Samstag, 18. April 2026

Projekt Grüne Soße

 

ffm. „Der Sauerampfer!“, „Pimpinelle!“, „Nein, der Borretsch!“, tönen die Kinderstimmen durcheinander. Probiert haben sie alle, aber einig sind sie sich nicht, die 20 Schülerinnen und Schüler der Klasse 3c von der Engelbert-Humperdinck-Schule, welches denn nun das leckerste, feinste oder liebste unter den sieben Kräutern ist. Am Ende ist klar: Zusammen ergeben sie eine köstliche Spezialität – die „Frankfurter Grüne Soße“.

Das Angebot „Sieben Tage, sieben Kräuter“ ist Bestandteil des städtischen Bildungsprogramms „Entdecken, Forschen und Lernen im Frankfurter GrünGürtel“. Es verbindet die aktuelle Fragestellung von gesunder, klimafreundlicher Ernährung mit der nach regionalen Lebensmitteln im Umfeld der Großstadt. Im Grüne Soße Projekt erleben die Klassen aus Frankfurter Grundschulen hautnah die Arbeit in einem Gartenbaubetrieb und erfahren, was saisonale Lebensmittel mit unserem Klima zu tun haben. Das Angebot wurde bereits 2007 vom Verein Umweltlernen in Frankfurt entwickelt und erfreut sich anhaltend großer Beliebtheit.
Klimafreundliche Ernährung steht neben Gesundheit im Fokus des Angebots. Aktuelle Studien, zum Beispiel des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, zeigen, dass gesundes Essen mit mehr Gemüse auch den Klimawandel bremst. Zudem leidet ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler unter 18 Jahren an Essstörungen. Die bei Kindern und Jugendlichen weit verbreiteten Fast Food Gerichte tragen hierzu nicht unerheblich bei. Das Stadtschulamt Frankfurt unterstützt deshalb Aktivitäten zu gesunder Ernährung und Gesundheitserziehung.

Das Programm „Sieben Tage, sieben Kräuter“ vermittelt jenseits von Müsli und Vollkorndogmen den Schülerinnen und Schülern neue geschmackliche Erlebnisse und feine Gaumenfreuden. Beim gemeinsamen Zubereiten der Grünen Soße lernen die Kinder die sieben Grüne-Soße-Kräuter kennen, Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Sauerampfer, Borretsch, Pimpinelle und Kresse. Darüber hinaus erfahren sie, dass Wildkräuter wie der Spitzwegerich gegen Insektenstiche und gegen den Brennnessel-Juckreiz helfen und dass Vogelmiere oder die himmelblauen Borretschblüten essbar sind und sich für frische Salate eignen.
 
Bewusst wurde für das Programm ein Betrieb ausgesucht, der natur- und landschaftsverträglich Gartenbau im GrünGürtel betreibt. Gemeinsam wird hier ein hochwertiges landwirtschaftliches Produkt angebaut und die - so heißt es - seit Goethe bekannte Frankfurter Tradition fortgesetzt.
Die Kinder wissen bereits, dass beim Essen viel CO2 eingespart werden kann. Die Klasse ist gut informiert über den Zusammenhang von Ernährung und Klima. Kein Wunder, in der Familie, in den Medien, im Schulunterricht ist das Thema immer wieder präsent. „Das Bewusstsein zu schärfen für die Möglichkeiten jeder und jedes einzelnen, durch klimafreundliches Essen unsere Zukunft mitzugestalten, ist für mich das Wichtigste“, erklärt Projektleiterin Barbara Clemenz vom Verein Umweltlernen in Frankfurt. „Jede Familie kauft ein. Zukunftsfähig bedeutet dabei: möglichst regional, saisonal, bio und verpackungsarm. Das geschieht hier ohne erhobenen Zeigefinger, mit Genuss und mit viel Spaß an der gemeinschaftlichen Zubereitung.“
Das Gruppenerlebnis löst dann auch manche Skepsis gegen so viel Grün auf dem Teller auf. Alle Kinder der Klasse probieren zumindest ihre Grüne Soße. Die überwiegende Meinung: „Lecker!“ So lässt sich die Klasse ihren Beitrag zum Klimaschutz schmecken.

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