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Dienstag, 18. Januar 2011

zum abschluss der domotex-heimtextilmesse




geworben wurde vielfach mit der ware frau, vor allem als eyecatcher, aber auch als arbeitskraft, wie auf allen messen.
43 millionen mädchen sind allein in indien abgetrieben worden. die zahlen aus china werden unterdrückt. mann weiß aber, dass die ware frau dort langsam knapp wird.
text/fotos: ip

Samstag, 15. Januar 2011

über leih-arbeit




Bildunterschrift: politik der kurzen wege in hannover. direkt an der leine führt von der arbeitsgentur ein romantischer uferweg zur randstad-zeitarbeit, wo schon ein plakat im fenster grüßt "Arbeit finden, statt suchen".
hier strandete meine fleißige minijob-kraft, die dort ein angebot annahm, 8 stunden lang als lagerhelferin kleidung von esprit zu verpacken. kurz nachdem ich sie abgemeldet und eine neue mitarbeiterin gefunden hatte, rief sie an, die arbeit könne niemand durchhalten.





wenn ein kollege als leih-arbeiter dazu beiträgt, dass der andere vor die tür gesetzt wird, das ist bitter für alle beteiligten.
genau darauf läuft die derzeitige leiharbeits-reklame hinaus.
intelligenz wird fürs kapital eingesetzt und nicht für die menschen.
wie man in deutschland schon 2030 mit menschen umgehen könnte, hat die doku-fiction im zdf "aufstand der jungen" kürzlich gezeigt, die im spannenden regie-stil fassbinders und an manchen stellen gar tarantinos mal konkrete schwachpunkte wie gesundheitswesen, altenpflege, arbeitsmarkt, wohlfahrt dramatisierte. diese entwicklung muss abgewendet, sagt der film im abspann, muss unterbrochen werden.
zur zeit ist die leih-arbeit im fokus.
was dabei verdrängt wird: es geht vielfach um frauen.
in der altenpflege sind 87 Prozent frauen tätig, eine knallhart industrialisierte arbeit, weshalb die altenheime sich um jeden mann reißen, den sie bekommen können.

diese pflegekräfte haben keine Lobby. tausende von ihnen müssen sich jährlich berufsunfähig melden lassen. altenpflegerinnen haben längst kein selbstwertgefühl mehr.
alle menschen sind gleich? mit den frauen macht sich niemand gemein. sie stehen allein. am alleruntersten ende der arbeitsverhältnisse stehen immer frauen, dort, wohin selbst der unqualifizierteste mann nicht mehr hinwill.
helden der gesellschaft sind hingegen fußballer und rennfahrer(hinter denen zwar auch wieder ein riesiger industrieller (marchandising)-komplex steht, die aber dafür millionen erhalten).
"welche prioritäten setzen wir?", texte eine linke partei. leere formeln, denn der freie markt ist wieder gewinner der krise. und die leiharbeiter tragen das wirtschaftliche risiko.
was als job-wunder gepriesen wird, bereichert vor allem ADECCO, randstad oder Tina Voss und andere leiharbeitsfirmen.
die arbeitsagentur zeigt schon lange unpersönliches verhalten, nennt die arbeitssuchenden "kunden", dabei müssten sie bettler genannt werden.
wer erstmal als "arbeitssuchend" drin ist im computer, wird schnell zum spielball, ist der arbeitsagentur ausgeliefert, mit allen desaströsen Auswirkungen: "Lösen Sie doch Ihren Bausparvertrag auf und verbrauchen das Geld daraus".
sogar spd-politiker, schon seit der toskana-fraktions-ära von gerhard schröder nicht mehr für die arbeitenden da, beispielsweise ex?-spd-mann wolfgang clement, arbeiteten dabei dem kapital zu, verspielen die zukunft der menschen.
denn manager nehmen immer die billigsten leute, weil sie trittbrett auf der lohnsummen-agenda fahren.und die leute von arbeitsagentur und leiharbeitsfirmen haben ein problem mit jemand, der die industrie kritisiert.

leih-arbeit bedeutet: nie mit den gleichen kollegen zusammen sein; 20 jahre ohne festanstellung, erzeugt eine total gespaltene belegschaft.
an die familien dieser leute, wenn die auf montage müssen, denkt kein politiker. solidarisch sein? zusammenhalten? arbeiter werden einfach ver-diskontiert.
da gibt es ein vorstellungsgespräch bei der leiharbeitsfirma. die notieren deine handy-nummer und rufen an, wann und wie und für was sie wollen, wie bei einem roulette, im osten noch schlimmer als im westen bezahlt.

