architekt friedrich von borries hat bei suhrkamp nova einen verstörenden roman herausgebracht, in dem die reale welt sich mit computeranimationen vermischt und zum schluss niemand mehr weiß, was wirklichkeit und was fiktion ist.
die handlung: während in manhattan das neue world trade center -1WTC - entsteht, kämpfen vier junge menschen gegen die allgegenwart der überwachung.
galeristin jennifer zelebriert für ein filmprojekt permanent den slogan "Go shopping" und dass niemand angst zeigen dürfe.
tom, architekt und mitarbeiter des us-militärgeheimdienstes, lässt für das neue world trade center eine verhör-etage besonderer art bauen: ein paradies für selbstmord-attentäter, in dem sie nach vorheriger betäubung in hammam-ähnlichen luxus-räumen aufwachen, umgeben von jungfrauen (CIA-prostituierten), und derart durch psycho-tricks irritiert werden, bis sie ihre "helden-taten" in allen details preisgeben. ip
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Mittwoch, 7. September 2011
Dienstag, 23. August 2011
Moralisches Verhalten erfordert bewusstes Denken
immer wieder mal gibt es magische momente in meinem leben. einer davon ereignete sich auf dem campus der universität von washington in seattle, den ich vor rund zehn jahren kurz vor weihnachten überquerte, auf eine in warmem licht strahlende geöffnete hörsaal-tür zu, die mich regelrecht ansaugte, und an der angeschrieben stand: vorlesung antonio damasio "the feeling of what happens" (als deutscher Buchtitel: Ich fühle, also bin ich).
ich ließ mich zwischen einer kleinen bunten schar zuhörern aller altersgruppen nieder, und obwohl mein englisch stark limitiert ist, verstand ich jedes wort.
was der gut aussehende, entspannte professor damasio aus kalifornien, mit elegantem weißen schal über den schultern, dort über die rolle der gefühle erzählte, die sich auf dauer nicht betrügen lassen vom verstandesdenken, hat mich sehr beeinflusst.
jetzt hat damasio sein werk nochmal populär neu zusammengefasst. auf deutsch ist es im Siedler-Verlag erschienen und heißt "Selbst ist der Mensch" - körper, geist und die entstehung des menschlichen bewusstseins.
dabei versteht es der führende neuro-wissenschaftler, in prägnanten metaphern darzustellen, wie der unbewusste teil des geistes den riesigen fels darstellt, der bewusste hingegen nur eine kleine aufmontierte antenne, was mich an ein bekanntes tusche-bild weiblicher fruchtbarkeitsgöttinen-"antennen" von miró erinnert. auf einmal versteht man, was joseph beuys meinte, als er behauptete, er denke mit dem knie.
so elegant wie damasio aussieht, so formuliert er auch: "Das Selbst fokussiert den Geistesprozess, durchtränkt das Abenteuer, anderen Objekten und Ereignissen zu begegnen, mit einer Motivation, und infiltriert den Drang, die Welt zu erkunden, mit der größten und wichtigsten Sorge, die ein Organismus haben muss: der erfolgreichen Lebenssteuerung."
solche sätze klingen ganz anders als etwa die des ebenfalls sehr bekannten deutschen neurowissenschaftlers gerhard roth, den ich mal im hannoverschen kaiser-wilhelm-rats-gymnasium erlebte, der die gehirn-funktionen sehr irreversibel biologistisch beschreibt.
damasio hingegen sieht diese vorgänge viel lockerer. und ihm geben dabei die alten indischen weisheitsbücher recht: dass die reflexion von kenntnissen zu neuen entscheidungen führen kann.
oder - wie sagte auch der freiburger philosoph martin heidegger: denken heißt, über das be-denk-liche nach-zu-denken.
genau das hingegen tun nach wie vor viel, viel zu wenig leute.
Ingeburg Peters
ich ließ mich zwischen einer kleinen bunten schar zuhörern aller altersgruppen nieder, und obwohl mein englisch stark limitiert ist, verstand ich jedes wort.
was der gut aussehende, entspannte professor damasio aus kalifornien, mit elegantem weißen schal über den schultern, dort über die rolle der gefühle erzählte, die sich auf dauer nicht betrügen lassen vom verstandesdenken, hat mich sehr beeinflusst.
jetzt hat damasio sein werk nochmal populär neu zusammengefasst. auf deutsch ist es im Siedler-Verlag erschienen und heißt "Selbst ist der Mensch" - körper, geist und die entstehung des menschlichen bewusstseins.
dabei versteht es der führende neuro-wissenschaftler, in prägnanten metaphern darzustellen, wie der unbewusste teil des geistes den riesigen fels darstellt, der bewusste hingegen nur eine kleine aufmontierte antenne, was mich an ein bekanntes tusche-bild weiblicher fruchtbarkeitsgöttinen-"antennen" von miró erinnert. auf einmal versteht man, was joseph beuys meinte, als er behauptete, er denke mit dem knie.
