus meinem stadtteil - flüchten oder standhalten?

samstag sind die letzten deutschen mieter aus dem nebenhaus ausgezogen, dem verrotteten haus des verwalters rauch, der oldtimer-lieberhaber ist und den tegernsee als sauberes urlaubsziel schätzt.
die bulgaren dort nehmen sich nun wohl erst recht in jeder art und weise freiheiten, von ohrenbetäubendem lärm angefangen.
am freitag stand ein dicker wagen mit städtischem halteschild hinter der windschutzscheibe davor.
ich klopfte erfreut an dieselbe, dachte, es sei endlich das gesundheitsamt wegen der auf dem gehweg liegenden riesenknochen und sonstigen essensreste, aber der mann motzte mich an, ich solle ihn in ruhe lassen und stiefelte in das haus.
was er da wohl wollte?
die ausziehenden mieter sagten, es sei eine unglaubliches rein und raus dort, 24 stunden am tag.
an der neu eingerichteten glocksee-bushaltestelle in der braunstraße gegenüber vom bordell sah ich eine unendlich langbeinige schönheit mit langem blondem haar auf den bus warten, konnte mir aber nicht vorstellen, dass diese grazie wirklich auf den bus angewiesen ist.
seit die bäume am ihme-ufer weggeholzt sind, hege auch ich häufiger gedanken, den immer weiter herunterkommenden stadtteil zu verlassen. das rotlicht- und drogen-milieu dürfte sich dadurch nämlich nahtlos von der city bis nach linden rüber erweitern.
aber andererseits brauche ich ruhe zum schreiben.
um auf den grund der dinge zu sehen, sind umzüge reines gift, bemerkte schon virginia woolf.

ich quatsche also eine weile mit herbert, dem ex-knacki, an der ida-arenhold-brücke zum ihme-zentrum rüber, über die zerstückelte leiche letztes silvester, die mein lieber netter nachbar, ein umwelttechniker, der zwei häuser weiter wohnt, entdeckt hatte (hoffentlich bleibt der wenigstens noch hier wohnen).
herbert meint, die polizei hätte die freier der ermordeten hobby-prostituierten in der kanalstraße mit speichelproben abtesten müssen. das sei bestimmt einer von außerhalb gewesen.
zu dem schon so lange aus dem ihme-zentrum verschwundenen türkischen mädchen äußert er sich, das könnte nach holland zwangsverheiratet worden sein.
und dann noch die sache mit dem narbengesicht, das die frau auf der ida-arenhold-brücke vergewaltigt hätte.
von der sache wusste ich noch gar nichts.
keine sichere gegend hier, meint sogar er.
schwerlich etwas dagegen zu halten.
ein passendes umfeld für die tatort-dreharbeiten neulich.
flüchten oder standhalten?
herr oberbürgermeister, was meinen Sie denn dazu? ip

Samstag, 13. Juni 2009

mutter war auf achse heute

als mutter aller stadtteilfeste war ich heute auf dem calenberger stadtteilfest in meinem stadtteil. ich habe schon vor 30 jahren das deisterstraßenfest, das kunstfest am aegi und weitere solcher straßenfeste mit meiner city-/Ihme-zeitung organisiert, als es noch kein listermeilenfest, kein marienstraßenfest, kein limmerstraßenfest gab.
heute bezahlt die stadt hannover entwicklerinnen für so etwas, die den aufbau von wirtschaftsgemeinschaften unterstützen. das kostet alles viel geld. ich hab es damals mit meinen inserenten allein finanziert. nun gut.
dort traf ich eine elternvertreterin der grundschule goetheplatz, die darunter leidet, dass von 60 möglichen einschulungen nur 20 von den mittelstandseltern des stadtteils in die gs goetheplatz getätigt werden.
und ich erinnerte mich: die wenigen bürgerlichen nachbarn gingen damals davon aus, dass ich zur einschulung des kindes waldorfschule oder ähnliches wählen würde.
es wurde aber die gs goetheplatz mit 19 nationen und einem entsprechenden spezialitätenbuffet zu den schulfesten, das seinesgleichen suchte.
als die tochter sich im unterricht zu langweilen begann, weil die ausländischen schüler für manches länger brauchten, sprach ich mit der lehrerin, ob ich ein sofa aus dem keller unseres vorderhauses in die klasse transportieren könnte, mit einem stapel bücher dazu. sie sagte ja, die grundschulzeit der tochter war gerettet.
in der gs goetheplatz habe ich mit den kindern bäckereien besichtigen lassen, verpackungsbetriebe, die üstra, das friederikenstift, ich hätte zur der zeit glatt eine professur in reformpädagogik antreten können.
heute gibt es in dieser schule in jeder klasse eine sofaecke, und die reformpädagogik wird groß geschrieben. nur an meine damaligen aktionen als auslöser denkt man dort nicht mehr, denn die quelle wird leicht vergessen, vor allem, wenn sie weiblich ist.
ja, und dann traf ich noch peter behnsen mit seinem alten hund, dem ich, wie schon einigen anderen, mein projekt "der vergessene fluss" in bezug auf die ihme von der quelle in wennigsen bis zur mündung an der bastion vortrug.
wir könnten dort einen lila faden spannen, ist meine idee, als synthese zwischen rotem und blauem faden in der innenstadt. fand er gut, und hatte selbst schon weitere ideen, zum beispiel biographien aus dem fluss zu fischen und zu verlesen.
apropos lesen: nicht vergessen, morgen früh gibt es wieder um 10 das literaturfrühstück in der werkstatt galerie calenberg mit peter behnsen, wie jeden sonntag, diesmal geht es um t.c. boyle, übernächsten sonntag um dostojewskis spieler!