und die haupt-leidtragenden sind immer frauen. seit 3000 jahren ganz am ende in der lohnbewertung und immerdar? denn jeder niedriglohn kann bei frauen nochmal nach unten korrigiert werden.und dadurch sind kinder und jugendliche die leidtragenden Ihrer agenda 2010, herr schröder!
unsere zukunft sind die kinder. deshalb müssen ihre mütter besser behandelt werden. wann kapiert das endlich jemand? wir dürfen nicht weiterhin so mit unserer zukunft umgehen. kostenlose mahlzeiten für kinder, lehrmittelfreiheit, all das würde den leichtlohn-müttern wenigstens etwas helfen.
ganz schlimm hierbei die rolle der gewerkschaften. dennoch ist es ein fehler, den gewerkschaften etwa den rücken zu kehren. wenigstens dieser üble "christliche" gewerkschaftsbund, der mit wolfgang clement zu den lohndrückern gehörte, scheint endlich stigmatisiert zu sein.

dabei hat sogar ex-präsident bush in texas mindestlöhne eingeführt...

ein beitrag zur historie von billiglohn und leiharbeit lässt sich spannend in albert schweitzers briefen aus lambarene lesen. er schildert mitfühlend, wie die eingeborenen dort friedlich ihre dörfer bewirtschafteten, dann aber von den kolonialherren gezwungen wurden, an anderen orten zu arbeiten. die kapitalisten eröffneten läden mit tabak und schnaps in der nähe der arbeitersiedlungen. aus einsamkeit verbrauchten die zwangsverschleppten ihren ganzen lohn zur betäubung ihres heimwehs, kamen also mit nichts zurück nachhause als einem suchtproblem.

text und fotos: ingeburg peters

Sonntag, 6. Dezember 2009

von negern und weißen sklaven des geldes

abends nach der arbeit lese ich gern in einem antiquarischen buch "selbstzeugnisse" von albert schweitzer. er schildert dort beeindruckend, wie fleißig die "neger" in ihren dörfern waren, wenn es ans turnusmäßige roden ihrer felder ging, oder wenn sie 36 stunden am stück rudern mussten, um einen schwerkranken zu ihm zu bringen. aber auch ihre feste genossen sie ausgiebig und ausdauernd.
die weißen kolonialherren aber, die mit ihren waren fast alle krankheiten erst einschleppten, die zuvor in afrika unbekannt waren, wollten die schwarzen zum arbeiten gegen lohn zwingen. zu dem zwecke verschleppten sie sie tausend kilometer weit, damit sie nicht in ihr dorf zurück konnten. die dadurch depressiv gewordenen legten ihr ganzes verdientes geld in schnaps an, der zusammen mit tabak und tand in den läden der kolonialherren angeboten wurde. auch die superintelligenten unter diesen naturkindern, die komplizierte Rechen- und Schreibarbeiten zu erledigen hatten, zerbrachen an der widersprüchlichkeit ihres neuen arbeitslebens.
erinnert Sie das an etwas? mich schon. unser mercedes-stern wandert gerade nach amerika, die heimische deutsche wirtschaft geht rasant zu boden. wenn Sie verstehen wollen, was noch auf uns zukommt an verelendung, lesen Sie das buch des jahrhunderts der journalistin naomi klein "die schockstrategie".

tipp: am 8. dezember im literatursalon eine abendveranstaltung zum thema gesellschaftliche ursachen von depression.

und nun zur aufmunterung noch ein zweiter kultur-tipp: schauen Sie sich Wagners "rheingold" im opernhaus an, es reicht ein preiswerter platz auf einem der oberen ränge völlig aus. hannover galt schon immer als wagner-hort, aber diese inszenierung des australischen regisseurs Barry Kosky, der dafür jetzt den theaterpreis "der faust" erhielt, ist einfach göttlich. die rheintöchter tanzen als ballett nach art der folies bergère, allerdings mit kräftigen körperproportionen, wotan (tobias schabel) singt göttlich in badehose und einige halb-götter zeigen in bermudashorts mächtige waden, während alberich in einem heavy-metall- shirt der iron-maiden agiert. es kommen auch wichsende neger vor, ja wirklich.
und das thema, der fluch des geldes, ist wiedermal hochaktuell. das zeichnet große kunst ja aus, dass sie im laufe der jahrhunderte immer wieder neu inszeniert werden kann, bei aller aversion gegen wagner, die viele wegen seines anti-semitismus haben.
staatsoper-pressechefin dr. gostomzyk jedenfalls rotierte zur premiere, die international massenhaft angereiste presse zu umsorgen. Hut ab für sie, generalmusikdirektor Wolfgang Bozic, ausstatterin katrin lea tag und intendant dr. michael klügl und das ensemble des opernhauses hannover, das alle Aufführenden aus den eigenen reihen besetzen konnte.
und wie gesagt, keine angst vor wagner, hannovers rheingold ist es gelungen, aus dem macht-thema eher eine komische oper zu machen, trotz originalgetreuer musik und textvorlage. wenn nichts mehr geht, was macht man dann? man lacht ein wenig zur lockerung des zwerchfells.
einige alte stramme wagner-konservative allerdings schlurften verbittert während der standing ovations verfrüht zur garderobe...