so elegant wie damasio aussieht, so formuliert er auch: "Das Selbst fokussiert den Geistesprozess, durchtränkt das Abenteuer, anderen Objekten und Ereignissen zu begegnen, mit einer Motivation, und infiltriert den Drang, die Welt zu erkunden, mit der größten und wichtigsten Sorge, die ein Organismus haben muss: der erfolgreichen Lebenssteuerung."
solche sätze klingen ganz anders als etwa die des ebenfalls sehr bekannten deutschen neurowissenschaftlers gerhard roth, den ich mal im hannoverschen kaiser-wilhelm-rats-gymnasium erlebte, der die gehirn-funktionen sehr irreversibel biologistisch beschreibt.
damasio hingegen sieht diese vorgänge viel lockerer. und ihm geben dabei die alten indischen weisheitsbücher recht: dass die reflexion von kenntnissen zu neuen entscheidungen führen kann.
oder - wie sagte auch der freiburger philosoph martin heidegger: denken heißt, über das be-denk-liche nach-zu-denken.
genau das hingegen tun nach wie vor viel, viel zu wenig leute.
Ingeburg Peters
Sonntag, 29. März 2009
und sonntags ruhte gott?
Jedes Produkt künstlerischen weiblichen Schaffens, und sei es noch so läppisch, wurde schon immer und ganz offensichtlich noch bis heute als verwunderlich angesehen, und immer schwang ein Unterton von Verblüffung mit. Es wurde traditionell nicht als Teil der natürlichen Ordnung empfunden und deshalb nicht zu ihr in Beziehung gesetzt, sagt Germaine Greer.
dichtung ist, was man auswendig lernen möchte, sagt jaques derrida, ce qu'on apprend par coeur.
da hätte ich hier ein paar weiblich-schöpferische empfehlungen zum sonntag und jeden tag. warum ruhte gott eigentlich am sonntag, fällt mir gerade ein? er war doch gott allmächtig, er brauchte doch nicht ausruhen.
aber bitte, hier mein tipp:
die österreicherin anja plaschg alias soap&skin hat ein suggestives album herausgebracht, damit man nicht ständig im internet ihre songs einzeln runterladen muss: lovetune for vacuum, das man auswendig lernen möchte in wort und musik.
spiegel kultur nannte sie alpentraum, obwohl sie vom alptraum singt, und brachte sie im stil einer schwarzen witwe auf die titelseite (das korrespondiert zu meinem blog-text von der täglichen dosis frauenkörper).
aber anja plaschg will das gar nicht, sie will durch ihre poetische dichtung und musik überzeugen. traurig sein, auch wenn man sich nicht schwarz kleidet, das lässt es sich nicht schöner und wunderbarer als mit dieser cd.
anja ist erst 18. ihr 'please, help me,' das geht sowas von unter die haut. wieso gelang es anja plaschg aus der steiermark, diese genialen sound-eingebungen aufzufangen mit ihren feinen sensorchen, endlich mal nicht diese jubelnde pop-klassik zu machen?
lovesongs, von den beatles begonnen, die ja auch jede menge "help me" drin hatten, von yoko ono beklagt, die aber selbst nicht in der lage war, dem eine alternative entgegenzusetzen.
erst diese traurige, auch durchaus klassische, musik von soap&skin, sie passt so unendlich viel besser in die jetzt-zeit als das immer noch viel gespielte 60er-lovelovelove-gejubele der beatles. und wie konnte es sein, dass anja plaschg all dies einfach hinter sich ließ und über den hof, den schweinezuchtbetrieb ihrer eltern, hinwegflog gen london, gen manhattan, rund um die welt.
zweiter tipp: am 3. mai kommt jutta ditfurth mit ihrem neuen buch "zeit des zorns" - streitschrift für eine gerechte gesellschaft - bei droemer heraus.
und der dritte tipp: mein eigener gedichtband "Mensch Maria",
zu bestellen bei amazon,
da gibt es vielleicht auch etwas zum ausweniglernen,
wie zum beispiel
die welt brennt
ganz weit hinten brennt der wald
vor mir die saftige wiese wallt
unter dem magma,
das du noch nicht siehst.
die frierenden blumen
auf dem wabernden boden
erblühen schlagartig ganz.
im feuer tanzen die baumgeister
in wilden verrückten tänzen.
ich jedenfalls kann's auswendig.
wenn nicht ich, wer sonst?
wenn nicht jetzt, wann sonst?
wenn nur ich, was bin ich dann?
und nochwas: als ebenso "unnatürlich" (siehe textbeginn zitat greer) wie weibliches künstlerisches schaffen wird auch heute noch reichtum in frauenhand angesehen. die conti-käuferin darf keinen pelz tragen, obwohl die enthaarung und gerbung für die lederschuhe von managern doch noch viel umweltschädlicher und ekelhafter ist.
ich kenne einige vermögende frauen in hannover, denen ratzfatz ein sogenannter betreuer (so nennt man jetzt die entmündigung) vor die nase gesetzt wurde. das wäre einer armen wohnungslosen nie passiert.
