Mit dem „Golfstrom“ ist meist das größere System der Atlantischen Umwälzströmung gemeint, die sogenannte AMOC. Sie transportiert warmes Wasser nach Norden und trägt dazu bei, dass Europa – von Sylt über Hannover bis Cornwall – deutlich milder ist als andere Regionen auf derselben Breite.
Die gute Nachricht: Nach dem aktuellen Stand der Forschung wird die AMOC im 21. Jahrhundert wahrscheinlich nicht vollständig zusammenbrechen. Die meisten neueren Modelle zeigen aber, dass sie sich deutlich abschwächen wird.
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Die schlechte Nachricht: Diese Abschwächung läuft bereits. Messungen und Rekonstruktionen deuten darauf hin, dass die AMOC heute schon deutlich schwächer ist als vor etwa 100 Jahren – viele Studien sprechen von ungefähr 15–20 % weniger Stärke. Einige Forschende halten sie für so schwach wie seit mindestens 1000 Jahren nicht mehr.
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Für die Zukunft erwarten Modelle je nach Emissionsszenario:
bei starkem Klimaschutz nur eine leichte zusätzliche Abschwächung,
bei hohen Emissionen bis Ende des Jahrhunderts eine deutliche Abschwächung um mehrere zehn Prozent,
in Extremfällen bis nahe an 80 % der heutigen Stärke.
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Ein vollständiger Kollaps vor 2100 gilt derzeit als eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Neue Arbeiten aus 2026 deuten sogar darauf hin, dass die Gefahr stärker davon abhängt, wie schnell die Erde sich erwärmt, nicht nur davon, wie warm sie insgesamt wird. Schnelle Erwärmung macht das System deutlich instabiler.
arXiv
Die Folgen einer starken Abschwächung wären nicht einfach „eine kleine Eiszeit“ in Europa. Wahrscheinlicher wären:
kühlere Winter in Nord- und Westeuropa,
veränderte Niederschläge,
mehr Wetterextreme,
steigender Meeresspiegel an der Atlantikküste,
zusätzliche wirtschaftliche Schäden in Billionenhöhe.

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