Freitag, 25. September 2009

die rating-pest, überwachungsstaat und sklaverei

bei mir im 2. stock ist es auch ende september immer noch ziemlich warm, möglicherweise auch aufgrund ungünstig verlegter warmwasserrohre, oder warum auch immer.
jedenfalls ging ich mittags mal kurz gassi mit hundi und treffe zwei bankberater meiner hausbank auf mittagspausenspaziergang, die etwas irritiert gucken, weil ich in latschen und ohne strümpfe draußen bin inmitten sonst schon eher herbstlich gekleideter menschen.
nun ist man durch schäuble und den immer weiter eskalierenden überwachungsstaat, dessen zulieferer im wahrsten sinne mordsmäßige gewinne wittern, schon so verunsichert, dass mir sofort meine kreditlinie einfiel, die ich zwar nicht nutze, aber natürlich dennoch behalten will.
automatisch ging mir durch den kopf, was die bankberater wohl angesichts meiner barfüßigkeit über mich dachten, obwohl die sonne schien und mir die temperatur durchaus angenehm war.
man ist überhaupt kein freier bürger mehr heutzutage, als frau war man es vielleicht noch nie.
allenthalben zu finden auch dies kapitalistische konkurrenzdenken, das korrumpiert.
ganz schlimm sind dabei die auswirkungen des sogenannten ratings, also einer beurteilung, bewertung einer sache oder eines vorgangs.
das rating verführt die ge-rateten zur anwendung von zweierlei maß.
wo sie keine beurteilung zu fürchten brauchen, lassen sie sich gehen, wo doch, heucheln sie zuvorkommenheit. beispielsweise im hotelwesen und in der reiseindustrie.
sogar die jobcenter-mitarbeiter werden geratet, und wer von ihnen zu wenig sanktioniert, findet sich bald auf der anderen seite des hartzIV-tresens wieder.
ganz zu schweigen von den teuren bank-rating-agenturen, die von kleinen geschäftleuten gar nicht bezahlt werden konnten, die aber während der finanz-krise gegen viel geld bei klienten günstig ge-ratet haben, gerade wo es ganz und gar nicht angebracht war.

das heißt doch unterm strich, wir sind mit der moral am ende, nun auch in deutschland und europa im gleichschritt marsch.

sogar die sklaverei ist nicht nur nie wirklich abgeschafft worden, sie erlebt derzeit eine ungeheure renaissance.
aus amerika kommend arbeitet das internationale neo-con-kapital an einer strikten zwei-klassen-gesellschaft: die da oben und die da unten.

ganz hautnah sieht man das in hannover am maschsee-südufer. dort hat ein konzern einen wellness&spa-klub eröffnet und dafür das ehemalige strandbad in hälften geteilt, die größere für den spa-klub mit dem schon lange zum wahrzeichen gewordenen steg mit rettungsschwimmertürmchen in den maschsee hinaus, für die restliche, gewöhnliche bevölkerung bleibt nur noch ein rasenstück am wasser.
auf dem wellness-gelände sonnen sich nackig männlein und weiblein und zwischendrin gießt tapfer ein junger gärtnergehilfe mit stilaugen die pflanzen. wirklich!
das erinnert mich an den film "swimmingpool" mit charlotte rampling.
aber dort ist der sklaverei-aspekt nichtmal so ausgeprägt wie hier in unserer schönen neuen zwei-klassen-welt im spa am südufer, dem die arme stadtverwaltung praktisch das gesamte maschsee-panorama als zugabe gegeben hat.
du willst deine stadt, dein land, deinen kredit, deinen arbeitsplatz retten? gib alle ressourcen her.
und geh niemals im herbst ohne strümpfe raus, wer weiß, zu welchem eintrag in welchem register das führen könnte.

Sonntag, 2. November 2008

moderne sklaverei

den götzen macht nicht der vergolder sondern der anbeter.
heutzutage ist die sklaverei keinesfalls abgeschafft.
wieviele familien sind schuldsklave der banken, nur weil sie sich den traum von eigenen haus erfüllen wollten?
wievieele kleine geschäftsleute können keine waren mehr auf kredit einkaufen, weil die bank das kreditlimit gekürzt oder gestrichen hat?
und welche folgen hat das für das familienleben?
in einer mutter-kind-erholungskur traf ich vom häuslebauen völlig erschöpfte frauen an. ich bemerkte, dass deren kinder teuerste markenkleidung trugen und fragte eine ärztin dort, mir den widerspruch zu erklären. die erwiderte, ja, das ist unsere haupt-klientel, diese mütter, die mithelfen müssen in der anschaffung von klamotten, beim großen auto, beim eigenen haus. da folgt dann irgendwann zwangsläufig der nervenzusammenbruch, und deshalb sehen Sie hier soviel Oilily-Kinder, die hatten das bei der abreise zur kur einfach alles noch im schrank...
beute machen oder beute sein, gibt es dazu keine alternative? die menschliche seele ist doch eigentlich eher ein lämmchen.