die eine dieser vermögenden frauen hat sich einfach nach teneriffa-nord abgesetzt, gratulation, die andere, hausbesitzerin am volgersweg, leidet still vor sich hin und sucht trost in einer sekte, mein beileid.
bedroht ist man auf jeden fall als frau, wenn man erfolg und geld hat. herr helg scarbi hat uns das jetzt mit frau klatten und co., vorgeführt.
das adlon in berlin war zwischen den weltkriegen berühmt für seine gigolos.
aber so weit braucht man inzwischen gar nicht mehr reisen als gut situierte hannoveranerin.
in den hiesigen grand hotels gibt es für einen hunderter sehr charmante, sympathische, gut aussehende mitdreißiger zu mieten. über deren mögliche kriminelle energien allerdings fehlen mir informationen.
dichtung ist, was man auswendig lernen möchte, sagt jaques derrida, ce qu'on apprend par coeur.
da hätte ich hier ein paar weiblich-schöpferische empfehlungen zum sonntag und jeden tag. warum ruhte gott eigentlich am sonntag, fällt mir gerade ein? er war doch gott allmächtig, er brauchte doch nicht ausruhen.
aber bitte, hier mein tipp:
die österreicherin anja plaschg alias soap&skin hat ein suggestives album herausgebracht, damit man nicht ständig im internet ihre songs einzeln runterladen muss: lovetune for vacuum, das man auswendig lernen möchte in wort und musik.
spiegel kultur nannte sie alpentraum, obwohl sie vom alptraum singt, und brachte sie im stil einer schwarzen witwe auf die titelseite (das korrespondiert zu meinem blog-text von der täglichen dosis frauenkörper).
aber anja plaschg will das gar nicht, sie will durch ihre poetische dichtung und musik überzeugen. traurig sein, auch wenn man sich nicht schwarz kleidet, das lässt es sich nicht schöner und wunderbarer als mit dieser cd.
anja ist erst 18. ihr 'please, help me,' das geht sowas von unter die haut. wieso gelang es anja plaschg aus der steiermark, diese genialen sound-eingebungen aufzufangen mit ihren feinen sensorchen, endlich mal nicht diese jubelnde pop-klassik zu machen?
lovesongs, von den beatles begonnen, die ja auch jede menge "help me" drin hatten, von yoko ono beklagt, die aber selbst nicht in der lage war, dem eine alternative entgegenzusetzen.
erst diese traurige, auch durchaus klassische, musik von soap&skin, sie passt so unendlich viel besser in die jetzt-zeit als das immer noch viel gespielte 60er-lovelovelove-gejubele der beatles. und wie konnte es sein, dass anja plaschg all dies einfach hinter sich ließ und über den hof, den schweinezuchtbetrieb ihrer eltern, hinwegflog gen london, gen manhattan, rund um die welt.
zweiter tipp: am 3. mai kommt jutta ditfurth mit ihrem neuen buch "zeit des zorns" - streitschrift für eine gerechte gesellschaft - bei droemer heraus.und der dritte tipp: mein eigener gedichtband "Mensch Maria",
zu bestellen bei amazon,
da gibt es vielleicht auch etwas zum ausweniglernen,
wie zum beispiel
die welt brennt
ganz weit hinten brennt der wald
vor mir die saftige wiese wallt
unter dem magma,
das du noch nicht siehst.
die frierenden blumen
auf dem wabernden boden
erblühen schlagartig ganz.
im feuer tanzen die baumgeister
in wilden verrückten tänzen.
ich jedenfalls kann's auswendig.
wenn nicht ich, wer sonst?
wenn nicht jetzt, wann sonst?
wenn nur ich, was bin ich dann?
und nochwas: als ebenso "unnatürlich" (siehe textbeginn zitat greer) wie weibliches künstlerisches schaffen wird auch heute noch reichtum in frauenhand angesehen. die conti-käuferin darf keinen pelz tragen, obwohl die enthaarung und gerbung für die lederschuhe von managern doch noch viel umweltschädlicher und ekelhafter ist.
ich kenne einige vermögende frauen in hannover, denen ratzfatz ein sogenannter betreuer (so nennt man jetzt die entmündigung) vor die nase gesetzt wurde. das wäre einer armen wohnungslosen nie passiert.
die eine dieser vermögenden frauen hat sich einfach nach teneriffa-nord abgesetzt, gratulation, die andere, hausbesitzerin am volgersweg, leidet still vor sich hin und sucht trost in einer sekte, mein beileid.
bedroht ist man auf jeden fall als frau, wenn man erfolg und geld hat. herr helg scarbi hat uns das jetzt mit frau klatten und co., vorgeführt.
das adlon in berlin war zwischen den weltkriegen berühmt für seine gigolos.
aber so weit braucht man inzwischen gar nicht mehr reisen als gut situierte hannoveranerin.
in den hiesigen grand hotels gibt es für einen hunderter sehr charmante, sympathische, gut aussehende mitdreißiger zu mieten. über deren mögliche kriminelle energien allerdings fehlen mir informationen.
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