Freitag, 22. Mai 2026

Pfingsten, höchster christlicher Feiertag, der Heilige Geist und das Heilige Ich...

Warten auf den Heiligen Pfingstgeist. iptextfoto
Am Anfang unseres Zeitalters standen zwei Justizmorde wie Säulen, in Jerusalem an Jesus und in Athen an Sokrates. 

Auch unsere Kultur sollte deshalb gegenüber den Begriffen Gerechtigkeit und Rechtspflege eine empfindliche Haut haben.

Das genaue Gegenteil traf jedoch ein. Im selben Augenblick, als die Christen um 33 die Macht ergriffen hatten, begann das Abschlachten der anders Denkenden.

Die "heidnische" Philosophin und Mathematikerin Hypatia wurde buchstäblich in Stücke zerrissen. Danach fand eine unfassliche Menge von Ketzerprozessen statt. 

Verglichen mit dem, was nun folgte, war der Prozess gegen Jesus human, anständig und nobel und beanspruchte wenig Zeit im Gegensatz zum Justizmord in Rom an Giordano Bruno, der volle acht Jahre in den Kerkern der Inquisition verbrachte, bevor er lebendig verbrannt wurde. 

Aber die Kirche konnte ihn nicht brechen. Er widerrief seine Lehre als abtrünniger Mönch nicht, sondern kämpfte um sein Leben, bis er den Scheiterhaufen bestieg.

Die eigentliche Geistesgeschichte Europas ist mit Blut geschrieben -  von den Verrätern und Abweichlern, die zusammenbrachen, weil sie ihre eigene Meinung nicht gegenüber der Gruppenmeinung verrieten. Ein Vernichtungskrieg zwischen der Masse und dem Einzelnen, ein Kampf auf Leben und Tod. Es rückt leider das Ganze in ein etwas falsches Licht, wenn man abstrakt alles in den Glanz der großen, strahlenden Ketzernamen stellt. Gewöhnlich geht es nicht so heroisch zu...

Der beste Teil vom einzelnen Menschen gehört seinem eigentlichen Ich an, der größte andere Teil den Massenmeinungen: Mit diesem kollektiven, dumpfen, furchtsamen, bürgerlichen, gewohnheitsmäßigen Teil unserer selbst verraten wir täglich unser wirkliches, heiliges Ich. (von ip leicht umgearbeiteter Übersetzungstext aus dem Norwegischen von Taja Gut) 

"Warte nicht auf bessre Zeiten, wartest mit deinem Mut gleich dem Tor, der Tag für Tag an des Flusses Ufer wartet, bis die Wasser abgeflossen..." (nach Wolf Biermann, 90) iptextfoto

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