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Samstag, 24. Januar 2026

Vor 20 Jahren löste der rassistische Angriff auf einen Schüler in Pömmelte bundesweit Entsetzen aus

Magdeburg. Am frühen Nachmittag Anfang Januar 2006 beginnt das Martyrium des damals zwölfjährigen Schülers Kevin K. auf einer Busfahrt zwischen Schönebeck und Pömmelte, im Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt). Schon im Bus bepöbelt und bespuckt eine Gruppe rechter Jugendlicher den Jungen, dessen Vater aus Äthiopien stammt. An der Haltestelle Pömmelte verlassen Opfer und Täter den Bus. Kevin will den Weg in ein Kinderheim antreten, in dem er zu diesem Zeitpunkt lebt. Doch die Täter hindern ihn daran. Nötigung, Bedrohung und die rassistische Erniedrigung des Jungen gehen weiter. Er wird getreten, geschlagen, muss die Stiefel eines der Täter ablecken. Schließlich versucht der Haupttäter, seine Zigarette im Auge des Opfers auszudrücken. Nur mit Glück kann Kevin K. sich dem entziehen.

Eine Tat mit Folgen

Nach etwa einer Stunde lassen die Täter von ihrem Opfer ab, nicht ohne ihm die Drohung mit auf den Weg zu geben, sie würden ihn töten, wenn er anderen vom Geschehen an der Bushaltestelle berichte. Später attestieren Ärzte bei Kevin K. zahlreiche Verletzungen. Die Folgen für ihn sind drastisch. Er leidet unter wiederkehrenden Angstzuständen. An eine Rückkehr in einen normalen Alltag ist nicht zu denken. Auch nach der Tat wird er in seinem Umfeld bedroht – so sehr, dass er schließlich die Region verlässt, um andernorts zur Ruhe zu kommen. 2008 stirbt Kevin K. an einer Herzmuskelentzündung. Er wurde nur 15 Jahre alt.

Für den Haupttäter, Francesco L., ist die Tat so etwas wie der öffentliche Auftakt einer Karriere in der jugendkulturellen Neonazi-Szene. Er nimmt an deren Aufmärschen teil, posiert in sozialen Medien lange Zeit mit Insignien des gewaltbereiten Rechtsextremismus. Für ihn bleibt es nicht bei Bekenntnissen zu einer rassistischen Weltanschauung. Jahre später wird Francesco L. wieder gewalttätig. Wieder ist die Tat rassistisch motiviert. L. ist über Jahre ein neonazistischer Intensivstraftäter. Reue und innere Umkehr ließ er in keinem Fall erkennen.

Der Angriff löste damals überregional Entsetzen aus. Den Begriff „Baseballschlägerjahre“ für die rassistische Gewalt der 1990er und 2000er Jahre gab es da noch nicht. Aber dass rechte Jugendliche einen 12jährigen Schüler aus rassistischen Motiven über eine Stunde lang quälen und erniedrigen, ohne dass dies im örtlichen Umfeld der Tat jemand bemerkt haben will und dem Einhalt gebot, konnten viele nicht fassen.

Kontinuitäten rechter Gewalt

Das Geschehen vor 20 Jahren an der Bushaltestelle in Pömmelte ist Beleg dafür, dass die Kontinuität rassistischer und rechts motivierter Gewalt zu keinem Zeitpunkt unterbrochen war. Die Ausdrucksformen des jugendkulturellen Neonazismus haben sich gewandelt. Geblieben ist dessen empathielose und ideologisch motivierte Gewaltbereitschaft, die den Tod ihrer Opfer in Kauf nimmt.

Die Täter von damals und ihr Umfeld sind dem jugendkulturellen Neonazismus längst entwachsen. Ob sie ihre extrem rechten und rassistischen Ansichten ebenfalls abgelegt haben, muss bezweifelt werden. Solche Einstellungen waren in dieser Zeit bei Jugendlichen weit verbreitet. Der Konsum von Rechtsrock wie der Band „Landser“ gehörte zur Lebenswelt junger Menschen in Ostdeutschland.

Die Jugendlichen von damals sind die Eltern von heute. Sie geben ihre Prägung und ihre Werte an ihre Kinder weiter. Von der extrem rechten Jugendkultur der 1990er und 2000er Jahre führt eine Spur zur Normalisierung extrem rechter Einstellungen und ihrer politischen Praxis heute. Um diese Normalisierung zu ergründen, gilt es, das Geschehen vor zwanzig Jahren freizulegen und zu erinnern. David Begrich/Pascal Begrich

Aus dem Blog Miteinander e. V. Magdeburg

Samstag, 25. Oktober 2025

Auch Hannover ist Mitglied der Europaweiten Koalition gegen Rassismus

Hannover ist Mitglied der European Coalition of Cities Against Racism. Die ECCAR ist ein von der UNESCO initiiertes Städtenetzwerk, das seit 2004 besteht und heute über 150 europäische Städte miteinander verbindet. Gestern war Anmeldeschluss für weitere Städte. Ziel der ECCAR ist es, lokale Strategien gegen Rassismus und Diskriminierung zu fördern, den Erfahrungsaustausch zwischen Städten zu stärken und eine gemeinsame Grundlage für kommunales Handeln zu schaffen. Die Strategie ist, eine Vielzahl lokaler Maßnahmen zu bündeln und sichtbar zu machen, den europäischen Austausch zu intensivieren und das Profil als weltoffene und solidarische Stadt weiter zu stärken.

Konkret bedeutet die Mitgliedschaft in dem Netzwerk: Internationale Sichtbarkeit. Hannover zeigt damit, dass Antidiskriminierungspolitik ein wesentlicher Bestandteil moderner Stadtentwicklung ist. Europäischer Austausch und Wissenstransfer: Städte wie Wien, Gent, Bologna und Barcelona arbeiten innerhalb der ECCAR bereits erfolgreich an Strategien gegen Rassismus und Diskriminierung. Der Austausch mit diesen Städten bietet wertvolle Einblicke in wirksame kommunale Strukturen, partizipative Prozesse und neue Formen der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft.

Politische Legitimation und Anerkennung für die lokale Arbeit: Die Einbindung unter dem Dach der UNESCO verleiht den kommunalen Maßnahmen zusätzliches Gewicht und Glaubwürdigkeit. Neue Impulse und Fördermöglichkeiten: Durch die Vernetzung mit europäischen Programmen ergeben sich Perspektiven für zukünftige Kooperationen, insbesondere in den Bereichen Demokratieförderung, Gleichbehandlung und Bildung.

Gesellschaftliches Signal: Die Bewerbung steht für das Bekenntnis zu einer offenen, solidarischen und respektvollen Stadt, in der Diskriminierung und Ausgrenzung keinen Platz haben. Weitere Informationen gibt es unter eccar.info.

Ipfoto 

Donnerstag, 24. November 2011

dunkler dämon deutschland

aus der grundschulzeit des kindes gibt es immer noch türkisch-stämmige freundinnen und befreundete familien. die eine tochter studiert medizin, (oma hat sich um die enkel gekümmert, ich habe mich für ihre aufenthaltsgenehmigungsverlängerung hier stark gemacht) während ihre mutter als kassiererin im supermarkt arbeitet, der vater bei vw.
die mutter erzählte mir mal, sie trüge nach der arbeit auf dem heimweg immer ein weißes kopftuch, damit man ihre dunklen haare nicht sehe, und sie so einem überfall entgehen könnte.
ich hielt sie für überspannt mit diesen vorstellungen, bis heute.
dabei fällt mir seit längerem schon der hohe anteil strohblonder polizistinnen auf. noch nie habe ich hier in hannover einen schwarzen polizisten oder eine dunkelhäutige polizistin gesehen.
aber ich kenne eine familie, deren vater weißer wissenschaftler ist, die mutter schwarze hausfrau, auf die genau die geschichte der bedrohten familie krause heute auf spiegel-online zutreffen könnte....ip